Invasive Pflanzen und Tiere

So wie die Rhythmik und Balance in unserem Organismus (inkl. Geist und Seele) eine zentrale Rolle spielt, so tun sie das auch im übertragenen Sinne in unserem Ökosystem. Wirbellose Tiere, Insekten, Vögel, Säugetiere von klein bis groß, genauso aber auch Pflanzen und Pilze, sind ökologisch verschränkt, besetzen entsprechend vorhandene Nischen und schaffen mit ihrer Vielfalt und Regulation der Population das, was wir unter Biodiversität verstehen.

Diese Artenvielfalt wird schon allein durch das Eingreifen des Menschen bei Flächenversiegelung, Steingärten statt Blühwiese, Mäh- und Schneideverhalten, Pflanzen- und Insektengift, bis hin zu dem Ordnungswahn den manche in ihrem Garten an den Tag legen, beeinflusst. Der Druck, durch Mangel an Nahrungsangebot, der die gesamte darauffolgende Nahrungskette beeinflusst, wird immer größer. Dazu zählt dann auch das Konkurrenzverhalten durch Massentierhaltung, dem Monokulturanbau und der damit auch verbundenen Pesti- und Herbizidverwendung in der Landwirtschaft. Die Zusammenhänge des Ökosystems, und leider ebenso die Zusammenhänge wenn in dieses eingegriffen wird, sind fast un-fassbar.

Der Klimawandel beschleunigt dies noch um ein Vielfaches, wenn Dürreperioden sich immer weiter ausdehnen, die allgemeine Temperatur steigt, unausgeglichen Starkregen herabfällt, begradigte Flüsse über die Ufer treten und Bodenerosion auf dem Zukunftsplan steht. Pflanzen und Tiere, wie zum Beispiel aus Südeuropa, die sich mit Trockenheit und Hitze besser angepasst haben, wandern nach Mittel- und Nordeuropa, und verdrängen einheimische Arten. Die Welt gerät aus den Fugen – sie verliert immer mehr ihre Balance und Rhythmik.

Viele Tierarten wandern, um sich erfolgreich fortzupflanzen und wettbewerbsfähig zu bleiben. Daher ist es ganz normal, dass Tiere und Pflanzen neue Lebensräume besiedeln. Diese Fähigkeit wird auch angesichts des Klimawandels zur Erhaltung von Arten immer wichtiger werden. Organismen wandern allerdings normalerweise lokal, meist über kurze Distanzen in Gebiete mit ähnlichen Bedingungen, wobei Meere und Gebirge seit jeher natürliche Barrieren bilden. Diese sind für die meisten Arten unüberwindbar und grenzen verschiedene Lebensräume voneinander ab – wäre da nicht der Mensch. Er hilft vielen Tierarten bewusst oder unbewusst beim Wandern und bringt sogenannte invasive Arten in neue Lebensräume.

Vor allem durch Schifffahrt und Flugverkehr können große Distanzen in kurzer Zeit spielerisch überwunden werden, und immer mehr Tier- und Pflanzenarten werden aus ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet an weit entfernte Orte gebracht, in die sie von selbst gar nicht gelangen könnten. Dies geschieht manchmal unbewusst, häufig werden sie aber auch aktiv durch den Mensch transportiert.

Viele dieser Arten haben unerwünschte Auswirkungen auf ihren neuen Lebensraum sowie die dort heimischen Arten und breiten sich rasant und massenhaft aus. Sie werden als invasive Arten bezeichnet, die die biologische Vielfalt und die heimischen Ökosysteme gefährden und weltweit Schäden in Milliardenhöhe verursachen. Der IPBES-Bericht zu invasiven Arten zeigte auf, dass bei mindestens 60 Prozent der ausgerotteten Pflanzen- und Tierarten invasive Arten eine entscheiden Rolle spielten. Bei 16 Prozent sind invasive Arten sogar die einzige Ursache für die Ausrottung heimischer Arten. Darüber hinaus zeigt der Bericht auf, dass sich die globalen Kosten für negativen Auswirkungen, Prävention und Management invasiver Arten 2019 auf über 423 Milliarden USD beliefen. Allein in der EU beliefen sich die finanziellen Schäden durch invasive Arten zwischen 1960 und 2020 auf mindestens 116,61 Milliarden Euro, Tendenz stark steigend.

Invasive Arten

  • Definition: eine Art, die in fremdem Gebiet überlebt und sich fortpflanzt
  • Ursachen: weltweiter Warenverkehr; Fernreisen; Handel mit exotischen Haustieren; [absichtliches und unabsichtliches Aussetzen fremder Tier- und Pflanzenarten in unserem Ökosystem; Klimawandel]
  • Gefahr: Schädigung der natürlich vorkommenden Ökosysteme; Verdrängung einheimischer Arten; gesundheitliche Bedrohung für Menschen und Tiere

Quelle: https://www.prowildlife.de/aktuelles/hintergrund/invasive-arten-in-deutschland/

Doch nicht alle Neophyten und Neozoen sind gleichzeitig auch invasiv. Eine eingeschleppte Art gilt nur dann als invasiv, wenn sie sich im neuen Gebiet fest etabliert hat und einheimische Arten und Ökosysteme bedroht. Laut IPBES-Bericht gibt es weltweit mehr als 37.000 gebietsfremde Arten – mehr als 3.500 davon sind invasiv.

Quelle: https://www.wwf.de/themen-projekte/artensterben/invasive-arten

Schätzungsweise eine von 1000 gebietsfremder Arten entwickelt sich zum Problem für unsere Natur: Sie sind oft robuster gegen Umwelteinflüsse, pflanzen sich schneller fort und bringen eine größere Anzahl an Nachkommen hervor. Außerdem haben gebietsfremde Arten oftmals keine natürlichen Fressfeinde in ihrer neuen Heimat. Dadurch breiten sie sich schnell aus und verdrängen heimische Arten. Neben den „sichtbaren“ Arten werden auch Krankheitserreger wie Viren, Bakterien und Pilze eingeschleppt, die für gebietsheimische Arten gefährlich werden können. 

Asiatische Hornisse breitet sich weiter aus

In den letzten Jahren hat sich die Asiatische Hornisse in Baden-Württemberg weiter ausgebreitet. Vom Sommer bis in den Herbst hinein werden inzwischen fast täglich einzelne Tiere und Nester gemeldet. Die Zahl der Sichtungen und Nestmeldungen hat drastisch zugenommen. Gingen zwischen 2014 und 2022 jährlich nur vereinzelte Meldungen bei den zuständigen Regierungspräsidien ein, waren es allein im Jahr 2023 schon 550 Nestmeldungen. Grund für den Anstieg war unter anderem die im Jahr 2023 eigens dafür eingerichtete Meldeplattform. Hier gingen im ersten Jahr rund 2500 verifizierte Meldungen zu Einzeltieren und Nestern ein.

Die Asiatische Hornisse benötigt für die Aufzucht ihrer Larven proteinreiche Nahrung, die sie vor allem in Form von Fluginsekten erbeutet. Dabei können im Spätsommer Honigbienen einen Großteil der Nahrung darstellen. Dies kann in Einzelfällen insbesondere für geschwächte Bienenvölker kritisch werden, weshalb Imker die Ausbreitung mit Sorge beobachten. Größere Schäden in der Imkerei sind bisher allerdings nicht bekannt. Inwieweit heimische wildlebende Arten, wie zum Beispiel Wildbienen, von der Asiatischen Hornisse erheblich beeinträchtigt werden, kann noch nicht beurteilt werden.

Quelle: https://umweltportal.baden-wuerttemberg.de/umweltdaten-bericht-2024/invasive-arten

Inzwischen kann man sagen, dass die asiatische Hornisse bei den einheimischen Insekten inkl. Wildbienen erheblichen Schaden anrichtet – das Artensterben ist in den „Hyperdrive“ gewechselt. Die meisten Imker reagieren mit einer Aufstockung ihrer Bienenvölker, was erneut zu einem problematischen Kreislauf an Nahrungsknappheit für Wildbienen führt. ergänzend mein Beitrag Die Bienen retten – kritische Gedanken

Neophyten sind Pflanzen, die ursprünglich aus anderen Regionen der Welt stammen und durch menschliches Zutun zu uns gekommen sind. Seit der Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 wurden Pflanzen und Samen zunehmend rund um die Welt transportiert. So gelangten viele Neophyten absichtlich oder unabsichtlich in unsere Gärten. Manche kamen als wunderschöne Zierpflanzen, andere als nützliche Bienenweiden oder Forstbäume.

Während viele Neophyten eher unproblematisch sind und sich gut in unsere Ökosysteme einfügen, gibt es einige Arten, die sich rasant ausbreiten und heimische Pflanzen verdrängen. Diese invasiven Neophyten sind oft stärker und robuster als unsere einheimischen Pflanzen. Sie verursachen oftmals ökologische und wirtschaftliche Schäden. Ein Beispiel ist der Riesenbärenklau, der nicht nur anderen Pflanzen das Licht nimmt, sondern auch durch seinen Pflanzensaft schmerzhafte Verbrennungen bei Menschen und Tieren verursachen kann.

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