{"id":805,"date":"2022-05-03T19:05:39","date_gmt":"2022-05-03T18:05:39","guid":{"rendered":"https:\/\/grauer-magier.de\/?p=805"},"modified":"2022-05-04T12:21:44","modified_gmt":"2022-05-04T11:21:44","slug":"bibel-und-kirchenkritik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.grauer-magier.de\/?p=805","title":{"rendered":"Bibel- und Kirchenkritik"},"content":{"rendered":"\n<p><span><u style=\"font-weight: bold;\">Die Bibel &#8211; in gro\u00dfen Teilen zutiefst inhuman und ethisch nicht vertretbar<\/u><\/span><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich ist es erschreckend wie f\u00fcr die Bibel, mit diesem Inhalt, letztinstanzliche ethische Verbindlichkeit beansprucht wird. Die als Quelle wie kein Buch sonst verbreitet wird, erscheint nicht nur die Vielzahl der Sachverhalte, die mit der Todesstrafe belegt werden, sondern auch die immer wieder zu sp\u00fcrende Einstellung eines unvers\u00f6hnlich-unbarmherzigen und exzessiven Strafbed\u00fcrfnisses, im Rahmen dessen diese Sanktionen gefordert und vollzogen werden.<br \/>Die &#8222;heilige&#8220; Schrift, die als g\u00f6ttliche Inspiration gilt, sollte sittliche Normen und Verhaltensleitbilder angeben (&#8222;Die heiligen Schriften enthalten das Wort Gottes, und weil inspiriert, sind sie wahrhaft Wort Gottes&#8220; Katholischer Katechismus 1993 S. 135). Dieses&nbsp; Strafbed\u00fcrfnis zeigt sich selbst noch \u00fcber den Tod hinaus. Es macht noch nicht einmal vor der Leiche des Hingerichteten halt: &#8222;Wenn jemand ein Verbrechen begangen hat, auf das die Todesstrafe steht [Man bemerke: Im Buch Levitikus aufgef\u00fchrte &#8222;Verbrechen&#8220;, steht auf fast alles die Todesstrafe!], wenn er hingerichtet wird und du den Toten an einen Pfahl h\u00e4ngst, dann soll die Leiche nicht \u00fcber Nacht am Pfahl h\u00e4ngenbleiben, sondern du sollst ihn noch am gleichen Tag begraben; denn ein Geh\u00e4ngter ist ein von Gott Verfluchter&#8220; (Dtn. 21; 22). Dieses fast unstillbare Strafbed\u00fcrfnis des biblischen Gottes \u00fcber den Tod des Misset\u00e4ters hinaus zeigt sich auch an seiner &#8222;Begier&#8220;, die Schuld an der jeweiligen Nachkommenschaft bis zur &#8222;dritten und vierten Generation&#8220; zu verfolgen (z.B. Ex. 20; 5 u. 34, 6; Dtn. 5; 9).<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur die Androhung prompter Bestrafung, sondern ebenso die Art der Strafen nach Vielfalt und Schwere bei Nichtbefolgung der g\u00f6ttlichen Gebote und Weisungen muss jeden emp\u00f6ren, der sich gegen erschreckende Strafandrohungen der Bibel, dort induzierte \u00c4ngste und Denkhemmungen, die sich schon auf kleine Kinder auswirken, noch einen Rest prometheischen Widerstandsgeistes, &#8222;metaphysischer Zivilcourage&#8220; (G. Anders) und humaner Sensibilit\u00e4t bewahrt hat, und l\u00e4sst eine Akzeptierung der Bibel auch noch in heutiger Zeit nur schwer verst\u00e4ndlich erscheinen.<br \/>(Dtn. 28; 15, 20, 22, 26-29, 32, 35, 53, 58-61) Man sollte sich immer wieder klar machen, was ein solches Gottesbild psychologisch anrichten kann!<br \/>Man sollte sich wieder selbst durch eigene Lekt\u00fcre \u00fcberzeugen, dass die aufgef\u00fchrten Stellen nicht nur vereinzelte &#8222;Inseln&#8220; in einem sonst ganz anderen Kontext darstellen, sondern dass diese Einstellung der massiven Strafdrohungen und eines exzessiven Strafbed\u00fcrfnisses den ganzen Pentateuch (die f\u00fcnf B\u00fccher Mose) durchziehen. Dass daneben auch Wohltaten und Wohlergehen als Lohn f\u00fcr Wohlverhalten versprochen werden, kann den zitierten und den zahlreichen anderen entsprechenden Stellen den Charakter eines ethisch und psychologisch begr\u00fcndeten vernichtenden Einwandes gegen die Bibel als g\u00f6ttlich inspirierte Normquelle nicht nehmen.<br \/>(Ich konnte nicht s\u00e4mtliche anst\u00f6\u00dfigen Bibelzitate herausschreiben, bzw. Verweise auff\u00fchren, da diese einfach zu zahlreich waren! Deshalb habe ich die wichtigsten Ausgew\u00e4hlt.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Das Alte Testament:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die f\u00fcnf B\u00fccher Mose<\/strong>: Der biblische Gott hat Wohlgefallen an Eroberungs- und Vernichtungskriegen und ordnet sie an. (Num. 21; 2-3), (Num. 25; 16,17), (Num. 32; 27)<br \/>Teilweise f\u00fchrt der biblische Gott selbst Eroberungs- und Vernichtungskriege an! (Ex. 33;2),<br \/>(Num. 24; 8), (Dtn. 7;1), (Dtn. 9;1-3), (Dtn. 31; 2-5), (Dtn. 32;42)<br \/>Der biblische Gott befiehlt ausdr\u00fccklich die mitleidlose Hinschlachtung von Kindern, Frauen, Greisen und M\u00e4nnern. (Dtn. 2; 30, 31, 33, 34), (Dtn. 3; 1-4, 6), (Dtn. 7; 1, 2, 16, 20, 22, 23),<br \/>(Dtn. 20; 10-17, 19), (Num. 31; 2, 7, 9, 10, 14-18, 19, 24), (Ex. 4; 21 u. 10; 20 u.a.), (Ex. 11; 4-6), (Ex. 12;12)<br \/><strong>Das Buch Jesaja<\/strong>: Die &#8222;Heiligen Krieger&#8220; des biblischen Gottes, &#8222;seine hochgemuten, jauchzenden Helden&#8220;, &#8222;zerschmettern Kinder vor den Augen&#8220; ihrer Eltern. (Jes. 13; 3, 5, 7, 8, 9, 15-18), (Jes. 19; 2), (Jes. 25; 3), (Jes. 42; 13), (Jes. 54; 16)<br \/>Auch nach diesem, nach Lehre der Kirche ebenfalls g\u00f6ttlich inspirierten, Gottes Wort enthaltenden Buch ist Gott eindeutig der Bewirker auch von Israel selbst nicht gef\u00fchrter Kriege, ja der eigentlich Kriegf\u00fchrende. (Jes. 41; 2-4)<br \/><strong>Die Psalmen<\/strong>: Neben den f\u00fcnf B\u00fcchern Mose d\u00fcrften die Psalmen unbestritten zu den Kernteilen nicht nur des Alten Testaments, sondern dar\u00fcber hinaus der ganzen Bibel geh\u00f6ren.<br \/>Und wieder: &#8222;Wohl dem, der deine Kinder packt und sie am Felsen zerschmettert&#8220;: das gro\u00dfe Ausma\u00df an Gewalt- und Rachebed\u00fcrfnis, verbunden mit egozentrischer Selbstgerechtigkeit, das sich in den Psalmen \u00e4u\u00dfert. Die in den Psalmen offenbar werdende, teilweise enthusiastische Bejahung der Gewalt gegen ethnische Feinde und des (Vernichtungs-)Krieges. (Ps. 2; 7-9), (Ps. 3;9), (Ps. 18, 38, 39, 41-43, 47, 48), (Ps. 21), (Ps. 44;6), (Ps. 47; 4), (Ps. 56; 8), (Ps. 72; 8, 9), (Ps. 82; 10, 11), (Ps. 106; 34), (Ps. 110;1, 3 u. 4, 5, 6), (Ps. 135; 1, 3, 8, 10, 21), (Ps. 136; 1, 4, 10), (Ps. 137; 8, 9), (Ps. 144; 1), (Ps. 149; 5-9)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Faszination des biblischen Gottes und seiner Anh\u00e4nger f\u00fcr (vergossenes) Blut<\/strong><br \/>(Ex. 24; 4-6, 8), (Lev. 17; 11), (Jes. 34; 1-8)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Res\u00fcmee: In den Kernb\u00fcchern des Alten Testaments, wird mit Normabweichung (S\u00fcnde) unmenschlich umgegangen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Fazit: Es zeigt sich insgesamt eine weitgehend durchg\u00e4ngige Einstellung, normabweichendes Verhalten durch barbarische Strafen bis hin zur physischen Vernichtung oder durch deren Androhung zu &#8222;bew\u00e4ltigen&#8220; (f\u00fcrwahr ein g\u00f6ttlich-moralisches Modell!). Dass diese Einstellung nicht nur vereinzelt vertreten wird, sozusagen eine &#8222;Panne&#8220; oder einen &#8222;Betriebsunfall&#8220; darstellt, sondern weitgehenst die hier herangezogenen Kernb\u00fccher des Alten Testaments kennzeichnet, d\u00fcrfte die F\u00fclle der aufgef\u00fchrten &#8211; durchaus noch vermehrbaren &#8211; Zitate gezeigt haben. Ihr argumentatives Gewicht gegen die Bibel als Normquelle g\u00f6ttlichen Ursprungs, als einem heutigen Menschen mit auch nur bescheidenen humanen ethischen Standards noch zumutbare &#8222;g\u00f6ttliche Offenbarung&#8220;, wird auch durch die ebenfalls zu findenden, wenngleich insgesamt eher zur\u00fccktretenden human oder ethisch positiv zu bewertenden Stellen nicht aufgehoben: Es w\u00e4re psychologisch ganz unwahrscheinlich, dass die Bibel gerade als&nbsp;<em>menschliches<\/em>&nbsp;Produkt oder Ergebnis einer Projektion menschlicher Zust\u00e4ndigkeiten und Weltinterpretationen in ein h\u00f6heres Wesen, eben Gott, ethisch und human nur negativ zu beurteilende Aussagen enthielte.<br \/>Aber: Ein Buch, das den Anspruch erhebt, eben nicht nur menschlichen Ursprungs, sondern (gar in &#8222;allen ihren Teilen&#8220;) g\u00f6ttlich inspirierter Basistext und letzte Leitlinie und Instanz ethisch-moralischen und religi\u00f6sen Denkens und Handelns zu sein, darf nicht in diesem gro\u00dfen Ausma\u00df exzessiv inhuman-archaische Projektionen, Modelle und Leitbilder enthalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Das Neue Testament:<\/p>\n\n\n\n<p>Da das Neue Testament sich zur Zeit seiner Entstehung an eine gesellschaftliche Minderheit, an eine Art Sekte wandte, richtet sich die ebenfalls in nicht geringem Ausma\u00df zu findende Gesinnung der Gewaltt\u00e4tigkeit und das viele Teile des Neuen Testaments bestimmende intensive Strafbed\u00fcrfnis vor allem gegen Anders-, Ungl\u00e4ubige und (nach eigenen Standards) &#8222;Sittenlose&#8220;.<br \/>Immerhin stellt Christus in der Offenbarung des Johannes, einem wie wenige andere gewaltt\u00e4tigen Buch, als offenbar erstrebenswerte Belohnung in Aussicht: &#8222;Wer siegt und bis zum Ende an den Werken festh\u00e4lt, die ich gebiete, dem werde ich Macht \u00fcber die V\u00f6lker geben. Er wird \u00fcber sie herrschen mit eisernem Zepter und sie zerschlagen wie Tongeschirr (und ich werde ihm diese Macht geben wie auch ich sie von meinem Vater empfangen habe&#8230;&#8220;) (Offb. 2;26-28)<br \/>Krieg, das &#8222;gegenseitige Abschlachten&#8220;, wird als himmlisch angeordnetes und verursachtes Handeln wie selbstverst\u00e4ndlich offensichtlich auch hier im Neuen Testament bedenkenlos akzeptiert. &#8222;Als das Lamm das zweite Siegel \u00f6ffnete, h\u00f6rte ich das zweite Lebewesen rufen: &lt;Komm!&gt; Da erschien ein anderes Pferd, das war feuerrot. Und der, der auf ihm sa\u00df,&nbsp;<em>wurde erm\u00e4chtigt<\/em>, der Erde den Frieden zu nehmen,&nbsp;<em>damit die Menschen sich gegenseitig abschlachten<\/em>. Und es wurde ihm ein gro\u00dfes Schwert gegeben&#8220; (Offb. 6;3,4)<br \/>Das in Verk\u00fcndigung und Kunst verbreitete Motiv der apokalyptischen Reiter wurde immer vornehmlich als Angst- und Drohinhalt eingesetzt, die ethische Provokation, die das darin implizierte Gottesbild darstellt, offenbar nicht gesehen oder unterdr\u00fcckt.<br \/>Wie selbstverst\u00e4ndlich (und wie sadistisch ausmalend) kriegerische Gewaltt\u00e4tigkeiten auch neutestamentlich gegen Feinde und Anders- oder Nichtgl\u00e4ubige als Mittel der Wahl propagiert wird, zeigt schlie\u00dflich (auch wenn m\u00f6glicherweise&nbsp;<em>nur<\/em>&nbsp;&#8222;bildhaft&#8220; zu verstehen) folgende Stelle: &#8222;Dann sah ich den Himmel offen, und siehe, da war ein wei\u00dfes Pferd, und der, der auf ihm sa\u00df, hei\u00dft &lt;der Treue und Wahrhaftige&gt;;&nbsp;<em>gerecht<\/em>&nbsp;richtet er und&nbsp;<em>f\u00fchrt<\/em>&nbsp;er Krieg&#8230;, bekleidet war er mit einem&nbsp;<em>blutgetr\u00e4nkten Gewand<\/em>, und sein Name hei\u00dft &lt;das Wort Gottes&gt;. Die Heere des Himmels folgten ihm auf wei\u00dfen Pferden; ..aus seinem Mund kam ein scharfes Schwert;&nbsp;<em>mit ihm wird er die V\u00f6lker schlagen<\/em>. Und er herrscht \u00fcber sie mit eisernem Zepter, und er tritt die Kelter des Weines, des r\u00e4chenden Zornes Gottes&#8230; Dann sah ich einen Engel, der in der Sonne stand. Er rief mit lauter Stimme allen V\u00f6geln zu, die hoch am Himmel flogen: &lt;Kommt her! Versammelt euch zum gro\u00dfen&nbsp;<em>Mahl Gottes<\/em>.&nbsp;<em>Fre\u00dft Fleisch<\/em>&nbsp;von K\u00f6nigen, von Heerf\u00fchrern und von Helden, Fleisch von Pferden und ihren Reitern,&nbsp;<em>Fleisch von allen, von Freien und Sklaven, von Gro\u00dfen und Kleinen<\/em>!&gt; Dann sah ich das Tier und die K\u00f6nige der Erde und ihre Heere versammelt, um mit dem Reiter und seinem Heer Krieg zu f\u00fchren. Aber das Tier wurde gepackt und mit ihm der falsche Prophet,&#8230;&nbsp;<em>bei lebendigem Leib<\/em>&nbsp;wurden beide in den See von brennendem Schwefel geworfen. Die \u00fcbrigen wurden get\u00f6tet mit dem Schwert, das aus dem Mund des Reiters kam; und&nbsp;<em>alle V\u00f6gel fra\u00dfen sich satt an ihrem Fleisch<\/em>&#8220; (Offb. 19;11,13-15, 17-21).<br \/>Die Ungl\u00e4ubigen, &#8222;abscheuliche Menschen, die zu nichts Gutem taugen&#8220;: Intoleranz, lieblose und extrem abwertende Beschreibung von Andersgl\u00e4ubigen und (Wunsch-) Phantasien \u00fcber ihre Vernichtung und Bestrafung im Neuen Testament.<br \/>&#8222;Wer glaubt und sich taufen l\u00e4sst, der wird gerettet;&nbsp;<em>wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden<\/em>&#8220; (Mk. 16;16)<br \/>Soweit das nach Ansicht vieler theologischer und nichttheologischer Verteidiger ethisch so weit h\u00f6her stehende Neue Testament.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. Die unl\u00f6sbare Legierung positiv-humaner (Liebesgebot) mit gewaltt\u00e4tig-grausamen Einstellungsmomenten gegen\u00fcber abweichendem oder &#8222;s\u00fcndigem&#8220; Verhalten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wird das Alte Testament durch das Neue Testament eventuell &#8222;aufgehoben&#8220;, &#8222;geheilt&#8220;&#8220;, &#8222;\u00fcberholt&#8220; (f\u00fcr ein &#8222;Gotteswort&#8220; eigentlich eine Unm\u00f6glichkeit, aber denken wir einmal diese theologische Unm\u00f6glichkeit)? Gibt es nicht doch fundamentale Unterschiede zwischen Altem und Neuem Testament, was den Umgang mit normabweichendem Verhalten, mit Frevlern, S\u00fcndern, usw. angeht?<br \/>Die \u00dcberpr\u00fcfung wesentlicher neutestamentarischer Aussagen im Hinblick auf diese Frage zeigt, dass auch die in diesem Zusammenhang zitierbaren und immer wieder zitierten positiven Aussagen zum Verzeihen und zur Feindesliebe eng gekoppelt und eingebunden sind in einen sich ganz folgerichtig aus dem alttestamentarischen Gottesverst\u00e4ndnis ergebenden Hintergrund der gewaltt\u00e4tigen Bestrafung des S\u00fcnders, die gipfelt in der nicht mehr \u00fcberbietbaren exzessiven Strafe der&nbsp;<em>ewigen<\/em>&nbsp;H\u00f6llenqualen f\u00fcr teilweise auch relativ geringe zeitliche Vergehen.<br \/>Dass auch die Interpretation des Kreuztodes als S\u00fchneopfer und Erl\u00f6sungstat,&nbsp;<em>das<\/em>&nbsp;zentrale Ereignis f\u00fcr alle christlich-biblischen Religionen, \u00fcberhaupt nur auf dem Hintergrund eines auf Strafe bedachten gewaltt\u00e4tigen alttestamentarischen Gottes psychologisch erkl\u00e4rbar wird, finde ich emp\u00f6rend.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. Die Lehre des Jesu der synoptischen Evangelien von den ewigen H\u00f6llenstrafen.<\/strong><br \/><strong>Seine h\u00e4ufig \u00fcbersehene Neigung zu einer undifferenzierten Leistungsethik und entsprechend gewaltt\u00e4tigen Bestrafungspraktiken.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jesus f\u00fchrt eine f\u00fcr das Neue Testament spezifische Strafvorstellung ein, n\u00e4mlich von der ewigen H\u00f6llenstrafe, eine Strafandrohung, deren&nbsp;<em>unheilvolle, psychisch verheerende Wirkung in der Geschichte des Christentums auf unz\u00e4hlige Menschen gar nicht \u00fcbertrieben werden kann<\/em>.<br \/>Man versuche, sich von aller Gew\u00f6hnung durch religi\u00f6se Erziehung einmal frei und sich hier klarzumachen, was eine Drohung mit&nbsp;<em>ewig dauernden extremen Qualen<\/em>&nbsp;psychologisch bedeuten mu\u00df; dagegen verblassen alle sonst bekannten Folterungen und Strafen, weil diese immerhin zeitlich endlich sind. Bei aller Anerkennung der positiven Z\u00fcge Jesu (und bei aller Schonung der Gef\u00fchle der Gl\u00e4ubigen): Kann ein ethisch und religi\u00f6ser Lehrer, der solche Strafandrohungen wie selbstverst\u00e4ndlich heranzieht und mit ihnen umgeht, der solche Strafphantasien offenbar unproblematisch akzeptiert oder entwickelt, kann ein solcher Mann heute nicht als Verk\u00f6rperung des absoluten Guten, der absoluten Liebe, als Gott verk\u00fcndet werden?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3. &#8222;Ohne dass Blut vergossen wird, gibt es keine Vergebung&#8220;: Die eindeutig-klare neutestamentliche Interpretation des Kreuztodes Jesu als S\u00fchneopfer setzt das alttestamentarische archaisch-inhumane Gottesbild voraus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(Hebr. 9; 11-15, 18-22, 26, 28 u. 10; 19, 20), (Offb. 5; 9), (R\u00f6m. 5; 6, 9, 10), etc.<br \/>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die absolute Willk\u00fcr des biblischen Gottes und die Forderung nach bedingungslos-rechtloser Unterwerfung des zum Guten aus eigener Kraft unf\u00e4higen, die ewige Verdammnis verdienenden Menschen unter die v\u00f6llig frei-ungebundene Gnade Gottes<\/p>\n\n\n\n<p>Neben den schon bislang deutlich gewordenen problematischen Eigenschaften des biblischen Gottes, seiner Gewaltt\u00e4tigkeit, Grausamkeit, seinem Gefallen an vergossenem Blut, seiner Eifersucht, usw. scheint auch gerade unter psychologischen Aspekten seine an keine vorgegebenen Normen gebundene Willk\u00fcr gef\u00e4hrlich im Hinblick auf eine ad\u00e4quate psychische Entwicklung.<br \/>Der biblische Gott, alt- wie neutestamenarisch, verh\u00e4rtet und verschlie\u00dft die Herzen der Menschen, damit er sie anschlie\u00dfend bestrafen und schlagen kann (Ex. 4; 21, u. 10, 1, 20, u.a.):<br \/>&#8222;Gott l\u00e4\u00dft sie der Macht des Irrtums verfallen, so da\u00df sie die L\u00fcge glauben; denn alle m\u00fcssen gerichtet werden, die nicht der Wahrheit geglaubt, sondern die Ungerechtigkeit geliebt haben&#8220;<br \/>(2 Thess. 2; 11, 12).<br \/>Der Willk\u00fcr dieses biblischen Gottes, auch neutestamentlichen Gottes, der liebt und ha\u00dft, verstockt macht, wen er will, und sich erbarmt, wessen er will, wird das entsprechende Menschenbild gegen\u00fcbergestellt, dem eigenes Wollen und Streben nicht n\u00fctzt, der sich vielmehr der &#8222;Vorherbestimmung&#8220;, der &#8222;freien Wahl&#8220; und dem &#8222;Erbarmen Gottes&#8220; wie ein willenloses Tongef\u00e4\u00df auszuliefern und zu unterwerfen hat, dem es nicht zusteht, mit Gott zu rechten, also um Begr\u00fcndung einer Entscheidung zu bitten oder gar Einw\u00e4nde zu machen; vgl. (R\u00f6m. 9; 10-22).<br \/>Die entsprechende alttestamentarische Auffassung vom Verh\u00e4ltnis des Menschen zu Gott &#8211; &#8222;Weh dem, der mit seinem Sch\u00f6pfer rechtet, er, eine Scherbe unter irdenen Scherben. Sagt denn der Ton zu dem T\u00f6pfer: &lt;Was machst du mit mir?&gt; Und zu dem, der ihn verarbeitet: &lt;Du hast kein Geschick&gt;?&#8220; (Jes. 45; 9) &#8211; wird hier ausdr\u00fccklich durch eine der zentralsten Schriften des Neuen Testaments, den R\u00f6merbrief, best\u00e4tigt. Die Kirchengeschichte zeigt auch hier die unerme\u00dflich verh\u00e4ngnisvollen psychischen Auswirkungen dieser Theo- und Anthropologie, gipfelnd und am ausgepr\u00e4gtesten etwa in der an d\u00fcsterer Inhumanit\u00e4t kaum zu \u00fcbertreffenden kalvinistischen Lehre von der absoluten, unbeeinflussbaren Vorherbestimmung des Menschen f\u00fcr ewige Verdammnis oder Seligkeit.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Weiterf\u00fchrende Literatur: <\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/amzn.to\/3vFGIpE\" target=\"_blank\">Franz Buggle &#8211; Denn sie wissen nicht was sie glauben<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/amzn.to\/3MQmCPj\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Karlheinz Deschner &#8211; Kriminalgeschichte des Christentums Band 1<\/a> (10 B\u00e4nde gesamt)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/amzn.to\/3LId7BK\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Karlheinz Deschner &#8211; Abermals kr\u00e4hte der Hahn<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/amzn.to\/3vHyTQm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Karlheinz Deschner &#8211; Opus Diaboli<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/amzn.to\/3vFK0cr\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Hubertus Mynarek &#8211; Die neue Inquisition<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bibel &#8211; in gro\u00dfen Teilen zutiefst inhuman und ethisch nicht vertretbar F\u00fcr mich ist es erschreckend wie f\u00fcr die Bibel, mit diesem Inhalt, letztinstanzliche ethische Verbindlichkeit beansprucht wird. 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