Rhythmik – das Auf und Ab des Lebens

Wenn es universelle Gesetzmäßigkeiten gibt, dann ist die Rhythmik definitiv ein Teil davon, wenn nicht sogar eine Grundkonstante. So wie der Spruch „die einzige Konstante im Leben ist Veränderung“ schon aussagt, ist das nur ein anderer Ausdruck für Rhythmik.

Durch alle Naturphilosophien, durch alle religiösen und spirituellen Lehren zieht es sich wie ein roter Faden. Es ist im Grund eine Kosmologie, die Abläufe beschreibt die aber nicht nur das Große im Ganzen betrachtet, sondern eine Beziehung aufzeigt, dass selbst die Kleinsten Abläufe auf das Große sich auswirken, und umgekehrt.

In seinem neuesten Newsletter schrieb Wolf-Dieter Storl, seines Zeichens Ethnobotaniker und Kulturanthropologe, dass er den Import von Heilsystemen um unseren europäischen Körper zu „bearbeiten“ und zu heilen, für verfehlt halte. Zwar bietet die TEM (traditionell europäische Medizin) viele Aspekte einer Heilkunde, doch wurde diese durch Jahrhunderte der Verfolgung und Verfemung beschnitten, und an vielen Stellen mit der Wurzel ausgerissen. Auch trägt diese Haltung der Globalisierung und der Durchmischung anthropologischer Dimensionen keine Rechnung. Die Grundlage „DES Westeuropäers“ gibt es weder im genetischen noch im phänotypischen Bereich. Daher ist es eine Realitätsverkennung, gerade aus kulturanthropologischer Sicht. „Heute mehr denn je braucht es transkulturelle Arbeitsmethoden um der anthropolgischen Dimension gerecht zu werden.“ (frei nach Martin Henglein)

Historisch betrachtet wurden viele (animistische) schamanistische-esoterische, kräuterheilkundliche und auch spirituelle Traditionen in den Untergrund gedrängt, oder sind mit Feuer und Forken verfolgt worden. Während im 11. Jahrhundert in der jüdischen und arabischen Welt die Medizin als Disziplin er- und aufblühte, wurde in Europa das Sezieren unter Strafe gestellt, und Heilmittel unter kirchliche Restriktion gestellt. Wären nicht herausragende Personen, wie zum Beispiel Hildegard von Bingen, Theophrastus Bombast von Hohenheim (Paracelsus) oder später Sebastian Kneipp (um nur ein paar zu nennen) gewesen, wäre die europäische Naturheilkunde gegen 0 gestutzt worden. Die Sehnsucht, nach Heilung, Ganzwerdung und einem holistisch-ganzheitlichen Behandlungssystem ist sogar bis heute am wachsen (leider auch inklusive der Scharlatanerie). Was also ist der sinnvollste erste Schritt? Man schaut auf bestehende Heilsysteme, die diesen Idealen zumindest annäherungsweise Nahe kommen – man sucht Gemeinsamkeiten, Puzzelstücke die man integrieren kann, Überschneidungen, inhaltliche Lücken im eigenen System und erkennt die Ränder an denen man anknüpfen kann. Ja, wir haben spezifische lokale Eigenheiten die sich in Verträglichkeit und Annahme von bestimmten Kräutern, Heilmitteln und Diäten nicht komplett mit allen Menschen gleichmäßig decken lässt, doch sind das meiner Ansicht nach verschwindend geringe Anteile, die man im Einzelnen zwar betrachten, aber keine generelle Ablehnung von „importierten Heilsystemen“ rechtfertigt. Schließlich sind wir weder genetisch, noch phänotypisch, bis ins letzte Detail eine homogene Masse.

Wir sind Menschen, wir bluten alle rotes Blut, wir stimmen in circa 99% in unserer Genetik überein, wir haben strukturell-anatomisch einen nahezu gleichen Aufbau, unser Energie- und Aurakörper sind ähnlich aufgebaut und psychologische Abläufe und Modelle greifen nahezu bei allen Menschen. Doch schaut man in den Mikrokosmos – Darmmikrobiom inkl. Verstoffwechselung von Nahrung und Medikamenten, genetische Marker, individuelle Dufterinnerungen, psychische Ex- und Impression, Finger- und Irisabdruck, die Form des Ohres, usw. so zeigt sich, wie individuell wir „unter der Haube“ sind.

Indem wir uns nur darauf konzentrieren was uns trennt, können wir uns selbst nicht als das begreifen, was wir aus humanistischer, spiritueller und ganzheitlicher Sicht sind. Haben wir das begriffen, können wir in die Details schauen, die uns zwar unterscheiden, aber nicht von den anderen trennen, sondern unseren individuellen Ausdruck unserer Existenz manifestiert haben, und dazu beitragen können unsere pluralistische Welt bunter zu machen.

Dies zeigt auch den fundamentalen Fehler der Fachdisziplinen der Schulmedizin, die einen Kardiologen glauben lässt, der Patient besteht „nur“ aus einem Herz, alles andere sei nicht wichtig, bzw. das eine Sklerosierung der Hodenarterien (aus dem aktuellen Webinar über Männerheilkunde) einen Herzinfarkt nicht 3-5 Jahre vorher ankündigt, bzw. damit nichts zu tun hat. Verbindungen werden nicht hergestellt, da der eigene Blick mit Scheuklappen verstellt ist, wenn der Mensch nicht als Ganzes wahrgenommen wird.

Wir sehen Anhand von Biodiversität, der ökologischen Verschränkung und der generellen Vielfalt, dass je pluralistischer unsere Existenz angelegt ist, das Leben erblüht und eine Rhythmik durch und mit der Existenz einhergeht. Gleichschaltung, Einbetonierung, Versiegelung, Vereinheitlichung – führt zu Sterilität und unterbricht die Rhythmik des Lebens empfindlich und massiv.

Und das spiegelt getreu der Spagyrik und Alchemie im Großen wie im Kleinen, also Makro- und Mikrokosmos wieder. Würde man unser Haut- und Darmmikrobiom auf einen einzigen Zellorganismus reduzieren, würden wir wahrscheinlich nicht nur, nur noch eine Art von Nahrung verdauen können, sondern unser gesamter Organismus würde aufgrund von Mängeln zusammenbrechen; und im Sinne der Haut um ein vielfaches Durchlässiger für Einflüsse von Außen werden, seien es Umweltgifte, Strahlung oder Mikroorganismen. Jede Regulation und Rhythmik besteht durch die Vielfalt der Impulse.

In der alchemistischen Weltanschauung wird versucht, den Mensch in seiner Ganzheit zu erfassen. Und dabei meint man nicht nur Ganzheit im Sinne von einem Körper, der mit Geist und Seele verbunden ist, sondern den Mensch als Mikrokosmos in der Welt (Makrokosmos). Die uns umgebende Welt ist durch Rhythmik bestimmt, z. B. die Jahreszeiten, Tag und Nacht, Wachen und Schlafen, usw. Diese Rhythmik kann ebenso im Mikrokosmos des Menschen wiedergefunden werden. Sind Rhythmik und Zellkommunikation im Körper im Einklang/Fluss (respektive wieder hergestellt), so können auch die organischen Regelkreise optimal arbeiten. Dies umfasst im Kern auch die TCM und ihre Lehre um Yin und Yang.

Heilsysteme wie die Homöopathie, die anthroposophische Medizin, die Spagyrik, TCM, Ayurveda, u. a. betrachten die Signatur der Pflanzen, ihre zugrunde liegenden Muster, und übertragen diese auf den Menschen und seine Befindlichkeiten, und geben dadurch eine Möglichkeit die eigene Rhythmik wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Schließlich sehen wir an Krankheit, explizit an dem Beispiel von „Krebs“, wie sich Zellen verhalten wenn sie sich nicht mehr im eigentlichen Rhythmus befinden. Und diese Rhythmik, im großen Kosmos wie in uns selbst, ist der Dreh- und Angelpunkt der uns auch rückwirkend mit Allem wieder verbindet. Dem All-Eins-Sein.

Diese Art von Rhythmik sehen und erleben wir, auf der nördlichen Erdhalbkugel noch deutlicher, durch unsere Jahreszeiten – haben aber oftmals vergessen, dass auch unser Körper entsprechende Kreisläufe, Rhythmiken und „Schwankungen“ hat. Ein möglicher Grund, wieso man von der „Winter-Depression“ spricht, ist der Irrglaube, dass wir Menschen im Gegensatz zur restlichen Natur keinen Winterschlaf bräuchten, und unseren Alltag einfach genau wie zu jeder anderen Jahreszeit durchlaufen können – als würden auch so nicht jeden Tag schon Neurotransmitter und Hormone uns durch einen Biorhythmus peitschen. Je mehr wir gegen die Rhythmik, gegen unsere Natur arbeiten, desto anstrengender wird der Tag, unerholsamer die Nacht und mündet in chronifiziertem Disstress mit einhergehender Entzündungsreaktion.

Über Jahreskreis, Rhythmik und Kreisläufe kommen wir zu den Tierkreiszeichen und damit zur Astrologie. In der Astrologie geht es weniger um interstellare Einflüsse von außen, die Planeten und Sterne auf uns haben. Sie sind Schablonen der Muster die uns im inneren Bewegen, und symbolisieren mit ihrer Rhythmik einen Kreislauf und gleichzeitig eine psychisch-seelische Evolutionsspirale.

Wir erleben Rhythmik also auf allen Ebenen unseres Seins, ob wir sie wahrnehmen oder nicht. Und besonders wenn wir sie nicht wahrnehmen, tendiert unsere chaotische Natur dazu, und aus einem gleichmäßigen Rhythmus zu werfen und gerät ins Stocken.

Und genau darum braucht es eine holistisch-ganzheitliche Sicht auf den Menschen, um wahrlich um-fassend beraten zu können, Impulse zur Rhythmisierung anbieten zu können, und zur Selbstermächtigung zu führen, die uns befähigt selbst regulativ auf uns einzuwirken.

Eine Rhythmisierung, wie sie die spirituelle Lebensberatung und die Duftkommunikation, ebenso wie die meisten komplementären Heilsysteme anbieten, ist eine Chance in diese Rhythmik – in den Rhythmus der Welt wieder zurück zu finden.

Ordnung und Gleichgewicht sind nicht als starre Muster zu verstehen – Starrheit ist die Vorstufe von Zersplitterung. Ein echtes Gleichgewicht erkennt die Rhythmik des Seins an, und ermöglicht/verleiht Handhabbarkeit.

thematisch ergänzende Beiträge von mir:

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8 Kommentare zu „Rhythmik – das Auf und Ab des Lebens“

  1. […] ergänzender Beitrag: Rhythmik – das Auf und Ab des Lebens […]

  2. […] Die Vorteile einer salutogenesischen Sichtweise sind nicht nur, ein besseres Verständnis der ätherischen Öle als solche, sondern berücksichtigt ihre Wirkweise, genauso wie ihre Anbauweise, die Anwendung im täglichen Leben und die damit verbundene Rhythmik. […]

  3. […] mehr in den Beiträgen „Rhythmik – das Auf und Ab des Lebens“ und „Die Seele – Matrixschablone unseres Bewusstseins“ thematisch weiter […]

  4. […] Wesenheiten die uns umgeben, die Natur die uns hervorgebracht hat, ebenso ein Grundverständnis von Rhythmik (Jahreskreis, […]

  5. […] Rhythmik stellt eine Gesetzmäßigkeit dar, mit der die verschiedenen Systeme im System der Matrix […]

  6. […] auch die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft verbunden, und dank Spagyrik in ein Konzept von Rhythmik in uns und um uns […]

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