Als ich den Beitrag Aroma-Energie-Medizin schrieb, hat dieser zwar diese Thematik angeschnitten, hat aber lediglich eine gewisse Form der Einordnung verkörpert, weniger die tatsächliche Handhabbarkeit.
Während die Aromatherapie zwar ein Bestandteil der Naturheilkunde ist, genauer gesagt eine spezielle Sparte der Phytotherapie, fehlt der Aromatherapie oftmals die Einbettung in die klassischen Kosmologie+Ideologie einer ganzheitlichen und holistischen Perspektive. Allzu oft verfällt man der Handhabung der pathogenetischen Sichtweise, ein bestimmtes äth. Öl gegen etwas zu verwenden. Ein kleine Abmilderung findet man manchmal bei verantwortungsvollen Aromatherapeut*Innen, die für die Gesunderhaltung ihre Kniffe und Tipps preis geben.
Die Verführung, eine schnelle Lösung für ein akutes Problem zu finden – quasi sich eine Fast Food Variante der Heilkunde zu bedienen – ist nur all zu verständlich, schließlich ist mit dem wattierten Wort „Problem“ meist eine Leidensform umschrieben. Die Geduld, die eigentlich erforderlich wäre, sowohl mit unserem Körper als auch unserem Geist umzugehen, wird von uns selbst, aber auch von gesellschaftlichen Faktoren nicht bereitgestellt. In der Leistungsgesellschaft, in der wir uns befinden, hat Achtsamkeit, Geduld, Waldbaden, und überhaupt langwierige Therapieformen so gut wie keinen Platz – und genau das macht diese Therapieformen so wertvoll für uns, und erlebt eine immer größere Beliebtheit, als würde sich etwas in uns genau danach sehnen und wissen das es genau das ist, was wir zum Genesen brauchen. mehr dazu im Artikel Krankheit – was ist das eigentlich?
Gerade die „französische“ Aromatherapie, die ein Hoheitsgebiet der Ärzte darstellt, fasziniert mit ihrer pathogenetischen Herangehensweise, und löst ein Sehnen nach komplementären Behandlungsmethoden aus. Die „englische“ Schule der Aromatherapie ist da, durch den maßgeblichen pflegerischen Einfluss mehr auf „Care“ also Pflege im wortwörtlichen Sinne geprägt, und schlägt eigentlich die salutogenetische Brücke, die für eine ganzheitliche Betrachtungs- und Herangehensweise nötig ist.
Die Vorteile einer salutogenetischen Sichtweise sind nicht nur, ein besseres Verständnis der ätherischen Öle als solche, sondern berücksichtigt ihre Wirkweise, genauso wie ihre Anbauweise, die Anwendung im täglichen Leben und die damit verbundene Rhythmik.
Zwar ist beispielsweise die Phytotherapie in die modernisierte Vier-Säfte-Lehre (Humoralpathologie und Solidarpathologie) eingebettet, findet sich aber genauso im übergeordneten Feld der TEM (traditionellen europäischen Medizin) wieder. Die Aromatherapie als solche ist dafür zu jung, streng genommen Beginn des 20. Jahrhunderts. Zwar gibt es Hinweise das Hydrolate bei den alten Ägyptern zu Heilzwecken eingesetzt wurden, ebenso die Sterilisation von Akupunkturnadeln durch Nelkenöl in der TCM in China, ebenso verschiedene Anwendungen im Ayurveda, dennoch fallen diese nur eingeschränkt unter den Begriff Aromatherapie wie wir ihn heute verstehen.
Die Alchemie kennt als zentralen Prozess die Destillation, und man könnte daher sehr gut die Aromatherapie in das alchemistische Weltbild einbetten. Besonders wenn man die Spagyrik (ext. Link: Spagyrik), als Heildisziplin innerhalb der Alchemie mit ihrer Vielseitigkeit den Prinzipien von Rhythmik, naturphilosophischen Ansätzen und Astrologie, beispielsweise in die osmologische Aufschlüsselung des Duftkreises nach Martin Henglein in Betracht zieht.
- Der Geruchssinn ist der intimste Sinn: Er tritt nicht gegenüber, er tritt ein, breitet sich aus und verflüchtigt sich wieder
- Riechen ist Teilhabe, nicht Distanz. Der Mensch steht der Welt nicht gegenüber, sondern ist in sie eingebunden
- Gerüche wirken vor-begrifflich. Der Körper versteht früher, als das Bewusstsein weiß (zentrales Thema der Duftkommunikation)
- Erinnerung ist körperlich gespeichert. Nicht das Ich erinnert sich – die Welt erinnert sich im Körper und setzt das Ich in Bezug dazu
- Ein Geruch hebt die lineare Zeitlinie in uns teilweise auf. Vergangenheit und Gegenwart durchdringen sich, und können auf das was bleibt einwirken (Stichwort Duftanker)
- Der Geruch überschreitet die Grenze zwischen Innen und Außen. Er ist Medium der Durchlässigkeit. Türöffner, Schlüssel für Körper, Geist und Seele.
- Der Körper ist ein Resonanzorgan, eingewoben in ein olfaktorisches Weltgewebe, mit dem wir ständig in Resonanz stehen
- Geruch wirkt archaischer als Sprache und Wille, durchdringt und umhüllt, statt zu überzeugen
- Aromatherapie bedeutet mehr als Pharmakologie. Sie ist Einstimmung auf Regulationsmechanismen die alle unsere Körperebenen durchdringen
- Heilung kann als Re-Synchronisation, der Wiederaufnahme verlorener Korrespondenz von Körper und Natur, und Re-Rhythmisierung verstanden werden
- Im Duft erinnert sich das Leben seiner Ganzheit. Nicht weil wir sie denken – sondern weil wir sie atmen
- Die Rhythmik des Jahreskreises, der Gerüche und Tierkreiszeichen ist auffällig deckungsgleich – der Mensch als Teil dieser Kosmologie bildet da keine Ausnahme
- Aromatherapie wird dadurch zur Arbeit mit Resonanz, Rhythmus und Selbstregulation – ganz im Sinne der Spagyrik
Über Jahreskreis, Rhythmik und Kreisläufe kommen wir zu den Tierkreiszeichen und damit zur Astrologie. In der Astrologie geht es weniger um interstellare Einflüsse von außen, die Planeten und Sterne auf uns haben. Sie sind Schablonen der Muster die uns im inneren Bewegen, und symbolisieren mit ihrer Rhythmik einen Kreislauf und gleichzeitig eine psychisch-seelische Evolutionsspirale.
Die 12 Tierkreiszeichen beschreiben Entwicklungsbewegungen der Seele, die wiederum in den Kontext von weiteren archetypischen Einflüssen (im übertragenen Sinne der Planeten) und wieder zu uns selbst in Bezug gesetzt werden muss.
Anfang, Verkörperung, Austausch, Bindung, Ausdruck, Ordnung, Ausgleich, Wandlung, Sinn, Form, Freiheit, Hingabe
Die elementaren Einfärbungen der Tierkreiszeichen stehen für die regulierenden Grundqualitäten des Lebendigen:
- Feuer:
- Wärme, Wille, Tatkraft
- Erde:
- Halt, Verkörperung, Beständigkeit
- Luft:
- Klarheit, Beweglichkeit, Kommunikation
- Wasser:
- Gefühl, Hingabe, Durchlässigkeit
Und wie als würde man es hier stellvertretend für das Resonanzprinzip aufführen, tragen wir alle diese vier Qualitäten in unterschiedlicher Gewichtung psychosomatisch in uns. Und genau da „beginnt“ die Möglichkeit der Harmonisierung, der Rhythmisierung, der Re-Synchronisation, die weiter oben angesprochen wurde.
Ein herausragendes Beispiel, für eine praktische Umsetzung stellt für mich der Duftkreis in der Flasche – Die „Notfallmischung“ nach Martin Henglein dar.
Wendet man den Duftkreis auf das Riemann-Thomann-Modell (ergänzt durch Kommunikation anhand des Riemann-Thomann-Modells und was das mit unserem Körper zu tun hat) an – oder umgekehrt, so würden sich folgende Überschneidungen ergeben:
- Ich – Feuer: Streben nach Distanz
- Angst: vor Abhängigkeit, zu viel Nähe, Verlust des Ichs, Selbstaufgabe
- Wunsch: Selbstschutz, niemanden zu brauchen, unabhängig zu sein, stark zu sein, Abstand zu halten, unnahbar zu sein, nach Bestätigung von außen
- Ausdruck: Kontaktschwierigkeiten, Zweifel an der eigenen Liebesfähigkeit, Zweifel an der Aufrichtigkeit des anderen, Gefühle können nicht ausgelebt werden, Zyniker, Skeptiker, eventuell unbegründete Eifersucht, wirkt arrogant
- Stärken: Abgrenzungsfähigkeit, Eigenständigkeit, Konfliktfähigkeit, Entschlossenheit, Individualität, Ehrlichkeit, Zivilcourage
- Erde: Streben nach Dauer
- Angst: vor Chaos, Grenzenlosigkeit/Freiheit, faulen Kompromissen, Inkonsequenz und Angst ein Risiko einzugehen
- Wunsch: alles muss seine Ordnung haben, Absicherung, alles soll so bleiben, wie es ist, Gefühle haben keinen Platz, nur der Verstand steuert
- Ausdruck: Perfektionismus, Konservatismus, Intoleranz, Systematik, Nörgler, Mangel an Einsichtigkeit, kontrollierend, Unnachgiebigkeit, wenig Spontanität
- Stärken: Verlässlichkeit, Treue, Bodenständigkeit, Stabilität, Ausdauer, Verantwortungsbewusstsein, Korrektheit
- Licht – Luft: Streben nach Wechsel
- Angst: vor Festlegung, Unfreiheit, Einengung, Richtlinien und Prinzipien
- Wunsch: sich nicht festzulegen, keine Entscheidungen treffen zu müssen, nach Unvergänglichkeit, das innere Empfinden nach außen auszudrücken
- Ausdruck: ständig auf der Suche nach Selbstbestätigung, Verdrängung von Schuldgefühlen, Ausweichen vor Unangenehmem, Partner dienen zur Selbstdarstellung im Außen, Ungeduld, Unzuverlässigkeit
- Stärken: Kreativität, Begeisterungsfähigkeit, Offenheit, Charme und Verführungskunst, Neugier, Flexibilität, Kontaktfreudigkeit, Aufgeschlossenheit, Spontanität
- Du – Wasser: Streben nach Nähe
- Angst: verlassen zu werden, vor Isolation, Einsamkeit, Ungeborgenheit
- Wunsch: umsorgt, geborgen und aufgehoben zu sein, eine Stütze zu haben, im anderen aufgehen zu können, Nein sagen zu können, sich für das Wohl der anderen verantwortlich zu fühlen
- Ausdruck: Verlustangst, Selbstmitleid, Abhängigkeit, Jammern, Übernehmen der Dulderrolle, übertriebene Bescheidenheit
- Stärken: Einfühlungsvermögen, Geduld, Hingabefähigkeit, Zärtlichkeit, Ausgeglichenheit
Der „Duftkreis in der Flasche“ umspannt ganz konkret diese vier Kardinalspunkte, der gesamte Duftkreis nach Martin Henglein ist noch viel umfassender.
Die Duftkommunikation stellt den Klienten in die Mitte dieses Spannungsfeldes und lässt die Resonanz über die Düfte über eine Mischung entscheiden. Die alchemistische Aromatherapie komplettiert, wahrscheinlich wie Martin Henglein den Duftkreis als solchen konzipiert hat, mit weiteren Einflüssen und Faktoren/Impulsen über Ableitungen zu Ernährung enstprechend der TCM, astrologischen Unterstützungsdüften/-mischungen bis hin zu rhythmisierender Tierkreiskosmetik das Potpourri der Auswahlmöglichkeiten.
Ebenso könnte man die Sternzeichen-Öle komponieren, um einen individuellen Duft für eine thematische Stärkung herzustellen:
Was nun die tatsächlichen Handhabbarkeit der Thematik angeht, so ist hier nichts in Stein gemeißelt, sondern soll aufzeigen, was möglich ist, was miteinander verwoben ist, über welche Knoten wir mit uns und unserer Umwelt verbunden sind, und wie wir unterschiedlich darauf einwirken können.
Für mehr Harmonie, Gelassenheit, Verbundenheit.
Lasst Nahrung Eure Medizin sein – Hippokrates
Und um diesen Gedanken, im Sinne der Naturkosmetik, weiter zu denken, muss man sich vor Augen führen, dass Hautpflege Nahrung für unsere Haut sein sollte. Dementsprechend ist es nur der nächste sinngemäße Schritt, Hautpflege zu Heilmitteln zu machen.
Das gelingt schon im kleinen mit Naturkosmetik die aromapflegerisch konzipiert und wirksam ist. Noch besser, wenn man diese selbst herstellt und schon bei der Basis-Öl Auswahl zum Beispiel auf spagyrische Mazerate (zum Beispiel von Soluna Arnikablüten-Öltinktur, Jasminblüten-Öltinktur, Johanniskraut-Öltinktur, Kamillenblüten-Öltinktur, Lavendelblüten-Öltinktur, Melissen-Öltinktur, Orangenblüten-Öltinktur, Ringelblumen-Öltinktur, Rosenblüten-Öltinktur) zurückgreift und diese als Grundlage mit einbaut.
Getreu der spagyrischen Methode, im Endeffekt alles wieder zusammen zu führen was man vorher aufgespalten (Destillation, Mazeration, Veraschung und Gärung) hat.
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