Naturheilkunde und Homöopathie im Diskurs zur GKV-Reform

Das Kernthema dieses Beitrags streift meinen Beitrag „Krankheit – was ist das eigentlich?„, allerdings möchte ich hier ein paar weitere Gedanken in Bezug auf die gesetzliche Krankenkassen Reform (GKV-Reform) äußern.

Seit Jahrzehnten wird die alljährliche Thematik – vornehmlich um das „Sommerloch“ zu füllen – durch die Presse getrieben, die Leistungen für Homöopathie aus dem Katalog der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen. Wie einseitig diese Berichterstattung meistens ist, sieht man daran, dass zwar von Millionen Euro gesprochen wird, aber diese Zahl in keinen Bezug gesetzt wird. Die Milliarden Euro die die konventionelle Medizin „verschluckt“ werden nicht in Bezug gesetzt. Der Link zu meinem Beitrag thematisiert das Thema Homöopathie, darum soll es hier nun nicht um Wirksamkeit oder nicht gehen.

In der Naturwissenschaft ist es eigentlich Usus, dass Zahlen für sich wenig Aussagekraft haben, und immer in Bezug gesetzt werden müssen um sie einordnen zu können. Das gelingt mal besser, mal schlechter. Doch ohne Bezug geht die Aussagekraft eigentlich gegen null.

Damit enttarnt sich diese Berichterstattung in ihrer Unwissenschaftlichkeit, zusätzlich zur Polemik mit der diese „Debatte“ – wobei es streng genommen immer Monologe sind – geführt wird. Kein einziger Heilpraktiker, Hebamme, Pflegefachperson oder naturheilkundlicher Hausarzt kommen zu Wort, oder werden in die Debatte eingebunden um einen echten Dialog zu führen.

Aus meiner Sicht, steckt also nicht der besorgte Wissenschaftler hinter der Polemik, der den unmündigen Bürger vor einer Behandlung mit unnützen Mitteln schützen möchte, sondern um ein „gieriges Kind, dass den Kuchen ganz alleine Essen möchte“. Also bildlich gesprochen. Ob und wie die Homöopathie wirkt – wie gesagt oben im Link thematisiert – ist also eigentlich ein nebensächlicher Faktor, der aber als Hauptargument aufgebauscht wird. Auch das ist kein sachlicher Debattierstil.

Was mich besonders stört, ist das Platzhirschverhalten, dass die Schulmedizin respektive die die sich als Sprachrohr aufschwingen, und damit eine Bevormundung des Empfängers von Leistungen beeinflussen und schmälern will. Die Wahlmöglichkeit, sich komplementären Heilmethoden bedienen zu können, und dank des Leistungskatalogs diese auch überhaupt anbieten bzw. sich in diese Richtung fortbilden zu können, halte ich für wichtig und richtig um sich dem Thema Gesundheit zu nähern. Nicht zu letzt aus salutogenesischer Sicht ist die Handhabbarkeit, selbst etwas für sich tun zu können, ein wichtiger Faktor, statt die Eigenverantwortung an einen Arzt abzugeben. Wird dem Arzt vorenthalten eine solche Weiterbildung überhaupt machen zu können, und dann auch noch die Möglichkeit diese abrechnen zu können – wird das die Nachfrage nicht beeinflussen, aber das Angebot.

Aus dem Interview der Augsburger Allgemeinen Zeitung mit Dr. (Univ. Urbino) Hannes Proeller:

Sollte Homöopathie als Kassenleistung gestrichen werden? Warum (nicht)? 

Nein! Erstens sind Einsparungen vernachlässigbar und zweitens ist die homöopathische Behandlung in Deutschland unter den GKV-Versicherten ein wichtiger Teil. Die Versicherten verlangen und schätzen diese Wahlmöglichkeit im Gesundheitswesen.

Wie hat sich die Nachfrage nach homöopathischen Medikamenten in den vergangenen Jahren entwickelt?

Sie ist dank der erfolgreichen deutschen Marketingaktion gegen Naturheilkunde, Homöopathie und Heilpraktiker rückläufig.

Was sagen Sie zu dem Vorwurf, Homöopathie sei nur Placebo und nicht evidenzbasiert?

Für mich als Apotheker ist die homöopathische Behandlung in vielen Bereichen echt evident! Evidenz basiert immer auf 3 Säulen: 1) Erfahrung des Therapeuten, 2) Wunsch und Erfahrung des Patienten und 3) Wissenschaftliche und studienbasierte Veröffentlichungen. Die ersten beiden Säulen sind bei meinen Kunden und den mir bekannten Therapeuten ein tief evidenter Erfahrungsschatz. In vielen Bereichen der Medizin gibt es randomisierte und doppelblinde Studien, die der homöopathischen Behandlung unter Ausschluss des Placeboeffektes eine signifikante Wirkung attestieren. Ich sehe diesen vom Marketing gepushten Vorwurf deshalb ganz locker, und bewerte die homöopathische Behandlung wie die schulmedizinische: Nicht alles ist für alles oder jeden geeignet! 

Wo sehen Sie Vorteile einer homöopathischen Behandlung gegenüber der Schulmedizin?

Wenn alle drei der obergenannten Säulen zu einer Behandlung passen, hat die homöopathische Behandlung viele Vorteile: Das Verhältnis Arzt/Patient ist durch die lange „homöopathische Befragung“ und durch die andere homöopathische Sicht auf die Erkrankung tiefgreifender. Die Patientinnen und Patienten sind motivierter an ihrer Genesung selbst mitzuwirken, sie kann die Ursachen einer chronischen Erkrankung definieren und behandeln und hat dann wesentlich weniger Wechsel- und Nebenwirkungen. Die homöopathische Behandlung kann so die Lebensqualität verbessern, ist wesentlich preiswerter und drückt die Folgekosten! 

Dies zeigt anschaulich und bestätigt meine bisherigen Aussagen 😀

Im Podcast Aromatherapie für deinen Ohren Episode 166: Der Arzt als Satellit – Neue Wege der Begleitung und noch viel mehr, wurde ich besonders durch den Satz des anwesenden Onkologen hellhörig:

Ab Minute 9:10 spricht er über die Ausbildung in Homöopathie „mit einer anderen Welt konfrontiert zu werden, kritisches Denken zu entwickeln, und […] über den Tellerrand hinaus zu schauen“ – und genau das trifft es, was Ärzte meiner Meinung nach brauchen, um mit Multimorbidität überhaupt klar zu kommen und sich eine gewisse Flexibilität anzueignen, dass eben nicht alles wie im Lehrbuch von stattet geht, was sie im realen Leben, im Krankenhaus und in der Notaufnahme erwarten wird.

Denn nicht erst seit dem demographischem Wandel, sehen sich Ärzte, Pflegekräfte, Apotheker und Heilpraktiker mit immer älter werdenden Menschen konfrontiert, die natürlich allein durch ihr Alter auch viel mehr Krankheiten vereinen, als Menschen die mit Anfang 70 bereits gestorben waren.

Und dann kommt noch zusätzlich das hinzu, was man als Umweltmedizin, zusammenfasst. Die gesamten Einflüsse aus Ernährung, Agrargiften, Kreuzreaktionen von Medikamenten, Maldigestion und Malabsorption, Mikro- und Nanoplastik, multiresistenten Keimen, chronifizierten Stress- und Entzündungsreaktionen, und noch vieles mehr. All das gilt es eigentlich zu berücksichtigen, wenn man den Patienten ordentlich behandeln will. Und das kann nur geschehen, wenn der Arzt die entsprechenden Querverbindungen auch herstellen kann, weil er es nicht für unmöglich hält.

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