Ich denke, wenn jemand wie ich, dem Heilkunde und Naturschutz am Herzen liegen, über Naturschutz nachdenkt, so wird man schnell an den Punkt kommen, dass man nur begrenzte Ressourcen hat, um etwas zu bewegen. Für die Verschärfung des Klimawandels, des Artensterbens und dem bröckelnden Naturschutz etwas entgegen zu setzen, bedarf es mehr als nur der eigenen zwei Hände. Doch darf man sich davon nicht entmutigen lassen!
Gerade die eigenen zwei Hände können, in ihrem Rahmen, etwas bewirken. Das ist mein Leitspruch, der sich auch beim Thema Kaufverhalten etabliert hat. Man darf die eigene Kaufkraft nicht unterschätzen!
Mit meiner Begeisterung für Heilkräuter, Pflanzen im allgemeinen und dem Erhalt unseres Ökosystems kommt früher oder später das ein oder andere Aha-Erlebnis, dass einem zeigt, wie alles vernetzt ist. Zumindest immer wieder schrittchenweise, denn alles umfassen wäre wahrscheinlich unmöglich bis ins kleinste Detail zu erfassen.
Was ich also in Angriff nehmen wollte, war irgendwann einen Bienenkorb aufzustellen, um der Natur etwas gutes zu tun. – So mein erster naiver Gedanke.
Eine Wespengiftallergie später, habe ich diesen Gedanken wieder verworfen, erstmal aus dem Grund, da nicht ganz klar war, wie sich die Allergie entwickelt, und in wie weit davon auch Bienengift betroffen sein könnte. Also habe ich ein paar kleine schnucklige Wildbienen Nisthilfen auf meinem Balkon aufgestellt, die vor allem die Mauerbienen und die Schlupfwespen gerne frequentieren.
Das die meisten Nisthilfen suboptimal sind, auch wenn sie mit entsprechenden Siegeln und Zertifikaten angeboten werden, ist auch da wieder erst später klar geworden. Also habe ich mich darauf beschränkt, auf meinem Balkon soviel Futterpflanzen wie möglich für die heimischen Insekten anzupflanzen, und im Garten zumindest ein paar Kornellkirschen anzupflanzen, und dem Forsythien-Wahn meiner Mutter etwas Einhalt zu gebieten. 😀
Wie sich nun herausstellt, ist das Anpflanzen von Futterpflanzen für heimische Insekten, im privaten Rahmen, genau das was entscheidend ist. Eben im Rahmen meiner Möglichkeiten. Es muss sich etwas grundlegendes an der Denk- und Herangehensweise ändern, wenn man Nachhaltig die Natur schützen möchte.
In den letzten Pressemitteilungen wurde nun thematisiert, in wie weit die Honigbiene den heimischen Wildbienen und Insekten den Nektar „klaut“. Das hat mich zunächst stutzig gemacht, denn ein ausgeprägtes Konkurrenzverhalten war mir so gar nicht bewusst gewesen. – Was leider nicht bedeutete, dass dies nicht existiert.
Wenn man sich ansieht, wie generalistisch Honigbienen sind, im Vergleich zu teilweise spezialisierten Wildbienen, kann man vielleicht erahnen, was es für eine Bedeutung hat, wenn die Honigbiene diese spezielle Blume anfliegt und für die Wildbiene die auf diese spezialisiert ist, im Endeffekt nichts mehr bleibt.
Die Honigbiene die von Imkern betreut wird, trägt nicht zum Naturschutz bei.
Eine ketzerische These vom Biologen Torben Schiffer (freethebees.ch, beenature.info, beenature-project.com), der dafür auch nicht wenig Anfeindung erhält. Leider scheint seine wissenschaftliche Arbeit genau das zu bestätigen.
Wilde Honigbienen, in ihrem natürlichen Lebensraum den es kaum bis gar nicht mehr gibt (z.B. alte Nester des Spechts), scheinen weder mit Varroamilben, noch Faulbrut noch anderen Krankheiten zu kämpfen zu haben.
Davon kann man ableiten, dass die Massentierhaltung, die die imkerische Bienenhaltung de facto ist, wie bei der Massentierhaltung von anderen Nutztieren, genau zu diesen Krankheiten erst führt, diese begünstigt, und für eine Durchseuchung von anderen Insekten führen kann.
Um Honig, Bienenwachs und Propolis besser ernten zu können, wurde die wilde Honigbiene über Jahrhunderte züchterisch verändert – auch was ihre natürliche Behausung anbelangt. Die viel zu großen Bienenvölker zeigen quasi auf engstem Raum, was jede übermäßige (Massentierhaltung) Population zur Folge hat.
Dabei ist den meisten Hobby-Imkern da überhaupt keinen Vorwurf zu machen, die im besten Gewissen mit den gängigen „Parolen“ (Bienenhaltung ist Naturschutz, Honigbiene wird artgerecht gehalten, Honigbiene ist unerlässlich für die Bestäubung, …) „geimpft“ werden, diese leider aber nicht weiter hinterfragen.
Mit der industriellen Bienenhaltung sieht es da nochmal ganz anders aus. Und diese wird sogar von lokalen Imkern kritisch betrachtet, und klar als unwesensgemäße Haltung deklariert.
Ich erinnere mich noch gut an den Film, den ich über türkische Imker im Berghochland gesehen habe, und der klar gezeigt hat, dass nur die Bienen, die in den Baumhöhlen leben, gesund sind und wenn überhaupt man nur sehr wenig Honig entnehmen kann. Link: Die Bienenflüsterer Reupload | ARTE Fernweh
Ist also die eigentliche Frage nicht, ob die Bienen zu retten sind, oder doch viel mehr ob wir noch zu retten sind?!
Torben Schiffer sagt, dass Honig flüssiges Artensterben ist, denn es ist wie ein Schleppnetz das bis zu hundert Kilogramm Biomasse aus der Umgebung zieht, die anderen Arten nicht mehr zur Verfügung steht, und das nichtmal für das Volk selbst, sondern für die Honigernte des Imkers.
Und wieder ist das keine Böswilligkeit der ambitionierten Hobbyimker die zum Beispiel auf Stadtdächern Zargen aufstellen. Sie verkennen leider die Natur, die Umstände wie sich die Temperaturen auf Dächern im Sommer aufheizen (teilweise bis zu 60°C), und unter welchen Stress dies ein Bienenvolk setzt. – Denn jede Anpassung, muss das Volk bewältigen um zu überleben, und jede Anpassung ist Stress. Stress der mit der Honigernte erneut aufkommt. Legeverhalten der Königin der eigentlich Zyklen unterworfen ist, aber durch Vorratmangel (Honigernte) künstlich hoch gehalten wird, usw. – und da muss man leider unterm Strich sagen, dass das mit artgerechter Haltung und Naturschutz nichts zu tun hat.
Wenn man die Entwicklung und „Zähmung“ der Biene zum Nutztier über die Geschichte kritisch betrachtet, stand da nicht Naturschutz im Vordergrund, sondern eine Möglichkeit immer leichter immer mehr des flüssigen Goldes zu ernten. Der Imker hat die Biene angepasst, nicht umgekehrt. Und das ist der fundamentale Unterschied in artgerechter Haltung und Naturschutz.
„Die Trennung des Lebensraums der Honigbiene von den Räumen, in denen der Honig eingelagert wird, erleichtert dem Imker die Honigentnahme – in manchen Systemen und Betriebsweisen wird das exzessiv ausgenutzt. Die Erfindung des Absperrgitters hat dies noch weiter getrieben. Natürlich ist auch in der Demeter-Bienenhaltung die Ernte von Honig ein wichtiges Betriebsziel – Bienenhonig ist für den Menschen eine wertvolle Substanz.“
Quelle: https://www.lebendigeerde.de/index.php?id=schwerpunkt_141
„Die Betriebsweise unserer Imker:innen orientiert sich an den natürlichen Bedürfnissen der Bienen – und das erfordert viel Zeit und Handarbeit. Dabei steht das Wohlbefinden der Bienen statt allein nur der Honig im Vordergrund.
Handarbeit ist auch beim Wabenbau angesagt: Bei unseren Imkerinnen und Imkern dürfen sich die Bienen noch kreativ ausleben! Sie bekommen keine Mittelwände gestellt, sondern produzieren ihr Wachs im Naturwabenbau wie es ihrem ursprünglichen Wesen entspricht.
Das macht sich jedoch bei der Honigernte bemerkbar: Zu Gunsten des Tierwohls verzichten unsere Imker:innen durch diese und weitere Maßnahmen im Vergleich zu anderen biologischen oder konventionellen Imkereien auf etwa 50-70 % ihrer Honigmenge. Das spiegelt sich im Preis des Endprodukts wider.“
Quelle: https://www.demeter.de/honig
Ich habe das Beispiel der demeter-Bienenhaltung hier herangezogen, denn demeter verkörpert an sich einen extrem hohen Standard. Und dennoch ist bei einer wortwörtlichen wesensgemäßen Haltung, wahrscheinlich nur eine Entnahme von 10% des Honigs tatsächlich noch als wesensgemäß einzustufen. Damit würde die betriebliche Haltung von Bienen komplett zusammenbrechen.
Die demeter-Haltung scheint also im Moment immernoch ein „guter“ Kompromiss zu sein, so nah wie wirtschaftlich möglich Bienen zu halten. Aber immer unter der ökonomischen Prämisse! – Und das hat nichts mit Naturschutz zu tun.
„Ein Bienenvolk würde von sich aus niemals ins
Honiggeschäft einsteigen, der Preis ist viel zu hoch“
Zitat: Jonathan Powell,
Natural Beekeeping Trust, 2019 Berlin
Und dabei liebe ich Bienenprodukte, wie man in meinem Artikel über Apitherapie auch lesen kann. Die unschätzbaren Vorteile die Bienenwachs bietet, der gesundheitliche Benefit von Propolis, Oxymel und Honig.
Ich würde also zu folgendem Fazit kommen: wenn man bewusst zu Bienenprodukten greifen möchte, sollte es mindestens demeter-Qualität sein, soviel der verfügbaren Fläche die man hat zu blühenden Flächen gestalten, und zum Beispiel in Naturschutzprojekte wie „Trees for Bees“ (siehe unten) investieren.
ergänzende Links:
- wildbienen.info
- naturgartenfreude.de – Nisthilfen-wildbienen
- Wildbieneundpartner.de
- Youtube: Die Wahrheit über INSEKTENHOTELS: Warum Baumarktversionen die Natur zerstören!
Dazu zwei sehr sehenswerte Youtube-Links:
- „Honigbienen-Haltung ist kein Naturschutz!“ Interview mit Biologe Torben Schiffer
- Bienenforscher redet Klartext: Sie verschweigen euch die Wahrheit!
Und in diesem Zusammenhang möchte ich auf das gemeinnützige Projekt „TREES FOR BEES – Save the Future!“ aufmerksam machen.
Ein Projekt von Beenature-Save-the-Bees e.V.
• Aufbau einer internationalen Artenschutzbewegung
• Bildung und Vernetzung idealistisch motivierter Artenschützer weltweit
• Schutz wildlebender Honigbienen und Wildbestäuber
• Schutz der unersetzbaren Nahrungsressource Nektar
• Förderung von Biodiversität und natürlichen Nahrungsketten
• Installation von Baumhöhlensimulationen
• Produktion einer internationalen Dokumentation
Unsere Projekte zeigen, dass Honigbienen auch heute noch ohne menschliche Eingriffe dauerhaft überlebensfähig sind – sofern sie artgerechten Lebensraum in Form von Baumhöhlen erhalten. Sie sind keine hilflosen Nutztiere, sondern seit Jahrmillionen eine wildlebende Schlüsselspezies unserer Wälder.
Gleichzeitig werden viele idealistisch motivierte Menschen unter dem Narrativ des „Bienenschutzes“ in die Imkerei überführt. Dabei entsteht ein fundamentaler Widerspruch: Die intensive Honigproduktion entzieht der Landschaft große Mengen an Nektar – genau jener Lebensgrundlage, von der Wildbestäuber, Nahrungsketten und ganze Ökosysteme abhängen.
Menschen, die Arten schützen möchten, bewirken dadurch oftmals unbeabsichtigt das Gegenteil. Wir möchten aufzeigen, dass echter Artenschutz nicht in der Ausweitung der Honigbienenhaltung liegt, sondern in der Wiederherstellung natürlicher Lebensräume für wilde Honigbienen, Wildbestäuber und zahlreiche weitere Arten.
Was wäre möglich, wenn die Gesellschaft verstehen würde, dass ein Glas Honig in Wahrheit nichts anderes ist als süßes, ins Glas gefülltes, komprimiertes Artensterben?
Was bewirken die Spenden?
250.000 € ermöglichen die Umsetzung eines international sichtbaren Leuchtturmprojekts für Wildbestäuber – mit neuen Lebensräumen, wissenschaftlicher Begleitung und einer internationalen Dokumentation.
Unser Ziel ist die Initialzündung einer internationalen Bewegung für den Schutz wildlebender Bestäuber. Wir möchten die notwendigen Erkenntnisse, Erfahrungen und Werkzeuge weitergeben, damit Menschen weltweit das tun können, wonach sie eigentlich suchen: echten Artenschutz.
Jede Baumhöhlensimulation kostet etwa 1.000 €. Die Spendengelder werden für Planung, Bau und Installation der Baumhöhlen, Monitoring, Dokumentation, Bildungsarbeit, internationale Vernetzung und die langfristige Umsetzung der Projekte verwendet.
Alle zusätzlichen Spenden fließen unmittelbar in den Ausbau unserer Artenschutzarbeit.
Die Herausforderungen sind gewaltig. Doch jede Bewegung beginnt mit dem ersten Schritt.
Danke an alle Menschen, die Teil dieser Bewegung werden.
Alle Fakten liegen auf dem Tisch. Nun ist es Zeit zu handeln.
Gemeinsam können wir Wildnis zurückbringen – Baum für Baum, Höhle für Höhle.
Wie groß diese Bewegung wird, liegt nun bei Dir.
Lasst uns gemeinsam ein internationales Leuchtfeuer für den Artenschutz entzünden!
mehr dazu über denk Link zu betterplace.org – Trees for Bees
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