Um den Titel noch ein bisschen zu erklären, und eigentlich mich auch von dem damit verbundenen Buch abzugrenzen, möchte ich darüber ein paar Worte verlieren. 😉
Das Buch „Aromakompass – Besser leben mit Düften“ geschrieben von Urszula Rüfenacht und Christian Urech – vermittelt für mich genau das, was Duftkommunikation und generell Arbeit mit Düften nicht ist. – Auch wenn die Verknüpfung von Düften und Neurotransmittern spannend ist, und damit ein direkter Bezug zu unserer Hirnchemie hergestellt wird, ist dies dennoch ein unhandliches Handbuch aus einem Ansatz der Pathogenese heraus. Auch der daraus entwickelte Neurotransmitter-Test entspricht genau dieser Denkweise.
Der wertvolle Wissenschatz wird den Lesern zuteil. Dieser duftet nach wiederhergestellter Balance im Leben. – Einband des Buches
Das sehe ich aus mehreren Gründen anders. Die „Rezepte“ sind nicht nur sehr kompliziert verschachtelte DIY-Anleitungen um sich anhand der Neurotransmittermangelerscheinungen eine unterstützende Mischung zusammen zu stellen, sondern gehen in ihrer kompletten Herangehensweise einen Anmaßenden und Bevormundenden Weg, der die Nase dabei völlig außer acht lässt.
Die Frage, ob Neurotransmitter Gefühle auslösen, oder ob Gefühle eine spezifische Ausschüttung bestimmter Neurotransmitter auslöst, erscheint wie nach der Frage von Henne und Ei. In diesen Prozess einzugreifen, und mit „Gegenmaßnahmen“ zu manipulieren, ist genau nicht, wofür Duftkommunikation und Salutogenese steht.
Erinnern wir uns kurz zusammen, was Gefühle/Emotionen sind:
- Gefühle sind keine Störungen, sie sind Informationen. Jedes Gefühl hat eine Daseinsberechtigung, und ist je nach Kontext mit einem elementaren-primären oder sekundären Bedürfnis verknüpft.
- Wut kann auf Grenzüberschreitungen hinweisen, und auf die Fähigkeit die Nähe und Distanz reguliert.
- Angst, kann sowohl ein Hinweis auf Sicherheit/Verwurzelung sein, als auch – gespeist aus dem Überlebensinstinkt heraus – überschießend uns überwältigen, auch wenn der Kontext nicht bedrohlich ist.
- Trauer, als Ausdruck von Verlust und was uns wichtig ist und war, oder wie dieses Wichtige behandelt wurde.
- Scham, im Gegensatz zu Schuld, bezieht sich darauf (gesellschaftlich) unpassend zu sein, aber auch die Erkenntnis der geschlechtlichen Andersartigkeit. Es geht also nicht um etwas, das du getan hast, sondern darum, wer du als Person bist. Du kannst Scham empfinden, die mit deinem Aussehen, deinen Fähigkeiten oder deinen Persönlichkeitsmerkmalen zusammenhängt.
- Freude ist eine emotionale Reaktion, die typischerweise entsteht, wenn etwas Positives mit uns oder jemandem, der uns wichtig ist, passiert ist. Es entsteht auch, wenn unsere Bedürfnisse erfüllt sind, auch wenn diese nie vollständig gestillt werden können. In Freude steckt also immer auch das Fünkchen, dass sagt das Freude kein Dauerzustand ist.
- Schuld ist eng mit Verantwortung verknüpft und resultiert aus dem Wissen heraus etwas falsch gemacht zu haben, und soll motivieren die Verantwortung dafür zu übernehmen und den Schaden zu reparieren.
- Ekel als primäre Emotion ist ein Schutz gegen Verdorbenes und/oder Giftiges. Innerhalb einer Gesellschaft können Emotionen wie Ekel, Abscheu oder Verachtung gegenüber einzelnen Personen oder Gruppen heranwachsen, von denen man annimmt, dass sie gegen wichtige Normen verstoßen haben. Innerhalb kleinerer Gruppen oder auch innerhalb einer Partnerschaft kann Ekel entstehen, wenn eine Person aufhört, auf gemeinsame Werte und Standards zu achten.
- ergänzender Link emotioncompass.org – Welche Arten von Emotionen gibt es?
- Das Benennen der Emotion verändert in uns die Handhabbarkeit und enthält für den geübten Berater/Coach manchmal sogar den Impuls, den es braucht um zu unterstützen.
- Verdrängte oder gar dissoziierte Gefühle führen zu Grübeleien, Gedankenkreisen und derartigem Stress, dass unser Nervensystem dauerhaft in Alarmbereitschaft gehalten wird.
- Wir haben durch Erziehung und Gesellschaft gelernt, dass es „passende Zeiten“ für Gefühle gibt, und „unpassende“.
- Um primäre Gefühle passend zu kompensieren werden sie von sekundären, manchmal sogar mehreren sog. zusammengesetzten Emotionen, überdeckt und verfälscht, und senden uns und anderen missverständliche Signale.
Wie soll sich Handhabbarkeit, Resilienz, Empathie und Impathie entwickeln, wenn man im Grunde einen Ansatz verfolgt, der gegen das eigene Selbst arbeitet?
Wie sollen so die tiefen- und transpsychologischen Aspekte in uns angesprochen werden, wenn man lediglich den Duft auf die Wirkung der Neurotransmitter betrachtet? Es zeigt sich also, dass hier kein ganzheitlicher-holistischer Ansatz verfolgt wird. Und meiner Ansicht nach, auch das Thema was Emotionen ausdrücken möchte, und welche seelischen Muster dahinter stecken, völlig ausgeblendet wird.
Martin Henglein hat mit seiner integralen Osmologie sehr wohl Wert auf die biochemischen und phytopharmakologischen Wirkweisen von ätherischen Ölen gelegt, doch nicht in dem Zusammenhang, dass damit ein Gefühl weggezaubert, bzw. verhindert wird, sondern in einem kosmologischen Zusammenhang der Geist und Seele mit einschließt, und über das rein körperlich-materielle hinausgeht.
In seinen Aufsätzen „Die goldenen Äpfel der Hesperiden“ stellt er beispielsweise einen mythologischen-archetypischen Zusammenhang mit unserer inneren Bilderwelt her, und stellt den Citrat-Zyklus des pflanzlichen Stoffwechsels damit in Bezug, um auf das Anklingen der entsprechenden Themen in uns zu verweisen.
Jedes Molekül macht ein Gefühl – doch Gefühle sind weit mehr als nur „das Gefühl“. Es schwingt Erinnerung mit, es schwingen zentrale Themen unseres Selbst und unseres Un-bewussten Selbst mit, es klingen Bezüge zu unserem tiefsten Inneren an, und resonieren in einem Orchester, dass zwar durch unseren emotionalen Ausdruck nach außen transportiert wird – respektive auch durch die Neurotransmitter – aber sich dadurch keinesfalls von Außen ableiten lässt, was einen im Innersten tatsächlich bewegt. Und gerade weil man das von Außen nicht schauen kann, ist eine diagnostische Herangehensweise über eine „Transmittermanipulation“ allenfalls eine Beeinflussung der Momentaufnahme, aber ohne tiefgreifenden Effekt und Wirkung.
In meinen Beiträgen über Duftkommunikation und integrale Osmologie habe ich schon geschrieben, dass die Düfte über ihre enthaltenen Informationen der Biostrategien, direkt in uns entsprechende Muster anklingen lassen. In „Seelische/psych. Wirkung von äth. Ölen“ wird das nochmal etwas genauer beleuchtet, und in den beiden Beiträgen „Ätherische Öle in der TEM“ und „Ätherische Öle für die 5 Wandlungsphasen“ wird die Verknüpfung mit den dahinterliegenden Mysterien etwas veranschaulicht. Und in „Die Seele – Matrixschablone unseres Un-Bewusstseins“ gibt einen bemüht systematisierten Einblick in das, was „uns im innersten zusammenhält“.
Wenden wir uns den vier Eckpfeilern des Duftkreises nach Martin Henglein zu, den vier Spannungspunkten/Spektrum die uns einen gewissen Rahmen geben, in denen sich unsere Persönlichkeit und Seele ausdehnen und wandeln können.
- Rosmarin:
- Ich – Feuer: Streben nach Distanz, Entfaltung und Ich-Kraft
- Frühling, Zwischen Widder und Fische, Choleriker, Der Kaiser/Herrscher, 1. manchmal auch 3. Chakra zugeordnet
- Angst: vor Abhängigkeit, zu viel Nähe, Verlust des Ichs, Selbstaufgabe
- Wunsch: Selbstschutz, niemanden zu brauchen, unabhängig zu sein, stark zu sein, Abstand zu halten, unnahbar zu sein, nach Bestätigung von außen
- Ausdruck: Kontaktschwierigkeiten, Zweifel an der eigenen Liebesfähigkeit, Zweifel an der Aufrichtigkeit des anderen, Gefühle können nicht ausgelebt werden, Zyniker, Skeptiker, eventuell unbegründete Eifersucht, wirkt arrogant
- Stärken: Abgrenzungsfähigkeit, Eigenständigkeit, Konfliktfähigkeit, Entschlossenheit, Individualität, Ehrlichkeit, Zivilcourage
- Nicht nur im Denken des Widders herrscht Ordnung, sondern auch in seinem Leben. Er fragt sich, wie die Welt geordnet ist und wie er sich selber die Welt ordnen kann. Das verleiht seinem Leben und Handeln etwas Planmäßiges, Systematisches. Es besteht dabei die Gefahr, dass sein Denken allzu systematisch wird und etwas dogmatisches, ja klischeehaftes annimmt. Fixe Ideen machen es ihm dann Unmöglich, die volle Wahrheit zu erkennen.
- Hier geht es wie im Frühling um die Ich-Kraft, die unbändige Energie der Sonne entgegen zu wachsen nach dem kalten Winter – Durchsetzungsfähigkeit/Aggression (Mut/Wut), Aufbruch, Dynamik, Sexualkraft, Lebens-Wille – genau dies, was Widder in seinem Kern symbolisiert, spiegelt sich jeden Frühling in der Natur wieder.
- Rosmarin fördert die Konzentration und das Gedächtnis, klärt, fokussiert und schärft die Gedanken
- Der Themenschwerpunkt ist zwischen Entlastung und Freiraum – Abgrenzung und Selbstbestimmung
- Affirmation: Du darfst dich um dich selbst kümmern. Ich bin der Architekt meines Lebens. Ich baue die Grundlage und wähle den Inhalt aus, zum Wohle aller.
- Bergamotte:
- Wir – Licht – Luft: Streben nach Wechsel, Vermittlung zwischen Logik und Kreativität
- Sommer, Zwischen Zwilling und Krebs, Sanguiniker, Die Liebenden – der Wagen, 5. manchmal auch 2. oder 6. Chakra zugeordnet
- Angst: vor Festlegung, Unfreiheit, Einengung, Richtlinien und Prinzipien
- Wunsch: sich nicht festzulegen, keine Entscheidungen treffen zu müssen, nach Unvergänglichkeit, das innere Empfinden nach außen auszudrücken
- Ausdruck: ständig auf der Suche nach Selbstbestätigung, Verdrängung von Schuldgefühlen, Ausweichen vor Unangenehmem, Partner dienen zur Selbstdarstellung im Außen, Ungeduld, Unzuverlässigkeit
- Stärken: Kreativität, Begeisterungsfähigkeit, Offenheit, Charme und Verführungskunst, Neugier, Flexibilität, Kontaktfreudigkeit, Aufgeschlossenheit, Spontanität
- Die Luft Eigenschaften der Bergamotte sind die Eigenschaften sozusagen jedes Kindes von der frühen Kindheit an bis zur beginnenden Pubertät. Sie erfasst rasch umfassende Ideen und Zusammenhänge, ist leicht entflammbar für das Aufbauende und Schöne. – Die Bergamotte kann nur schwer auf etwas verzichten, sich eine Annehmlichkeit, einen Lebens- oder Kunstgenuss versagen. Sie ist ein Lebenskünstler nach dem Wahlspruch „carpe diem“.
- Sie vereint die Fähigkeit der Integration der Dualität aus rechter und linker Gehirnhälfte, vermittelt zwischen Orange/Cedrat (Krebs) und Zitrone (Zwilling), gleicht mit ihren sanften Lavendelnoten aus und beleuchtet die Muster die wir manchmal vor uns selbst verstecken.
- Der Themenschwerpunkt ist zwischen Selbstwahrnehmung und Selbstfürsorge – Offenheit und Entwicklung
- Affirmation: Ich sage Ja zum Licht und zum Leben. Mein Herz ist voller Wärme und Freude. Ich vertraue mir.
- Rosengeranie:
- Du – Wasser: Streben nach Nähe, Löslösung von Lasten aus der Vergangenheit
- Herbst, Zwischen Jungfrau und Waage, Phlegmatiker, Der Eremit – die Ausgleichung, dem 4. Chakra zugeordnet
- Angst: verlassen zu werden, vor Isolation, Einsamkeit, Ungeborgenheit
- Wunsch: umsorgt, geborgen und aufgehoben zu sein, eine Stütze zu haben, im anderen aufgehen zu können, Nein sagen zu können, sich für das Wohl der anderen verantwortlich zu fühlen
- Ausdruck: Verlustangst, Selbstmitleid, Abhängigkeit, Jammern, Übernehmen der Dulderrolle, übertriebene Bescheidenheit
- Stärken: Einfühlungsvermögen, Geduld, Hingabefähigkeit, Zärtlichkeit, Ausgeglichenheit
- Die Rosengeranie bringt in Fluss, was verhärtet ist, erinnert an Hingabe und die Wichtigkeit sich auch um sich selbst zu kümmern, nicht nur um andere. Die Rosengeranie ist wie die beste Freundin, die immer weiß, wie es einem geht – selbst, wenn man es gerade nicht spürt. Ihr Duft erinnert uns daran, dass Geben und Nehmen im Leben Hand in Hand gehen.
- Im Herbst beginnt der Abstieg in die Dunkelheit, bei dem man sich mit den inneren Schatten auseinandersetzt – der Bedeutung des Eremiten gleich – die nach außen wirkenden Kräfte langsam reduziert und sich auf den Winterschlaf vorbereitet. Gleichzeitig wird die Sehnsucht nach Nähe und Zugehörigkeit verstärkt.
- Der Themenschwerpunkt ist zwischen Bedürfnisorientierung & Entscheidungskraft – Ausdruck & Kontakt
- Affirmation: Ich bin ausgeglichen und zufrieden mit mir und der Welt
- Patchouli:
- Ihr – Erde: Streben nach Dauer, Struktur, Transformation
- Winter, Zwischen Schütze und Steinbock, Melancholiker, Die Kunst – der Teufel, dem 1. Chakra zugeordnet
- Angst: vor Chaos, Grenzenlosigkeit/Freiheit, faulen Kompromissen, Inkonsequenz und Angst ein Risiko einzugehen
- Wunsch: alles muss seine Ordnung haben, Absicherung, alles soll so bleiben, wie es ist, Gefühle haben keinen Platz, nur der Verstand steuert
- Ausdruck: Perfektionismus, Konservatismus, Intoleranz, Systematik, Nörgler, Mangel an Einsichtigkeit, kontrollierend, Unnachgiebigkeit, wenig Spontanität
- Stärken: Verlässlichkeit, Treue, Bodenständigkeit, Stabilität, Ausdauer, Verantwortungsbewusstsein, Korrektheit
- Die Erde als trägstes Element, kennzeichnet den Duft und die Wirkung von Patchouli, dass die Verwurzelung, Erdung, Stabilisierung verstärkt, genauso uns aber auch mit den synthetisierenden Eigenschaften, die vom Schützen noch mitschwingen, alles was nicht integriert werden kann/soll loszulassen.
- Im Winter vollzieht sich die Transformation, wenn aus dem scheinbaren Tod neues Leben entsteht, bis es im Frühling aus der Oberfläche hervorbricht – hier ahnt man schon den alchemistischen Transformations/Fermentationsprozess der sich vollzieht. Kettet sich das Ego zu sehr an Materiellem kann die Transformation nicht vollzogen werden und es entsteht Leid – Kernaussage des Teufels im Tarot.
- Patchouli selbst als ätherisches Öl ist genauso ein Transformator, wie es selbst über die Zeit transformiert und „besser“ wird. Es verliert seinen erdigen, schweren Duft zwar nicht völlig, wird aber eher süßlich mit einer leicht erotisierenden Note.
- Der Themenschwerpunkt ist zwischen Erdung & Kraft – Ruhe & Stabilität
- Affirmation: Ich bin fest verwurzelt und ruhe in meiner Mitte wie ein Fels in der Brandung.
Egal welche Form der Duftkommunikation als Methode man anwendet, die Duftleiter nach Inge-Lore Andres, das Ennearom nach Thomas Kinkele, die „lebendige Aromakunde“ nach Jürgen Trott-Tschepe, oder andere – überall wird klar gesagt, dass die Nase entscheidend zur Duftauswahl beiträgt. Alles andere wäre übergriffig und nicht klientenzentriert.
Mit dem Duftkompass von Sabrina Herber, kann man auf dem Duftkreis entsprechenden Themenschwerpunkten sich ein wenig besser zu recht finden. Und bietet dabei einen echten – man möchte fast einzigartigen sagen – Kompass an, der den Prinzipien von Salutogenese und Duftkommunikation folgt.
ergänzende Beiträge von mir:
- Ätherische Öle in der TEM
- Seelische/psych. Wirkung von äth. Ölen
- Ätherische Öle für die 5 Wandlungsphasen
- Duftkommunikation – Düfte in Resonanz und Interaktion mit unserer Psyche
- Rhythmik – das Auf und Ab des Lebens
- Integrale Osmologie und der Duftkreis – nach Martin Henglein
- Aroma – Energie – Medizin
- Die Seele – Matrixschablone unseres Un-Bewusstseins
- Empathie & Impathie als Schlüssel für mehr Resilienz und Stressbewältigung
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