Zu aller erst möchte ich anführen, dass die Un-Worte „Duftöl“, „Parfümöl“ oder „Aromaöl“ mir fast körperliche Schmerzen zufügen, wenn ich sie lese. Dennoch will ich mich hier und heute mit diesen thematisch befassen.
Im Unterschied zu ätherischen Ölen, können Duftöle/Aromaöle/Parfümöle aus verschiedenen Quellen zusammengesetzt sein und sind meist nicht pflanzlichen Ursprungs. Zwar sehen Duftöle oftmals für den Laien genauso aus, in Viskosität und auch in gewisser Weise in der Handhabung, doch sind diese meist im Labor erzeugt, preislich deutlich erschwinglicher, aber in ihrem allergenen Potential deutlich höher einzuordnen. Irgendwelche Duftöle können „per definitionem“ alles sein, was duftet. Natürlich, oder synthetisch, oder ein wildes Gemisch daraus.
Doch auch bei ätherischen Ölen ist die unsachgemäße Anwendung nicht ohne Risiko. Von Hautreaktionen und -schädigungen, bis hin zu allergieförderndem Potential, ist die Bandbreite groß. Je mehr man ein ätherisches Öl verdünnt, desto mehr nähert man sich der sogn. physiologischen Verdünnung an, die auch in der Pflanze selbst vorkommt und für uns am verträglichsten ist. Wer ätherische Öle nach dem Gießkannen-Prinzip anwendet, am schlimmsten noch unverdünnt pur auf die Haut, riskiert nicht nur heftige Hautschädigungen, sondern fördert auch das Auftreten von Allergien.
Denn die meisten Bestandteile ätherischer Öle können aufgrund ihrer winzigen Größe nicht vom Immunsystem erkannt werden. Jedoch können sie zusammen mit Proteinen auf der Haut bzw im Körper so genannte Haptene bilden, die nun vom Immunsystem registriert werden können
Quelle: https://aromapraxis.de/2021/02/09/aromaoel-allergie-entstehung/
Bei „Duftölen“ haben wir zwar einen olfaktorischen Impuls, doch fehlt diesem die innewohnende Duftinformation der Pflanze die die Zusammensetzung des echten ätherischen Öls ausmacht.
Auf der psychologischen Ebene können sie durch Erinnerung an wirksame Gerüche bisweilen durchaus etwas bewirken. Doch im Sinne der Naturheilkunde sind sie „tote Stoffe“. Und auf einer subtilen Ebene fühlt sich der Mensch meistens durch die künstlichen Geruchsstoffe gestört, man denke nur an Parfümschwaden, die einen am Morgen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder am Abend im Kino belästigen können.
Hier zeigt sich, was den Unterschied ausmacht, zwischen einem natürlichen ätherischen Öl, und einer Synthetisierung im Labor. In der Naturheilkunde ist dies eines der großen Argumente wenn von „chemisch“ die Rede ist. Natürlich ist alles Biochemie – doch Heilmittel, Pflanzen und sogar wir selbst sind mehr als nur die Summe unserer Teile. Und gerade bei den ätherischen Ölen zeigt sich, wie durch den Informationsaustausch in der Pflanze, dass ätherische Öl in seiner Zusammensetzung variieren kann, wenn sich Faktoren wie Witterung, Fraßfeinde oder Krankheiten auf die Pflanze ausgewirkt haben. Eine innewohnende Information die die ätherischen Öle für uns so wertvoll machen, uns zu Unterstützen und wieder in Balance zu bringen.
Verwendet man ätherische Öle in der Kosmetik, so sind diese inzwischen mit einem riesigen Regelwerk von EU-Ebene aus im Sinne des Verbraucherschutzes konfrontiert. Leider wird dieses Regelwerk basierend meist auf Tierstudien erstellt, die eine komplett andere Physiologie als wir Menschen aufweisen, und es darum keine direkte Übertragbarkeit von z. B. Ratten auf den Menschen gibt. Zumal in diesen Studien oftmals ätherische Öle in solchen Mengen appliziert werden, oftmals sogar auch noch oral, die bar jeglicher Handhabung eines verantwortungsvollen Aromapraktikers sind. Mehr dazu im Blog von Eliane Zimmermann Bittere Medizin: Wie die seriöse Aromatherapie ausstirbt
Werden ätherische Öle in Fetten emulgiert, z. B. in einer neutralen Salben- oder Cremegrundlage, so sind diese weit weniger reaktiv und oxidieren deshalb auch deutlich langsamer, aber auch ihre reizende Wirkung auf die Haut wird abgemildert und für die Haut leichter aufzunehmen. Die Qualität des fetten Öls ist dabei auch entscheidend, wie gesundheitsförderlich oder -schädlich sich dieser Komplex dann auswirkt. Siehe Pflegeprodukte – was man wissen sollte denn ätherische Öle haben eine Carrierfunktion (also sprichwörtlich Trägerstoffe) und unterscheiden nicht, zwischen minderwertigen Paraffinen und hochwertigen fetten Ölen. Mehr dazu auch unter Naturkosmetik – natürliche Pflege
Wenn man selbst Seifen siedet sieht das aus meiner Sicht nochmal anders aus. Hier wird mit Techniken (Verseifung) und Stoffen (meist Ätznatron) gearbeitet, die gerade wegen ihrer reaktiven Eigenschaften zum Endprodukt Seife führen. Wird diesem Prozess ein ätherisches Öl hinzugefügt, kann man nicht sicher sein, dass dieses mit den chemischen Inhaltsstoffen nicht reagiert. Die Bildung von neuen Molekülen kann zumindest nicht ausgeschlossen werden, die dann wiederum zur Bildung von Haptenen führen können.
Werden bei der Verseifung „Aromaöle“ eingesetzt, die laut den Herstellern eine sichere Variante darstellen sollen, so steigert sich aus meiner Sicht das allergiefördernde Potential erheblich. Aromaöle oder Parfümöle sind synthetische oder halbsynthetische Duftstoffe, die laut Hersteller „speziell für die Stabilität und Sicherheit“ bei der Herstellung von Kosmetika und Seifen entwickelt wurden. – Dieser Aussage kann ich mich nicht so ohne weiteres anschließen.
„Soap safe“ ist eine Lieferantenbezeichnung, die angibt, dass FO zur Verwendung in CP- oder HP-Seife ohne nachteilige Auswirkungen getestet wurde. Konkret bedeutet dies, dass FO nicht aushärtet (sofortige Verfestigung), keine Beschleunigungsspuren aufweist (oder vom Hersteller angegeben wird), nicht in eine separate Phase übergeht, sich gleichmäßig mit der Seife vermischt und der resultierende Duft nach 4-6 Wochen Alterung akzeptabel ist.
Seifensicher ≠ Garantie für störungsfreie Funktion. Dies sind nur indikative Informationen des Lieferanten. Tatsächliche Tests sind erforderlich, insbesondere für neue LWL.
Quelle: https://www.7virides.com/de/rohstoffe-seifenherstellung/duftstoffe-seife/
Die KI antwortet auf diese Frage übrigens mit „Einzelne Bestandteile ätherischer Öle können sich während der Verseifung chemisch verändern; außerdem können flüchtige Duftstoffe, besonders aus Zitrusölen, während der Reifezeit verdampfen.„
Ist damit die Zugabe von ätherischen Ölen in einen selbst gemachten Seifenleim per se schlecht? Nein, so pauschal lässt sich das nicht sagen. Aber man sollte es einfach im Hinterkopf behalten, und besonders bei vulnerablen Personen deutlich hinterfragen.
Insbesondere ätherische Öle sorgen dafür, dass sich der Seifenleim schnell verfestigt und nur noch schwer gießbar ist. Daher solltest du gerade am Anfang sparsam mit den Düften umgehen.
Quelle: https://www.smarticular.net/naturseifen-selbst-herstellen-der-ablauf/
Dieses Andicken gibt einen Hinweis auf eine chemische Reaktion, und wie ich in dieser sehr umfassenden Liste auf bastelrado.de der „Parfümöle“ gesehen habe, dicken diese auch an. Auch bei der naturkosmetik-werkstatt.de kann man dazu etwas nachlesen.
Der alkalische Abbau bewertet einige chemische Verbindungen – bei einem pH-Wert von 10-12 in frischer CP-Seife wird [ätherisches Öl] teilweise zersetzt oder verändert. Flüchtige Monoterpene verdampfen während der Herstellung und Alterung – das Aroma frischer Seife ist nicht repräsentativ. Einige [ätherische Öle] enthalten Verbindungen (Eugenol in Gewürznelken, Aldehyde), die die Verseifung auf Minuten oder Sekunden beschleunigen – „Seifenherstellungsbeschleunigung“ ist das häufigste Problem für Anfänger. Schließlich legt die IFRA (International Fragrance Association) sichere Höchstkonzentrationen für verschiedene Produkte fest – hohe Dosen können die Haut reizen.
Quelle: https://www.7virides.com/de/rohstoffe-seifenherstellung/aetherische-oele-seife
Entscheidend könnte hierbei auch der Zeitpunkt sein, wann die ätherischen Öle hinzugefügt werden. Wenn die Verseifung in ihrer Reaktionszeit soweit fortgeschritten ist (ich nehme an, dass diese Phasen den Seifenleim beschreibt), könnte ich mir vorstellen, dass wenn Temperatur soweit abgekühlt ist, dass auch die Reaktionsfreudigkeit mit den ätherischen Ölen deutlich gesunken ist.
Zurück zu den „Aromaölen“, die man in konventionellen Produkten für den Haushalt findet. Waschmittel, Putzmittel, Duftkerzen, Duftsteine, Duftsand, Duftwachs, Raumsprays, WC-Reiniger, WC-Steine und viele weitere Variationen.
Übrigens auch aus der DIY-Sektion gibt es dazu Infos: naturkosmetik-werkstatt.at – atherische-ole-fur-putz-und-reinigungsmittel
Da bei Reinigungsmitteln sowieso etwas mehr Vorsicht geboten ist, will ich das hier nicht unbedingt vertiefen. Erwähnen sollte man noch, dass die Beimengung von ätherischen Ölen zu Putzmitteln diese ebenso verändern kann, wie bei der Verseifung, aber auch Wasserorganismen geschädigt werden können, wenn das Putzmittel heruntergespült wird.
Speziell das Thema Duftkerzen möchte ich hier aufgreifen:
Was passiert, wenn man beim Kerzen gießen noch ätherische Öle hinzufügt?
Erstmal nur, dass das Wachs das ätherische Öl aufnimmt, denn es ist ja ein Fett. Das erstarrende Kerzenwachs duftet also. Spannend für die Geschichte dieses Beitrags wird es, wenn die Kerze entzündet wird. Denn bei diesem Vorgang findet eine Verbrennung statt, und wie wir ja wissen, sind ätherische Öle leicht entzündbare Stoffgemische.
Man muss nun keine Deflagration (umgangssprachlich „Verpuffung“) befürchten, denn in der Regel sind ätherische Öle gut verrührt und haben sich gleichmäßig im Wachs verteilt, so das keine Ballung von ätherischem Öl zu befürchten ist, doch was passiert mit dem „Duft“?
Ätherische Öle werden meist durch Wasserdampfdestillation gewonnen, dass bedeutet ätherische Öle können mit Temperaturen um die 100°C umgehen und stabil bleiben, doch ist dies komplett von einer Verbrennungsreaktion zu unterscheiden.
Beim Verbrennen werden Bestandteile ätherischer Öle durch Hitze und Sauerstoff verändert oder zersetzt; es können Oxidationsprodukte und weitere Abbauprodukte entstehen. Welche Stoffe genau entstehen, hängt vom äth. Öl und den Verbrennungsbedingungen ab.
Die KI antwortet auf diese Frage übrigens mit „Ja, beim Verbrennen verändern Hitze und Oxidation die chemische Zusammensetzung ätherischer Öle; dabei können Duft und Wirkung verloren gehen und reizende oder schädliche Stoffe entstehen.„
[…] selbst beim Riechen Duftstoffe [über die Lunge] in unseren Körper gelangen. Vielen Menschen ist es nicht bewusst, dass auch die Duftmoleküle der Duftkerzen (in der Regel sind diese synthetisch beduftet) beim Einatmen in unseren Körper gelangen. Diese wiederum müssen verstoffwechselt werden. Bei synthetischen oder pestizid belasteten Düften kann es passieren, dass der Körper diese nicht verstoffwechseln kann und einlagert z.B. im Unterhautfettgewebe oder in den Organen. Das ist bedenklich, weil man bis heute noch keine gesicherten Erkenntnisse hat, welche gesundheitlichen Probleme dadurch ausgelöst werden können.
Quelle: https://www.vivere-aromapflege.de/2009/12/08/nicht-nur-eine-duftkerze/
Und dies kann ebenso bei einem ätherischen Öl wie auch Parfümöl der Fall sein. Aus diesem Grund bin ich generell davon abgekommen, Duftkerzen zu verwenden.
Möchte man einen Duft im Raum sich entfalten lassen, sind Duftlampen, qualitativ hochwertige Raumsprays und Vernebler deutlich zu bevorzugen.
Worin liegt der Unterschied dann zu Räucherstäbchen?
Bei qualitativ hochwertigen Räucherstäbchen, werden keine zusätzlichen Duftstoffe hinzugefügt. Beim Verbrennen eines Räucherstäbchens hat man also nur die normale physiologische Konzentration des Duftstoffes in dem entsprechenden Pflanzenteil (Blatt, Blüte, Rinde, Harz, Wurzel) und keine von Menschenhand konzentrierte destillierte Form – die Dosis macht das Gift. Natürlich entstehen beim Verbrennen Stoffe, doch muss man diese ja auf die Art der Anwendung zurückbeziehen.
ergänzende Beiträge von mir:
- Pflegeprodukte – was man wissen sollte
- Naturkosmetik – natürliche Pflege
- Produktcheck – Apps die einfach helfen
ergänzende Links:
- https://aromapraxis.de/synthetische-duftstoffe/
- https://aromapraxis.de/2021/02/09/aromaoel-allergie-entstehung/
- https://aromapraxis.de/2025/01/27/denn-sie-wissen-nicht-was-sie-tun-unverduennte-aromatherapie-und-allergien/
- https://aromapraxis.de/2025/01/07/bittere-medizin-wie-die-serioese-aromatherapie-ausstirbt/
- https://www.vivere-aromapflege.de/bonusinhalt_wa/synthetische-duftstoffe-und-ihre-moegliche-wirkung-hormonsystem-psyche/
- https://www.vivere-aromapflege.de/2009/12/08/nicht-nur-eine-duftkerze/
- https://www.vivere-aromapflege.de/2011/06/29/aetherische-oele-und-saunieren/
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