Ich persönlich bin ein Fan der sogn. Salutogenese. Das bedeutet, Gesundheit und Krankheit sind in einem Spektrum und, ähnlich wie man sich das bei Yin und Yang vorstellt, in ständiger Bewegung. Wobei man heutzutage eher von einem Kontinuum spricht, aber Spektrum trifft es nach wie vor. Gesundheit und Krankheit sind keine fixen Zustände, sondern umreißen die Flexibilität des Lebens, so wie unsere Hormone in Rhythmik sich befinden, und unser ganzer Bio-Rhythmus.
Aus dem rein schulmedizinischen Blickwinkel sind Krankheiten über Symptome und Diagnosen klar umrissen. Die Realität (z.B. im Krankenhaus) zeigt oftmals, dass auch das ein Spektrum ist. Kaum eine Krankheit/Diagnose ist so wie sie im Lehrbuch steht. Doch das macht diesen Ansatz auf keinen Fall irrelevant, und sogar in Notsituationen so hilfreich. Bei chronischen Erkrankungen – egal ob physisch oder psychisch – sieht das schon etwas anders aus. Da spielen Lebensumstände, Genetik, Familiensituation und viele weiter Faktoren eine viel größere Rolle und beeinflussen das Gesamtbild deutlich mehr, als man von einem Symptom ableiten könnte.
Dies spiegelt sich auch in dem Zitat „die Mikrobe ist nichts, das Milieu ist alles“ (vermutlich von Antoine Béchamp, französischer Arzt, Chemiker und Pharmazeut, 1816–1908) wieder. Denn summa summarum kann man die Lebensumstände, Genetik und viele weitere Faktoren genauso unter dem Begriff „Milieu“ zusammenfassen. Wobei ich nun nicht sagen würde „die Mikrobe ist nichts“, sondern Mikrobe und Milieu sind gleichberechtigte Gegenspieler. (Partners in Crime?)
Was mir ganz arg wichtig ist, weil man das gerade auf (un-)social media vermehrt hört: Krankheit entsteht nicht, weil man eine falsche Entscheidung getroffen hat! Dabei ist nicht Risikoverhalten gemeint, sondern meist wird auf geistige Haltung, Verhaftung an Mustern und ähnlichen Strukturen etwas vage fest gemacht, was an sich im Großen und Ganzen vielleicht einen Zusammenhang hat, aber keine direkte Folge auslöst. Hier muss zwischen Kausalität und Korrelation unterschieden werden.
Auch aus ganzheitlicher, holistischer und spiritueller Sicht lässt sich das so pauschal auf KEINEN FALL sagen.
Wer aus spiritueller Sicht einem anderen einreden möchte, dass die „Schuld“ (ein ekelhafter Begriff) bei einem selbst liegt, hat was konkretes Risikoverhalten betrifft vielleicht nicht ganz unrecht, doch auf so etwas komplexes wie Krankheit und Gesundheit kann man diese Vereinfachung so nicht anwenden.
Das Leben lehrt uns doch tagtäglich, dass es auf komplexe Probleme keine einfachen Lösungen gibt. Und das entlarvt auch solch pauschale Behauptungen.
Betrachten wir „Lebensumstände, Genetik, Familiensituation und viele weiter Faktoren“ einmal etwas genauer:
- Lebensumstände: darunter kann man unter anderem die Wohnsitutation verstehen, das Thema Hygiene, Bewußtheit gegenüber von Risikofaktoren und Giften die aufgrund von Pestiziden kaum noch wegzudenken sind, Selfcare im wortwörtlichen und übertragenen Sinne, psychische Faktoren und Belastungen
- Genetik: inzwischen wissen wir, dass Gene zwar bestimmte Auslöser markieren, diese aber nicht zwangsläufig ausgelöst werden, nur weil man das entsprechende Gen dafür hat. Auch dafür müssen bestimmte Trigger erfüllt werden, was uns wieder zu den Lebensumständen führt.
- Familiensituation: eine unterstützende und wertschätzende Umgebung lässt einen Menschen deutlich anders „sich in seiner Haut wohl fühlen“, als wenn diese Dinge nicht gegeben sind. Damit werden direkt psychische Faktoren angesprochen bis hin zum Streßlevel. Statistisch wurde erhoben, dass Singles eine geringere Lebenserwartung haben als Paare. Wobei man das noch gegen andere Faktoren rechnen müsste, wie Gewalt in der Beziehung bis hin zu Femiziden.
- viele weiter Faktoren: darunter fallen zum Beispiel Umwelteinflüsse, klimatische Bedingungen, Lichtexposition, Risikoverhalten, persönliche Resilienz, persönliche Konstitution, uvm.
Das ist nur ein kleiner Abschnitt, der nie alles beleuchten kann, und genau darum schon aufzeigt wie komplex und umfangreich die Thematik tatsächlich ist – und das man keineswegs diese Faktoren so simpel abtun kann.
Krankheit kann also dadurch begünstigt werden, dass Risikoverhalten exponiert wird, man die eigenen Lebensumstände vernachlässigt, vorbestehende Krankheiten o.a. genetische Ursachen durchschlagen, sich verschärfende Umwelteinflüsse bemerkbar machen, Umstände ihre Wirkung entfalten die man selbst nicht in der Hand hat, uvm.
Bedeutet das im Umkehrschluß, dass Gesundheit begünstigt wird wenn man sich diese ganzen Faktoren widmet? – In gewisser weise schon, doch ist das eigentlich in der Gänze unmöglich. Hier muss man sich auf das konzentrieren, was man tatsächlich SELBST ändern/tun kann. Und genau das sehe ich aus ganzheitlicher-spiritueller-holistischer Sichtweise als unsere Aufgabe an.
Erkenne dich selbst, in deinen Strukturen, in deinem Milieu, in so vielen Knoten des Netz des Lebens wie möglich. Schau dir die Knoten an, schau sie an und analysiere ob diese veränderlich oder unveränderlich sind. Und dann mach dir einen Plan wie du Handeln kannst – und dann Handle.
Man muss für sich selbst erkennen, was man beeinflussen und unterstützen kann – unter Berücksichtigung vom täglichen Bio-Rhythmus – um sich so selbst zu „optimieren„.
Selbstermächtigung ist hier das „Zauberwort“, und möchte es lieber verwenden statt Selbstoptimierung.
Man eignet sich, wie in der Psychotherapie, Skills und Tools an die man in den entsprechenden Situationen griffbereit hat, um re-agieren zu können.
Hier möchte ich noch zu den fälschlicherweise sehr verklärten „Natur“ und den natürlichen Regulationsmechanismen etwas sagen: diese funktionieren nur, wenn das Milieu stimmt, wenn keine „Steine in den Fluss des Lebens gefallen sind“ (also fast eine utopische Vorstellung) und brauchen unsere (Selbst-)Pflege und Unterstützung. Genauso unseren verantwortungsvollen Umgang mit uns selbst, unserer Umwelt, unseren Ressourcen in jeglicher Hinsicht und unserem Planeten.
Sich mit dem eigenen Körper und Psyche kurmäßig zu befassen, hat sich in vielen Bereichen bewährt. WIckel und Auflagen, Aromapflege, sinnvolle Einnahme von Supplements/NEMs, Schlafhygiene, Streßmanagement und Resilienz stärken, Sonnenlicht und Bewegung an der frischen Luft, lieber frisches Essen als Fertiggerichte, soziale Interaktion mit Freunden, Hobbies pflegen, …. die Möglichkeiten sind so vielfältig wie unser Leben.
Antworte auf den Kommentar von Livia Antwort abbrechen