Ätherische Öle in der TEM

In der traditionellen europäischen Medizin (TEM), traditionellen abendländischen Medizin (TAM) oder traditionellen europäischen Naturheilkunde (TEN), spielt die Destillation von ätherischen Ölen eine große Rolle, insbesondere seit dem Mittelalter und der frühen Neuzeit. Die Destillation wurde vor allem in der klösterlichen Medizin und später in der Paracelsusmedizin genutzt, um ätherische Öle und Hydrolate aus Heilpflanzen zu gewinnen. Diese Öle wurden dann in der Humoralpathologie und Signaturenlehre eingesetzt, um körperliche und seelische Beschwerden zu behandeln.

Die Destillation hatte eingebettet in das System der Alchemie/Spagyrik einen wichtigen Stellenwert in der Herstellung und Zubereitung von Heilmitteln. Durch das Aufspalten/Trennen/Scheiden der merkurischen, sulphurischen und salischen Prinzipien, geht eine Potenzierung der Heilinformation von statten, die in der späteren spagyrischen Tinktur wieder zusammengeführt wird. Paracelsus beschreibt das Wesen der Destillation:

Durch die Destillation scheidet sich zuerst das Phlegma von ihnen, dann der Mercurius, dann das Oel, drittens das Harz, viertens der Sulfur und fünftens das Sal. Wenn alle diese Scheidungen durch die spagyrische Kunst geschehen, findet man viele herrliche und gewaltige Arzneien, die innerlich und äußerlich zu gebrauchen sind.

Quelle: https://anthrowiki.at/Destillatio

Ein bekanntes Beispiel ist die Destillation von Rosenöl, Lavendelöl oder Terpentinöl (auch als Balsamterpentinöl oder echtes Terpentinöl bezeichnet, aus verschiedenen Baumharzen), die bereits in antiken und mittelalterlichen Texten (z. B. von Hildegard von Bingen oder Paracelsus) beschrieben wird. Die Destillation war ein wichtiger Bestandteil der Alchemie und frühen Pharmazie in Europa und wurde zur Herstellung von Heilmitteln, aber auch von Parfüms und Kosmetika verwendet. Erst die spätere Osmologie untersuchte die ätherischen Öle auf ihr Inhaltsstoffe und Wirkungen auf Gesundheit und Krankheitserreger. Die Alchemie betrachtete die ätherischen Öle als Konzentrate der (Heil-)Information der Ausgangspflanze.

In der TEM/TAM/TEN war das Hauptziel der Destillation zunächst das Hydrolat (auch “Kräuterwasser” oder “Destillatwasser” genannt, eng. „Hydrosol“, „Aquasol“ oder „Herbal distillate“), während die ätherischen Öle oft nur als Nebenprodukt anfielen, weil die Menge zu gering war. Erst später, insbesondere ab dem 16. Jahrhundert, rückten die ätherischen Öle als eigenständiges Heilmittel stärker in den Fokus.

Historische Entwicklung der Destillation in der TEM:

  1. Antike und frühe Mittelalter (bis ca. 12. Jh.)
    • Die Destillation wurde vor allem zur Gewinnung von Hydrolaten genutzt, z. B. Rosenwasser oder Kamillenwasser.
    • Diese Hydrolate dienten als innere und äußere Heilmittel, z. B. zur Beruhigung, Wundheilung oder als Träger für andere Arzneimittel.
    • Ätherische Öle wurden nur in geringen Mengen gewonnen und galten als Nebenprodukt.
  2. Hoch- und Spätmittelalter (ab ca. 12. Jh.)
    • Mit der Weiterentwicklung der Destillationstechnik (z. B. durch Arnaldus de Villanova oder Hieronymus Brunschwig) wurden ätherische Öle zunehmend gezielt gewonnen.
    • Dennoch blieben Hydrolate weiterhin das primäre Ziel, da sie als milder und vielseitiger galten.
    • Bekannte Beispiele: Lavendelwasser, Melissenwasser oder Wermutwasser wurden als Heilmittel eingesetzt.
  3. Frühe Neuzeit (ab 16. Jh.)
    • Durch die Arbeiten von Paracelsus und anderen wurde die Bedeutung der ätherischen Öle als konzentrierte Heilmittel erkannt.
    • Die Destillation wurde nun gezielt zur Gewinnung von Ölen optimiert, z. B. Terpentinöl, Kiefernöl oder Rosmarinöl.
    • Hydrolate blieben jedoch weiterhin wichtig, besonders in der klösterlichen Medizin und als Basis für Arzneimittel.
Fazit:
  • Primäres Ziel war lange Zeit das Hydrolat, da es als milder, vielseitiger und besser verträglich galt.
  • Ätherische Öle wurden erst später zum Hauptziel, als ihre konzentrierte Wirkung erkannt und technisch besser nutzbar gemacht wurde.
  • Beide Produkte – Hydrolate und ätherische Öle – waren jedoch fester Bestandteil der TEM und wurden je nach Bedarf eingesetzt.

Die Humoralmedizin, oder auch „4-Säfte-Lehre“, ist ein historisches Konzept, das Gesundheit als Gleichgewicht der vier Körpersäfte Blut, Schleim, Schwarzgalle und Gelbgalle deutet; diese gelten in der modernen Humoralmedizin/Humoralpathologie als theoretische animistische-psychologische Prinzipien, nicht wie früher als reale Körperflüssigkeiten. Hippokrates ordnete den vier Säften seine Temperamentelehre zu, die auch vom Wortstamm den Bezeichnungen der Säfte abgeleitet waren. Mit diese Prinzipien wurden auch die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft verbunden, und dank Spagyrik in ein Konzept von Rhythmik in uns und um uns verbunden.

  • Feuer – Gelbgalle (cholera) – Choleriker – trocken + warm
  • Wasser – Weißschleim (phlegma) – Phlegmatiker – feucht + kalt
  • Erde – Schwarzgalle (melancholia) – Melancholiker – trocken + kalt
  • Luft – Blut (sanguis) – Sanguiniker – feucht + warm

Die Temperamentenlehre spielt in der modernen Psychologie keine nennenswerte Rolle mehr und gilt als weitestgehend überholt. Dennoch hilft sie uns, uns selbst und andere Menschen besser zu verstehen, da sie relativ einfach nachvollziehbar gewisse Dynamiken in uns wiederspiegelt, verdeutlicht und manchmal sogar auf den Punkt bringt.

In meinem Beitrag Die Seele – Matrixschablone unseres Bewusstseins kann man die vier Elemente auf diese Temperamentenlehre beziehen, und damit Dynamiken in den Tierkreiszeichen besser nachvollziehen.

Temperamente nach Hippokrates: 1. Der Melancholiker – Erde

Ein Melancholiker ist nach der Temperamentenlehre des Hippokrates eine Person, die von Natur aus introvertiert, nachdenklich und oft sehr sensibel ist. Sie haben oft eine tiefgründige und komplexe Denkweise und können sich intensiv mit ihren Gedanken und Gefühlen beschäftigen. Melancholiker sind bisweilen perfektionistisch veranlagt und neigen dazu, sich stark zu reflektieren und zu analysieren.

Ein Melancholiker benötigt oft mehr Zeit und Ruhe, um Aufgaben zu erledigen und Entscheidungen zu treffen.

Das melancholische Kind ist frühreif und lebt stark im Kopf. Es ist „hochaufgeschossen“, hager und bleich. Weil ihm eine gewisse Vitalität mangelt, zieht es sich gern von der Außenwelt ein wenig zurück. – Stark ausgeprägt ist schon eine Fähigkeit des Mitleidens und Mitfühlens mit anderen Menschen. Der erwachsene Melancholiker ist der schwerblütige Mensch, der alles ernst und schwer nimmt; auf ihm lastet stets ein Druck; er kann nie richtig aufatmen. Meistens ist er ein wenig missgestimmt, fast traurig, und er erlebt diese wehmütige, schmerzliche Stimmung auch, wenn von außen her gar keine Veranlassung dazu besteht. Der geheimnisvolle Quell der stets in ihm aufsteigenden Schmerzen liegt in seiner Seele. Der Melancholiker ist von dem Gefühl durchdrungen: Ich gebe mit die größte Mühe und habe doch stets nur einen geringen Erfolg, während anderen vieles von selbst zufällt. Er lebt hin- und hergerissen zwischen Wollen und Nichtvollbringenkönnen, zwischen immer neu gefassten tapferen Vorsätzen und bedrückenden Niederlagen. Das Gefühl des erfolglosen Bemühens, des innerlichen Gefasstseins schlägt sich nieder in der leidvollen Stimmung, in Gram und Schmerz.

„Die menschlichen Temperamente“ von Heinrich Eltz

Zusammenhängende Sternzeichen-Öle: Stier, Jungfrau, Steinbock

Temperamente nach Hippokrates: 2. Der Sanguiniker – Luft

Den Sanguiniker zeichnet frei nach Hippokrates ein stark ausgeprägtes Geselligkeits- und Kommunikationsbedürfnis aus. Sanguiniker sind sehr lebhaft, extravertiert und kontaktfreudig. Sie lieben es, im Mittelpunkt zu stehen und sind meistens optimistisch und gut gelaunt.

Durch ausreichend Möglichkeiten der Interaktion lernt der Sanguiniker, seine sozialen Fähigkeiten weiter auszuprägen. Um bei einem Sanguiniker zu punkten oder ihn besonders zu motivieren, eignen sich überdies Gruppenaktivitäten und Teamprojekte sehr gut. – Vorsicht ist hingegen geboten, dem Sanguiniker zu viele Aufgaben auf einmal zu geben, da das dieses Temperament gerne überfordert.

Das sanguinische Temperament nimmt unter den Temperamenten eine Sonderstellung ein. Es kann als „das kindliche Temperament“ schlechthin bezeichnet werden. Die sanguinischen Eigenschaften sind die Eigenschaften sozusagen jedes Kindes von der frühen Kindheit an bis zur beginnenden Pubertät. Der Sanguiniker sieht alles, hört alles und vergisst vieles rasch wieder. – Er kann an vielen Aufgaben gleichzeitig arbeiten. Er hat alles im Bewusstsein und behält den Überblick. Er hat einen Zug ins Große, Weite. Er erfasst rasch umfassende Ideen und Zusammenhänge, ist leicht entflammbar für das Aufbauende und Schöne. – Dem Sanguiniker droht aber auch Gefahr. Sein Leben kann sich in allzu großer Betriebsamkeit und Geschäftigkeit verzetteln. An jedem Abend sollte er an drei bis vier Orten zugleich sein, weil er überall und doch nirgends richtig mitmacht. Er hat Mühe, Wurzeln zu fassen. Er kann auch nur schwer auf etwas verzichten, sich eine Annehmlichkeit, einen Lebens- oder Kunstgenuss versagen. Er ist ein Lebenskünstler nach dem Wahlspruch „carpe diem“. Zusammenfassend kann man sagen: Sanguiniker können, wenn sie ihrem Temperament nicht zu sehr in die Zügel schießen lassen, sonnige, liebenswürdige Menschen sein, die wohltuende Elemente in unser soziales Leben einfließen lassen: Wärme, Freude, frischen Lebensmut, Toleranz. Durch sie gewinnt unser Leben an Mannigfaltigkeit, Schönheit und Weite.

„Die menschlichen Temperamente“ von Heinrich Eltz

Zusammenhängende Sternzeichen-Öle: Zwilling, Waage, Wassermann

Temperamente nach Hippokrates: 3. Der Phlegmatiker – Wasser

Ein Phlegmatiker ist nach der Temperamentenlehre des Hippokrates eine Person, die durch ihre Gelassenheit, Ruhe und Ausgeglichenheit gekennzeichnet ist. Phlegmatiker zeigen sich bemerkenswert belastbar und stressresistent, wenn eine klare Routine vorgegeben wird und ein klarer Rhythmus erkennbar ist.

Dass der Phlegmatiker gut mit Stress umgehen kann, ist allerdings alles andere als ein Freibrief, diese zu sehr unter Druck zu setzen. Umso wichtiger ist es, dem Phlegmatikern genügend Zeit ein zu räumen um Anweisungen umzusetzen, und eine entspannte Atmosphäre aufrecht zu erhalten. Wer außerdem die nötige Wertschätzung für die Zuverlässigkeit und das ruhige Wesen des Phlegmatikers mitbringt, der hält auch die Langzeitmotivation hoch.

Die Grundstimmung des Phlegmatikers ist ein allgemeines Lebensbehagen. Es ist ihm wohl in seiner Haut. In seinem körperlich-seelischen Organismus ist alles in bester Ordnung, so dass er in bewusst empfundenem Wohlgefühl dahinlebt ohne Bedürfnis, sich groß mit der Umwelt auseinandersetzen oder gar mühsam abzuplagen. Er hält sich die Welt so weit als möglich vom Leibe. Gleichmütig nimmt er sie, wie sie ist. Lieber als mit der Gegenwart beschäftigt sich der Phlegmatiker mit der Vergangenheit. Daher sein geschichtliches Interesse. Er ist der geborene Geschichtenschreiber. Die positiven Eigenschaften: Da ist einmal die für das soziale Zusammenleben wichtige Tatsache, dass die Distanzierung von der Umwelt den Phlegmatiker davor bewahrt, über alles und jedes vorschnell zu urteilen. Er übereilt sich nicht in seinen Aussagen und steht damit weniger in Gefahr, dass diese von Affekten und Leidenschaften getrübt und verfälscht werden. Normalerweise lässt er sich von einem kühlen, gelassen abwägenden Verstand und von ruhiger Vernunft leiten. Die Schattenseiten des Phlegmatikers können zusammengefasst werden als geringe Kontaktfähigkeit, Gleichgültigkeit, Willenlosigkeit. Überlässt sich der Phlegmatiker seiner Temperamentenanlage, kann diese zu einer Einseitigkeit führen, die seine seelische Gesundheit gefährdet. Die Interessenlosigkeit kann in eine Art Stumpfsinn ausarten.

„Die menschlichen Temperamente“ von Heinrich Eltz

Zusammenhängende Sternzeichen-Öle: Krebs, Skorpion, Fische

Temperamente nach Hippokrates: 4. Der Choleriker – Feuer

Weitaus weniger gelassen als der Phlegmatiker ist der Choleriker, der für seine leidenschaftliche und impulsive Natur bekannt ist. Choleriker sind oft sehr starke Persönlichkeiten voller Energie und Ehrgeiz. Sie haben oft die Tendenz, schnell gereizt zu sein und ihre Meinung laut und deutlich zu äußern. Choleriker bevorzugen klare Anweisungen und Herausforderungen. Sie können von Natur aus sehr willensstark und motiviert sein, aber auch schnell frustriert, wenn sie das Gefühl haben, nicht genügend Kontrolle oder Handlungsspielraum zu haben.

Das Denken des Cholerikers ist scharf und geht in die Tiefe. Er liebt es, Gegensätze gedanklich präzise herauszuarbeiten, das Pro und Kontra schlagfertig zu formulieren. Er geht nicht in ausgetretenen Pfaden; er überrascht mit bisher unbeachtet gebliebenen Aspekten, mit neuen Ideen, und er will sie verwirklichen. Er ist Erfinder, Entdecker. Was er anpackt, verwandelt sich in seinen Händen oft zu etwas Neuem. Er handelt entschieden, kraftvoll nach dem Spruch: „Wer hält lange Rat, kommt zu spät zur Tat. Wer geschwind sich besinnt und beginnt, der gewinnt.“ Nicht nur im Denken des Cholerikers herrscht Ordnung, sondern auch in seinem Leben. Er fragt sich, wie die Welt geordnet ist und wie er sich selber die Welt ordnen kann. Das verleiht seinem Leben und Handeln etwas Planmäßiges, Systematisches. Es besteht dabei die Gefahr, dass sein Denken allzu systematisch wird und etwas dogmatisches, ja klischeehaftes annimmt. Fixe Ideen verunmöglichen es ihm dann, die volle Wahrheit zu erkennen. Es ist oft schwer, mit einem Choleriker ein unvoreingenommenes Gespräch zu führen; immer bezieht er gleich eine kämpferische Stellung für oder gegen eine Sache, ohne den Gesprächspartner anzuhören. Er kann völlig uneinsichtig sein. Er erträgt keine Kritik. Es ist für ihn selbstverständlich, dass er den Ton angibt, führt und herrscht. Auf jeden Fall will er Hammer, nicht Amboss sein. Seine Devise lautet: Alles oder Nichts. Diese Entweder-Oder-Haltung herrscht auch im Zusammenleben mit ihm. Wer nicht für ihn ist, ist gegen ihn. Die anderen haben keinen Freiheitsraum. So wandeln sich Freundschaften oft in Gegnerschaften.

„Die menschlichen Temperamente“ von Heinrich Eltz

Zusammenhängende Sternzeichen-Öle: Widder, Löwe, Schütze

Und aus dieser Zusammenstellung lässt sich wiederum eine Auswahl an ätherischen Ölen ableiten, die auf diese Muster regulierend, stärkend, harmonisierend und ausgleichend einwirkt. Darum habe ich unter jedem der 4-Typen die zusammenhängenden Tierkreiszeichen, die von ihrer elementaren Zuordnung zugeordnet sind, hinzu gefügt.

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