Wie Düfte unser Leben steuern, beeinflussen und eigentlich erst lebenswert machen, kann man nicht erst am Beispiel der Aromatherapie oder der Duftforschung sehen, sondern lässt sich vom täglichen Wäschewechsel, dem Duft des ersten Kaffees oder Tees, der Körper- und Gesichtspflege bis hin zu jedem Geschmack den wir „schmecken“, genau genommen riechen, bis hin zur Einflussnahme auf unsere Hirnchemie und die damit verbundenen Botenstoffe wahrnehmen und ableiten.
Nach COVID und der damit verbundenen sogn. Anosmie, dem Verlust des Riechvermögens das sich nur schwerlich oder teilweise sogar gar nicht wieder regenerieren lässt, ist die Bedeutung des Geruchs und unseres Riechsinns wieder etwas mehr in den Vordergrund gerückt. – Weiterhin gilt er allerdings immer noch als der Sinn, der am meisten unterschätzt wird. ergänzender Link zu heute.at
Gerüche und Düfte (die im Grunde chemische Signal-Vielstoffgemische sind), besser Duftimpulse – wobei hier die etwas positivere Konnotation „Duft“ verwendet wird, also ein wohl-Geruch – werden von unseren Riechkolben, quasi über ein Schlüssel-Schloss Prinzip in elektrische Signale umgewandelt, und werden als Geruchsinformation über ein Netzwerk verschiedener Hirnregionen verarbeitet. Dort werden Duftreize mit Erinnerungen abgeglichen, verknüpft und überprüft. Und das geschieht in für uns nicht wirklich fassbarer Zeit. Das erklärt auch ganz grob, wieso Düfte uns so tief berühren können.
Dabei ist das häufig verwendete Schlüssel-Schloss-Prinzip, für das Riechen als Ganzes, zu einfach gedacht.
Ein Duftmolekül aktiviert nicht zwingend nur einen einzigen Rezeptortyp. Ein Rezeptortyp kann umgekehrt auf verschiedene Moleküle reagieren. Erst wenn verschiedene Rezeptoren stimuliert wurden, und das Signal das Hirn erreicht, kombiniert unser Gehirn diese Informationen zum Duft, wie bei einem Orchester das aus diversen Instrumenten und Noten besteht. Gerüche werden deshalb kombinatorisch codiert.
Und wie die neuere Riechforschung zeigt, ist diese Codierung ganz individuell. Daraus ergibt sich, dass auch Düfte individuell wahrgenommen werden. Und damit ist die Verknüpfung der individuellen Erlebnis- und Erinnerungswelt noch nicht mal eingeschlossen. Wir erahnen somit, was für ein unglaublich komplexes System hier am werke ist.
Alle Organismen verwenden chemische Signale zur Übertragung von Information. Und bei allen wird das chemische Signal in ein elektrisches umgewandelt, und am synaptischen Spalt wieder über Botenstoffe in ein chemisches Signal, dass ein elektrisches Signal stimuliert.
Chemische Signalstoffe dienen z. B. der Regulation von Artengemeinschaften, der Organisation sozialer Systeme, können sogar dazu führen das bestimmte Spezies ihr Geschlecht entsprechend verändern. Chemische Signalstoffe strukturieren komplexe Ökosysteme und Gemeinschaften, ermöglichen das Erkennen von Freund und Feind und das Auffinden von Futterquellen.
Wir besitzen etwa ähnlich viele Riechrezeptoren in unseren Riechkolben wie Hunde, sind aber nur noch selten in der Lage ähnlich wie unsere vierbeinigen Freunde auf unsere Nase so maßgeblich zu „hören“. Man vermutet, dass diese Verlagerung auf Seh- und Gehörsinn dazu geführt hat, dass in der Evolution unser Geruchsinn nicht mehr so ausgeprägt ist, obwohl wir rein von der Veranlagung dazu fähig wären. Wir riechen also deutlich besser als wir denken.
Olfacio, ergo sum. – Ich rieche, also bin ich.
Düfte machen in unserer Menschheitsgeschichte einen großen Anteil aus. Nicht zuletzt wegen Räucherstoffen wurde ein Teil des Handels über Kontinente hinweg am Laufen gehalten. In ihrem Buch „Botschaft an den Himmel“ von Susanne Fischer-Rizzi, wird diese Geschichte des Duftes von den Hochkulturen bis in die heutige Moderne äußerst anschaulich beschrieben. Von den ersten schamanistischen Traditionen bis heute ist der Duft nicht mehr weg zu denken. Interessanter weise, werden z. B. in Tibet gute Wesenheiten die man mit Räucherwerk anlocken möchte, als sogn. „Duftfresser“ bezeichnet, da sie sich direkt von den feinstofflichen Energien des Räuchwerks ernähren.
Ein Duft wirkt also um uns, über uns und in uns. Und ist damit ein ideales Medium um die Kommunikation mit unseren unbewussten Anteilen, unseren verdrängten und dissoziierten Erlebnissen zu kommunizieren – und ist feinstofflich genug, diese behutsam zwar anzustupsen, doch nicht direkt in unser Bewusstsein zu zerren.
ergäzend hierbei mein Beitrag Seelische/psych. Wirkung von äth. Ölen
Dabei spielt es eine große Rolle, ob die ätherischen Öle naturrein und 100% natürlichen Ursprungs sind. Pflanzen sind uns mit ihren Phytohormonen, ihren Zellstrukturen und ihrer Art und Weise durchaus ähnlich, wobei Pilze uns deutlich ähnlicher wären. Wahrscheinlich hat das evolutionsbiologische Bewandtnisse, dass wir diese Pflanzen konsumiert und gezielt eingesetzt habe, dass sich in unserem Körper die passenden Rezeptoren dafür gebildet haben. Darum kann die Information, die eine Pflanze zum Beispiel bei Stress durchmacht, uns dabei helfen ebenso mit Stress besser umzugehen.
Die Blutorange ist ein dafür ein hervorragendes Beispiel.
Blutorangen (pigmentierte Orangen) ähneln den „normalen“ Orangen, werden jedoch unter Bedingungen kultiviert, die die Bildung der roten Pigmente fördern. Diese Anthocyane kommen auch in anderen Pflanzen vor. Bei Orangen entstehen sie nur, wenn im Herbst und Winter sehr niedrige Nachttemperaturen herrschen, d. h. die Früchte erleiden Stress und reagieren mit den Pigmenten darauf, darum zeigte die Erfahrung in der Duftkommunikation, dass bei extremen Stressphasen Menschen sich oft am liebsten für das Öl der Blutorange entscheiden.
Hier kommt also, man möchte fast von einer homöopathischen (gleiches heilt gleiches) Wirkweise sprechen, die stresslindernden Eigenschaften die in der Blutorange zu finden sind, dem gestressten Nervenkostüm unserer schnelllebigen Welt zu Hilfe.
Im Grunde sind ätherische Öle ein systemisches Gebilde, charakteristisch geformt durch Umweltbedingungen und -beziehungen ihrer Ausgangspflanze, deren Verortung im nachbarschaftlichen Umfeld und ihres erfolgreichen Informationsaustausches. Auch die Informationen über die Qualität des jeweiligen Verarbeitungsprozesses gehören dazu. All das fließt als Input in die ätherischen Öle ein.
Es kann vorkommen, dass ein ätherisches Öl als zu stark/intensiv wahrgenommen wird – hier könnte man stattdessen ein Hydrolat anbieten. Hydrolate können insbesondere dann interessant sein, wenn ein zurückhaltender Duft oder ein kleines wiederkehrendes Ritual gewünscht wird.
Duftkommunikation und Psychosomatik
Psychosomatik wird von der Schulmedizin beschrieben, als psychogene Faktoren die somatische, also körperliche Erkrankungen, auslösen können. Aus psychotherapeutischer, heilpraktischer und allgemein ganzheitlicher Sicht, ist es ein gegenseitiges Beeinflussen. Bei dem Seminar über Männergesundheit neulich wurde das noch anschaulicher am Beispiel der erektilen Dysfunktion erklärt. Durch vielfältige Stressoren, nimmt die Erregungsleistung des Schwellkörpers ab, die Neurotransmitter „leiern aus“ (genauer gesagt, die Erregungsleistung vermindet sich), verursachen damit Leistungsstress, der die ganze Stressachse erneut befeuert.
Die Psychosomatik und die davon abgeleiteten Therapieformen und Beratungsmodelle, ermächtigen uns mit Stress und anderen Faktoren besser umzugehen, sie zaubern diese nicht weg. Zumal wir uns heutzutage kaum den diversen Einflüssen entziehen können, wenn man nicht gerade einen Aussteigerhof besitzt und sich von der modernen Zivilisation mit allen Annehmlichkeiten aber auch Schattenseite abkapselt. – Ob dieses Abkapseln auf unbestimmte Zeit aus ganzheitlicher Sicht tatsächlich zum gewünschten stressfreien Dasein führt, ist aus meiner Sicht in Zweifel zu ziehen. Wir sind als Menschen soziale Wesen, dass steckt uns als Abstammende vom Primaten wortwörtlich in den Genen. Eine Abschottung lässt uns wortwörtlich vereinsamen. Eine weitere Befeuerung der Stressachse.
Wenn wir hier also von Psychosomatik sprechen, dann beschreibt das die Wechselwirkungen zwischen körperlichen Vorgängen, Nervensystem, seelischem Erleben, Verhalten und Lebenssituation.
Belastung, aka Stress bzw. genauer gesagt Disstress, kann sich sehr konkret körperlich zeigen – beispielsweise durch Muskelanspannung, veränderte Atmung, Magen-Darm-Beschwerden, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Erschöpfung oder eine verstärkte Schmerzwahrnehmung.
Das Ziel ist nicht, Stress zu vermeiden, sondern die eigene Handhabbarkeit zu unterstützen.
Die Verbindung Körper-Geist-Seele ist fließend und bedingt sich gegenseitig:
Psychisches Erleben beeinflusst körperliche Prozesse – und körperliche Zustände beeinflussen unser psychisches Erleben.
Für die psychosomatisch orientierte Aromatherapie bedeutet das: Wir versuchen nicht, ein komplexes Beschwerdebild einfach mit einem passenden Öl phytopharmakologisch zu behandeln.
Psychosomatisch orientierte Aromatherapie, auch Psychoaromatherapie genannt, versteht Duft nicht als Mittel, mit dem komplexe Beschwerden einfach „weggeduftet“ werden.
Sie kann vielmehr begleitend eingesetzt werden, um beispielsweise als Duftimpulse:
- Selbstwahrnehmung zu fördern
- vorhandene Ressourcen zugänglicher zu machen
- kurze Regulationspausen zu unterstützen
- eine Atem- oder Körperübung zu begleiten
- hilfreiche Handlungen im Alltag zu verankern
Der Duft, als Impuls, ist ein Rück-erinnern an die eigenen Stärken und Ressourcen. Aus dem Duft heraus strahlt zwar eine gewisse Eigenenergie, doch die Resonanz in uns ist ausschlaggebend ob dieser Impuls eine Wirkung entfaltet und nachhallt, oder verklingt.
Im Rahmen der Duftkommunikation und des DuftCoachings ist besonders wichtig, dass hier keine therapeutische Zielsetzung verfolgt wird, auch wenn die begleitenden Methoden sich überschneiden. Therapie im wortwörtlichen Sinn gehört in die Hände von Therapeuten, und ist nicht Teil eines Coachings. Aromatherapie ersetzt keine notwendige medizinische, psychotherapeutische oder psychiatrische Diagnostik und Behandlung.
In der Duftkommunikation und der psychosomatisch orientierten Duftarbeit fragen wir nicht zuerst nach dem Öl gegen ein Symptom. Wir fragen nach dem Menschen, seinem aktuellen Erleben und der Ressource, die ihm helfen kann, wieder mehr Handhabbarkeit zu erfahren. Und ihn Selbst zu ermächtigen diese Handhabbarkeit anzuwenden.
Was ist die Duftkommunikation?
Die Duftkommunikation umfasst eine praktische Methode die auf der Arbeit mit dem vereinfachten Duftkreismodell nach Martin Henglein basiert, und durch verschiedene Coaching-Techniken erweitert und modular ergänzt werden kann.
Die Duftkommunikation bietet eine Kommunikationsmöglichkeit an, die ätherische Öle als Kommunikationsmittel in den Fokus rückt und bietet dem Riechenden die Möglichkeit über den Duft, eine Brücke zwischen Außenwelt und Innenwelt zu schlagen, um dabei neue Erfahrungen und Erkenntnisse zu sammeln. Die Duftkommunikation eignet sich als Coaching-Element (Duft-Coaching), um Begleiter für den Alltag, individueller Erfahrungs- und Erkenntnissammler, Stressmodulator, Selbstverwirklichungs- und Selbstwertverstärker und nonverbales Ausdrucksmittel und Kommunikationsmittel zu nutzen.
Coaching ist keine Therapie, und hat klare Grenzen und Kompetenzen. Auch wenn man in einem therapeutischen Setting die Duftkommunikation anwenden kann, so muss man dafür auch extra geschult sein. Darum wird, wie bei vielen Kommunikationsvarianten, nicht nach dem „Warum“ gefragt, kein Duft erzwungen, und auch keine Schattenarbeit betrieben.
Die Duftkommunikation ist eine Kommunikation mit dem Duft, über den Duft und durch den Duft, bei der die subjektive Duftwahrnehmung und das individuelle Duftempfinden des Riechenden im Mittelpunkt stehen -> Duftkommunikation als „Resonanz und Interaktion zwischen Duft und Psyche“.
Die Duftkommunikation folgt folgende Prinzipien:
- Die Duftkommunikation integriert eine ganzheitliche Betrachtungsweise und Kommunikation, die sich zwischen Beratungsmodellen von lösungsorientierter Gesprächsführung, systemischer Beratung und dialogischer aktiver Kommunikation bewegen kann
- Die Duftkommunikation arbeitet mit dem Duft der ätherischen Öle über den Geruchssinn durch verblindendes Riechen
- Die Duftkommunikation bezieht die aktive Duftimagination und das NLP-Modell (VAKO) mit ein
- Duftwahrnehmung und Reaktion des Klienten stehen im Mittelpunkt
- der Duft übernimmt die Rolle des „Gesprächspartners“ und tritt in die Duft-Interaktion mit dem Klienten
- die individuelle Resonanz auf die Düfte, evtl durch thematische Ressourcengliederung oder Farben, wird zum Kompass in der Reflektion mit dem Duft, der auf dem Duftkreis Orientierung geben kann
- Klienten sind aktive Gestalter, keine passiven Therapie- oder Gesprächsempfänger
- Duftkommunikation fördert die eigene Stimmigkeit und Kongruenz zu erkennen und zu erleben
- die Begegnung mit dem Duft wird zum sinnlich-sinnhaften Erlebnis
- Voraussetzung für die Duftkommunikation sind Respekt, Achtsamkeit und die Autonomie des Klienten
- in der Duftkommunikation findet eine Begegnung auf Augenhöhe mit dem Klienten statt
- bei der Duftkommunikation wird nicht mit dem Inneren gearbeitet, sondern das Innere wird angeregt, zu zeigen, wozu es im Moment bereit ist, es wird ein Angebot gemacht, keine Inquisition, keine Schattenarbeit
Dabei spielen zwei Grundannahmen eine wesentliche Rolle:
- Jeder Duft trägt die Information über seinen Ursprung, deren Ökosystem und erfolgreicher Überlebensstrategien in sich – diese Informationen der Düfte bieten thematische Impulse und Informationen an. Diese Informationen treten in Resonanz und Interaktion mit unserem psychosomatischen System, unseren Energiekörpern, unseren Erinnerungen und Gefühlen. In der Annahme oder der Ablehnung des Duftes, zeigt sich der momentane Stand der Möglichkeit sich mit der Information zu öffnen. Ablehnungen müssen zwingend respektiert werden.
- Jeder Mensch tut zu jederzeit sein Bestes, wie er es jetzt nach seinem Wissensstand kann, und basierend auf der Summe seiner Erfahrungen. Je wertfreier wir das betrachten können, desto besser können wir zu mehr Selbstermächtigung zurückfinden und stärken.
Worum geht es in der Duftkommunikation?
In der Duftkommunikation steht nicht der unmittelbare Kontakt des äth. Öls und sein phytopharmakologischer Wirkmechanismus im Betrachtungsschwerpunkt, sondern die Informationsverarbeitung der Duftsignale flüchtiger Duftmoleküle.
Die Erregung der Riechzellen, auf die unterschiedlichen Moleküle der Duftstoffe, in ihrer individuellen Zusammensetzung, die auf unsere individuelle Riechschleimhaut treffen, löst uns los von der reinen materiellen Betrachtungsweise der Riech- und Duftstoffe als Mono- und Sesquiterpene. Durch die Reizung der Riechzellen, und die daraufhin elektrische Signalweiterleitung, stehen sie unserem Gehirn, quasi digitalisiert zum Ablesen der Informationen bereit. Und dies wiederum unterscheidet uns ganz individuell in unserer Wahrnehmung von Düften und Riechstoffen, und fügt weiterhin noch unsere individuellen Verknüpfungen aus Erinnerungen und Erlebnissen mit den Düften hinzu. Dies, quasi als innere Welt bezeichnet, macht die Arbeit mit Düften zu einem nicht reproduzierbaren Erlebnis, dass bis tief in unser innerstes vordringen kann, wobei gerade diese innere Welt dabei richtungsweisend ist und der Klient zum Akteur im eigenen Zirkus wird.
Das Kommunikationselement ist hierbei die zentral tragende Rolle. Über die Verbalisierung des Empfundenen kommt Unbewusstes sprachlich ins Bewusstsein.
Der Duft, ähnlich den archetypischen Bildern, ermöglicht die Darstellung (in diesem Fall egal ob Wort, Bild, Ton, Farbe) aus dem Unbewussten, die dem Anliegen wesentlich verbunden sind. Dem Duft-Coach kommt die Rolle des Betrachters und Anreichers zu, aber ebenso befähigt durch den Duftkreis und den Duftkompass die thematische Vorauswahl der Düfte zu treffen – um oftmals überrascht davon zu sein, dass sich das individuelle Dufterleben anders gestaltet als wir oftmals gelernt haben. Durch Nachfragen, ähnlich dem sokratischen Dialog, und dem Rückfragen ermöglich man dem Klienten zu reflektieren und unterstützt ihn dabei selbst seine seelischen und körperlichen Empfindungen wahr zu nehmen, und zu verarbeiten.
Der Gedanke der Duftkommunikation ist dem salutogenesischen Denkmodell verbunden. Thematisch passt dazu mein Beitrag Krankheit – was ist das eigentlich?
Im Duftcoaching, respektive der Duftkommunikation insgesamt, geht es nicht um Diagnostik oder therapeutische Analyse – sondern um Stärkung, Selbstwahrnehmung und emotionale Regulation.
Ein gut gewählter Duft kann Halt geben, wo Worte fehlen – und Vertrauen aufbauen, wo Angst und Schmerz das Leben eng macht.
Die Erkenntnisse aus der emotionalen „Duftreise“ fließen in alltagstaugliche praktische Anwendungen, die auf Achtsamkeit, Wahrnehmung und emotionale Selbstregulation ausgerichtet sind. Man spricht dabei vom sogn. Duftanker.
Der Coach selbst steht dabei nicht im Mittelpunkt, sondern ist Teil des Dialogs (eigentlich Trialog) zwischen Klient und Duft und erarbeitet mit dem Klienten gemeinsam eine lösungsorientierte Strategie und Anwendung der Düfte aus dem Themengebiet heraus zum Stärken und Unterstützen. In Form eines Duftankers wird die Applikationsart und -dauer besprochen und erarbeitet.
In der Duftkommunikation kann bereits ein einzelnes ätherisches Öl einen passenden Duftanker ergeben.
Wir müssen deshalb nicht automatisch komplexe Mischungen herstellen.
Gleichzeitig sollten wir uns aber auch nicht zwanghaft auf ein einzelnes Öl beschränken.
Manchmal werden zwei Düfte einzeln als angenehm oder interessant wahrgenommen – aber erst ihre Kombination löst eine ganz eindeutige Reaktion aus. Genauso kann ein Duft auch keine Reaktion auslösen, und erst in Kombination mit einem weiteren, wird eine Reaktion deutlich sichtbar und erlebbar.
Wieso riecht eine Kombination aus verschiedenen Düften anders als ihre Einzelbestandteile?
Werden zwei oder mehrere ätherische Öle kombiniert, entsteht nicht einfach nur eine „Mischung“ aus Duft 1+2.
Die enthaltenen flüchtigen Moleküle bilden gemeinsam ein neues komplexes Duftmuster. Einzelne Duftnoten können stärker hervortreten, andere in den Hintergrund rücken oder sich gegenseitig ergänzen.
Das Gehirn verarbeitet dieses Gesamtmuster.
Deshalb kann eine Mischung subjektiv deutlich anders erlebt werden als ihre einzelnen Bestandteile. – Das kann sowohl vorteilhaft als auch nachteilig sein – da kommt es auf den DuftCoach an.
Ich erinnere mich an einen Vortrag bei der AromaAlliance bei der eine Therapeutin sagte, sie arbeite hauptsächlich mit Mischungen, weil diese standardisiert seien. Dem stehe ich kritisch gegenüber, denn Mischungen können sich entsprechend der ätherischen Öle verändern – wir erinnern uns an die ganzen Faktoren unter denen Pflanzen wachsen und äth. Öle produzieren – und wenn sie aus dem Sortiment fallen ist es meist schwierig einen Ersatz zu finden der die eigene Arbeit konstant begleitet.
Was passiert beim Duft-Dialog, bzw. bei der Duft-Resonanz/-Interaktion?
Düfte gehen in Resonanz mit unserem erlernten „Duftprogramm“, und erzeugen „Annahme“ oder „Ablehnung“, oder etwas dazwischen. In der Duftkommunikation spielen die Informationsverarbeitung der Geruchssignale und deren subjektive Wahrnehmung durch den Klienten eine wesentliche Rolle.
Das Einbeziehen der Riechwahrnehmung ist die Basis und das Potential der Duftkommunikation. Der Duft wird zum Vermittler, zum Ausdruck was bisher nicht ausgedrückt werden konnte.
Ein Duft kann aber auch Türen schließen. Die Ablehnung, auch Duftaversion genannt, eines Duftes kann olfaktorischen Stress auslösen.
In der Duftkommunikation, geht es nicht darum, dass unsere Muster und Ansichten auf den Klienten übertragen werden, sondern das der Klient dort abgeholt wird, wo er steht. Darum sind Muster und Gedanken wie „du brauchst diesen Duft, weil du ihn ablehnst“ hier fehl am Platz. Der Klient muss seine Ablehnung/Duftaversion weder erklären noch überwinden.
Was ist mit aktiver Duftimagination gemeint?
Dies umschreibt die Technik, in diesem Fall einen Duft, so zu beschreiben, dass man selbst eine plastische Vorstellung davon erhält, und gleichzeitig in der Art und Weise wie der Duft beschrieben wird, ein Hinweis auf den weiteren Verlauf in der Arbeit mit diesem Duft gegeben werden kann. In dem man beschreibt, wo am Körper man den Duft gerne hätte, welche Farbe er hat, die Art der Applikation, usw. kann dem Duft-Coach eine Idee vermitteln und dem Klienten gleichzeitig eine Art und Weise vermitteln, die die ätherische Natur des Duftes greifbarer macht.
Was ist der Duftkompass?
Der Duftkompass ist eine qualitative Einordnung der Bereiche auf dem Duftkreis. Diese Qualitäten können archetypischen Mustern, Tierkreisentsprechungen und diversen anderen Analogien entsprechen, und stellen jeweils ein spezifisches Ressourcenfeld dar. Der Duftkompass ist vor allem für den Anreicher der Düfte ein sinnvolles Werkzeug. Im Unterschied zur „klassischen“ Anwendung nach Martin Henglein oder der Herangehensweise nach C.L. bei der direkt über den Duft gegangen wird, ohne vorherige thematische Einordnung.
Eine weitere Variation, ein weiteres Modell der Annäherung, wäre die Duftleiter nach Inge-Lore Andres, ein Farb-Leitsystem für ätherische Öle. Bei der Duftleiter wurde der Duftkreis mit einem Farbsystem kategorisiert. Der Klient wählt nach seinem Thema eine Farbe und der Anreicher trifft auf Grund dessen eine Vorauswahl des Duftes. Dennoch entscheidet die Nase, ob der Duft passt oder nicht.
Wieso wird der Duft verblindet angereicht?
Hierbei spielt die Erwartungshaltung und unsere Ratio eine wesentliche Rolle, den Outcome zu beeinflussen. Je mehr Informationen wir über einen Duft haben, desto eher kategorisieren wir, leiten ab, und haben eine gezielte Erwartungshaltung.
Zwischen 1996 bis 2002 führte die Geruchsforscherin und Psychologin Pamela Dalton mehrere Experimente zur Wirkung der Wahrnehmung von Duftstoffen durch Informationen über Herkunft und gesundheitliche Auswirkungen durch. Sie verwendete Isobornylazetat (Fichtennadelgeruch).
Der 1. Gruppe wurde mitgeteilt, dass es ein natürlicher Extrakt sei und positive gesundheitliche Wirkung hätte. Die Gruppe reagierte positiv.
Der 2. Gruppe wurde mitgeteilt, dass es sich um ein synthetisches Lösungsmittel handle, dass langfristig zu negativen Folgen für die Gesundheit führen würde. Diese Gruppe reagierte mit geruchsassoziierten Symptomen: Kopfschmerz, Lethargie, Schwindel.
Im Jahr 2014 führte die Psychologin Cristina Jaèn eine Studie über den Zusammenhang von kognitiven Erwartungen über „Geruchssicherheit“ und Entzündungen der Atemwege durch. Sie wollte herausfinden inwieweit auch die Listen über Düfte und Riechstoffe, die Asthma auslösend seien und von den Gesundheitsorganisationen herausgegeben werden, Patienten ängstlich stimmen könnten, wenn sie in der Umwelt mit diesen Gerüchen in Kontakt kommen. Ihre Forschung untersuchte, ob Asthma-Symptome durch Geruch ausgelöst werden können oder ob sie hervorgerufen bzw. verschlechtern, wenn eine negative Erwartung mit dem Geruch assoziiert wird.
So wurde acht Probanden gesagt, dass der Geruch potentiell therapeutische Eigenschaften hat. Neun Probanden wurde gesagt, dass der Geruch möglicherweise leichte Atemwegsprobleme verursachen könnte.
Das Ergebnis: Personen, denen gesagt wurde, der Geruch wäre potentiell „schädlich“, bewerteten den Geruch negativer. Außerdem erhöhten sich sofort die Entzündungsparameter der Atemwege und blieben auch 24 Std. danach noch erhöht.
Keine Zunahme der Entzündungsparameter war bei den Personen nachzuweisen, denen der Geruch als therapeutisch benannt wurde. Selbst bei Personen, die sich als empfindlich auf Gerüche und Duftstoffe beschrieben.
Blindriechen reduziert die Einordnung in kognitive-logische Schubladen – es löscht die Duftbiografie aber nicht aus.
Warum Düfte abgelehnt werden können
Eine Duftaversion, also Ablehnung eines Duftes, kann viele Ursachen haben.
- Ein Duft kann schlicht nicht gefallen
- Ein Duft kann zu intensiv sein
- Ein Duft kann in der aktuellen Situation unangenehm wirken
- Ein Duft kann mit einer Person oder einem Ort verbunden sein
- Ein Duft kann an Krankheit oder eine belastende Situation erinnern
- Ein Duft kann aufgrund früherer häufiger Anwendung „zu viel“ geworden sein
- Ein Duft kann in einem bestimmten körperlichen Zustand anders wahrgenommen werden
- Ein Duft kann einen anderen brauchen um angenommen zu werden, je nach Rücksprache mit dem Klienten
Manchmal kennt die Person den Grund.
Manchmal nicht.
Beides ist in Ordnung.
Wir brauchen keine pathologisierende Erklärung, weder somatisch noch psychologisch, für eine Duftablehnung, um sie ernst zu nehmen.
Abschließende Worte
Alle hier, also auf der gesamten Website, vorgestellten Anwendungen, Rezepturen und Impulse verstehen sich nicht als allgemein gültige Rezepte. Das ist auch der Grund wieso ich kaum tatsächliche Dosiermengen angebe.
Sie sind Anregungen, Orientierungshilfen und Einladung zur Selbstwahrnehmung – und dabei ist nichts in Stein gemeißelt.
Denn: Was heute hilfreich ist, kann morgen schon zu viel sein – oder gar nicht mehr passen. Oder gar zu wenig sein. Und was für eine Person wunderbar funktioniert, kann für eine andere unangenehm sein. Genau darin liegt die Stärke einer achtsamen, ganzheitlichen Aromatherapie, respektive Duftkommunikation: Sie hört zu. Sie begleitet. Sie wandelt sich mit dem Menschen.
ergänzende Beiträge von mir:
- Empathie & Impathie als Schlüssel für mehr Resilienz und Stressbewältigung
- Seelische/psych. Wirkung von äth. Ölen
- Krankheit – was ist das eigentlich?
- Schattenarbeit – in Duftkommunikation und Spiritualität
- Duftende Kinesiologie und Duftkommunikation
ergänzender Link: vivere-aromapflege.de – Wie Düfte Erinnerungen und Emotionen beeinflussen. Was die Forschung weiß
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