Lexikon - L


L
Labyrinth
Irrgarten, der schon in steinzeitlichen Höhlenmalereien dargestellt wurde. Nach der griechischen Sage ging Theseus in ein L. unter dem Palast des Königs von Kreta, um den Minotaurus zu töten, ein Wesen mit Stierkopf und menschlichem Körper. Ariadne, Tochter des Königs Minos und Schwester des Minotaurus, gab Theseus ein Wollknäuel, mit dessen Hilfe er den Rückweg aus dem L. fand. Zum einen steht das L. für die erschaffene Welt, in der sich der Geist verlaufen hat. Der Weg heraus steht für den Weg der Erkenntnis. Es hat aber auch eine esoterische Bedeutung: Nachdem der Mann (Theseus) das Ungeheuer, die gewalttätigen Begierden, besiegt hat, kann er sich mit Hilfe der Frau (durch Ariadnes roten Faden) aus seiner Unwissenheit befreien. Das erinnert an Vorstellungen der Tantra, nach denen Sexualität göttlich und ihre bewußte Anwendung ein Weg zur Erkenntnis ist.

Lama
(tibetisch "der Obere"), Bezeichnung der Mönche tibetisch-buddhistischer Orden. In den Anfangszeiten des Buddhismus (Buddha) war L. ein Titel, der den Äbten und Lehrern der Mönche zustand. Das weltliche und politische Oberhaupt der tibetischen Buddhisten ist der "Dalai Lama" (eine annähernde Übersetzung ins Deutsche lautet "Ozean der Weisheit"). Nach der Annektion Tibets durch die Volksrepublik China residiert der Dalai Lama im indischen Exil in Ladakh.

Lanz von Liebenfels, Adolf Josef (1874-1954)
War zuerst Mitglied des Mönchordens der Zisterzienser, trat aber aus und gründete den "Ordo Novis Templi" (Orden des Neuen Tempels).
Dieser Orden war sehr völkisch und antisemitisch gesinnt und unterstützte schon recht früh die Nationalsozialistische Bewegung Hitlers. L. war sicherlich einer der ideologischen Köpfe der nationalsozialistischen Esoterik.

Lao Tse
Auch unter den Schreibweisen Lao Tzu, Laozi etc. Nach den heute geltenden Regeln für das Übertragen chinesischer Namen in das Deutsche ist am ehesten Laozi die richtige Schreibweise. L. T. ist einer der wichtigsten Weisheitslehrer und Philosophen Chinas. Seine genaue Lebenszeit ist ungewiß, er lebte im 6. Jahrhundert v. Chr. und war ein Zeitgenosse des Konfuzius. Über die Person des L. T. ist auch nicht viel bekannt, so daß manche Sinologen (Chinakundler) annehmen, daß es eine reale Person namens L. T. nie gegeben hat und daß das berühmte Buch "Tao Te King" (richtige neuere Schreibweise ist Oaodejing) - das Buch vom Tao und vom Te - nicht von ihm stammt, sondern eine Sammlung chinesischer Weisheitssprüche ist, die unter diesem Namen veröffentlicht wurden. L. T., was übersetzt "Alter Meister" heißen soll und somit ein Ehrentitel und kein Familienname ist, war - wenn es ihn gegeben hat - wahrscheinlich Archivar am Hofe der Chou in China. Nach dem Niedergang dieser Familie verließ er deren Hof und zog nach Westen in das Land Ch'in. Dabei mußte er einen hohen Gebirgspaß überschreiten. Auf Bitte des Paßwächters schrieb er dort das "Tao Te King", ein Buch, welches im Chinesischen mehr als fünftausend Worte umfaßt und in zwei Teile unterteilt ist. Nachdem er dies abgeschlossen hatte, begab er sich in das Land Ch'in, wo sich seine Spur verliert. Im "Tao Te King" werden die Grundlagen der Philosophie und der späteren Religion des Taoismus ausführlich dargelegt.

Lapis Philosophorum
Lateinisch für "Stein der Philosophen". Der Begriff stammt aus der Alchemie und bezeichnet den Übergang von Niederem (Materie, Selbst) zu den höheren Aspekten des Gegenstandes.

Lavater, Johann Kaspar (1741-1801)
Schweizerischer Pfarrer und Schriftsteller. Bekannt wurde er durch sein Buch "Physiognomische Fragmente zur Menschenkenntnis und Menschenliebe" (1778). In diesem Buch versucht L. nachzuweisen, daß vom Aussehen eines Menschen, vor allem von der Form seines Gesichts, Rückschlüsse auf dessen Wesen und Charakter zu ziehen sei (Physiognomik). Auf seine Zeitgenossen hatte dieses Buch, an dem auch Johann Wolfgang von Goethe mitarbeitete, einen sehr großen Einfluß.

Laya
Ausdruck aus dem indischen Sanskrit, der übersetzt "Auflösung" bedeutet. Hiermit wird der Punkt bezeichnet, an dem sich der geoffenbarte Teil des Universums mit dem nichtgeoffenbarten Teil trifft. An diesem Ort herrscht absolutes Gleichgewicht und vollkommene Ruhe.

Leadbeater, Charles Webster (1847-1934)
War zuerst Priester der Anglikanischen Kirche in England, verließ diese aber später und schloß sich der Theosophischen Gesellschaft (Theosophie) an, die er dann später gemeinsam mit Annie Besant leitete. L. war auch einer der Hauptinitiatoren der Vorgänge um Krishnamurti. In einigen seiner Bücher behauptet L. u. a., daß Jesus und Christus nicht ein und dieselbe Person waren, sondern zwei völlig getrennte Menschen. Das berühmteste Buch L.'s ist seine Abhandlung über die Chakren. L. mußte sich mehrmals gegen den Vorwurf des sexuellen Kindesmißbrauchs und der Homosexualität zur Wehr setzen. Auch die Art und Weise, wie er Krishnamurti erzog, gab teilweise Anlaß zu diesem Verdacht.

Leary, Timothy (1920-1996)
Amerikanischer Psychologe. Bekannt wurde L. durch die Experimente, die er mit halluzinogenen Drogen, vor allem LSD, in den sechziger Jahren unternahm. Dies brachte L. in Konflikt mit der amerikanischen Gesellschaft und den Gesetzen gegen Drogenmißbrauch. Er wurde wegen Drogenbesitz zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, floh aber aus dem Zuchthaus und hielt sich dann mehrere Jahre in Algier und der Schweiz auf. In den achtziger Jahren wurde er begnadigt und konnte in die USA zurückkehren. L. vertrat die Ansicht, daß die Erfahrungen, die man unter dem Einfluß von LSD mache, die gleichen seien, die religiöse Mystiker zu allen Zeiten gemacht hätten. Folglich gab er dem LSD den Rang eines Sakraments, das zu Bewußtseinsveränderung führe. In den letzten Jahren seines Lebens beschäftigte sich L. kaum noch mit Drogen, sondern mit der von ihm geschaffenen Exopsychologie und mit der Möglichkeit, Bewußtseinsveränderungen mit Hilfe von Computern zu erzeugen.

Lebensbaum
siehe Kabbala

Lebenselexier
In der Alchemie bezeichnet man damit einen Teil des Steins der Weisen oder eine Substanz, die zu seiner Herstellung notwendig ist. Das L. soll ewiges Leben ermöglichen oder den Menschen nach Einnahme des Elixiers wenigstens verjüngen.

Leberschau
Eine Wahrsagemethode, die bei vielen Völkern und Kulturen eine sehr große Rolle spielte. Die Leber eines geopferten Tieres wurde von einem hierfür ausgebildeten Priester herausgenommen. Nach der Form und dem Aussehen des Organs wurden dann Prognosen für die Zukunft gestellt.

Lectorium Rosicrucianum
Lateinisch, bedeutet ungefähr so viel wie "Rosenkreutzerische Vorlesungen" (Rosenkreutzer). Gegründet wurde diese Organisation von dem 1968 verstorbenen Niederländer H. Heene, der aber vor allem unter seinem Pseudonym Jan van Rijkenborgh bekannt wurde. Anfang der fünfziger Jahre traten niederländische Mitglieder der von Max Heindel gegründeten Rosenkreutzergemeinschaft aus dieser aus und unterstützten Rijkenborgh bei der Neugründung des L. R. Die Lehren der neuen Organisation stammen ausschließlich von Rijkenborgh. Mitglieder des L. R. müssen sich danach einer strengen Disziplin unterwerfen, sie dürfen weder Kaffee oder Tee noch Alkohol trinken. Auch Tabak, Fernsehen und Radio sind verboten, und als Lektüre sind ausschließlich die Bücher Rijkenborghs erlaubt. Das L. R. ist heute in Deutschland sehr aktiv und hat in mehreren Städten Gruppen, die regelmäßig kostenlose Vortragsabende anbieten, um dadurch neue Mitglieder zu werben. Inhaltlich sind die Lehren des L. R. die übliche Mischung aus Theosophie, einer besonderen Art der Interpretation des Christentums, und den üblichen, den Rosenkreutzern zugeschriebenen Lehren, die vor allem im 19. Jahrhundert geschaffen wurden.

Leere
In vielen religiösen Systemen die höchste und letztendlichste Instanz und Realität. Aus ihr kommen alle Dinge, und zu ihr kehren alle Dinge zurück. Die Leere verfügt über das Potential zur Schöpfung, d. h., schon der Plan der gesamten Schöpfung enthalten (Chaos). Ziel des Buddhismus (Buddha) ist es, daß die Gläubigen letztendlich wieder in die Leere eingehen. Dort erst wird der Zyklus der Wiedergeburten unterbrochen.

Lehrling
Der erste Grad der Freimaurerei.

Lekve, Friedrich (1904-1956)
Nach dem Tod Crowleys der Großmeister des Ordo Templi Orientis (OTO). Eine Zeitlang war er Oberbürgermeister von Hildesheim.

Leland, Charles Godfrey (1824-1903)
Amerikanischer Forscher, der auf dem Gebiet der Hexerei arbeitete. L. behauptete, in Italien mit einem Hexenkult in Kontakt gekommen zu sein, der dort schon seit der Zeit des antiken Rom bestanden haben soll. Die Mitglieder dieses Kultes hätten immer denselben bestimmten Familien angehört, so daß die Lehren nur innerhalb eines kleinen Kreises von Eingeweihten weitergegeben worden seien. Der Hexenkult, den L. in Italien kennengelernt haben will, verehrte angeblich die römische Göttin Aradia, eine Tochter der Diana. L.'s Buch "Aradia - The Gospel of the Witches" (Aradia - das Evangelium der Hexen) ist eines der Standardwerke des neueren Hexentums (Wicca).

Lemegeton
Ein Zauberbuch, das angeblich aus dem Mittelalter stammen soll. Es spricht aber einiges dafür, daß dieses Buch erst zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt verfaßt wurde (im 17. Jahrhundert). Der Inhalt des L. gilt als schwarzmagisch (Schwarze Magie), da es Anweisungen zur Beschwörung böser Dämonen sowie Zaubersprüche beinhalten soll, die zur Kategorie des Schadenszaubers zählen.

Lemuren
Im alten Rom der Name für die Totengötter. Später wurden so die Geister der Toten bezeichnet, die auf Grund ihres üblen Lebens auf der Erde spuken und den Lebenden Böses wollen.

Lemuria
Name des angeblich untergegangenen Kontinents aus der frühen Erdgeschichte, den Geologen im Indischen Ozean vermuteten. Diese Theorie wurde inzwischen als falsch erkannt und aufgegeben. Manche Esoteriker aber, vor allem die Theosophen (Theosophie) hatten sich die Vorstellung nachhaltig zu eigen gemacht und glaubten nun an einen neuen untergegangenen Kontinent wie Atlantis, der natürlich auch angeblich von einer hochzivilisierten Rasse bewohnt gewesen sein soll und wie Atlantis in einer Sintflut unterging. Laut den Lehren der Theosophie ging L. 24000 Jahre vor Atlantis unter.

Leo
Lateinischer Name des fünften Tierkreiszeichens Löwe.

Leo, Alan (1860-1917)
Bekannter englischer Astrologe. Er war Mitglied der Theosophischen Gesellschaft (Theosophie) und Gründer der Astrologischen Loge der Theosophischen Gesellschaft. Seine "Astrologischen Lehrbücher" (mehrere Auflagen) und das Buch "Esoterische Astrologie" (1927, Neuauflage 1978) gelten als Klassiker auf diesem Gebiet.

León, Moses ben Schem Tov de
Spanisch-jüdischer Kabbalist des 13. Jahrhunderts, Autor des Sohar (Kabbalah).

Levi, Eliphas (1810-1875)
eigentlich Alphonse-Louis Constant. Sein Pseudonym ist die hebräische Übersetzung seines Namens. Eigentlich wollte L. katholischer Priester werden und begann auch die Ausbildung. Doch wegen seiner unkonventionellen Ansichten, Verstöße gegen das Gebot des Zölibats, also der Verpflichtung zur Ehelosigkeit bei Priestern, wurde er von der Kirche vom Priesteramt ausgeschlossen. Trotzdem hörte er nie auf, sich als Priester zu verstehen. Er widmete sich der Esoterik und schrieb zahllose Bücher zu diesem Thema. Er verfügte über gründliche Kenntnisse der jahrtausendealten Tradition und hatte das Talent, in seinen Büchern auch schwierige Themen relativ leicht verständlich darzustellen. Auch bemühte er sich, Ordnung in die vielen, teils widersprüchlichen esoterischen Schulen zu bringen. So erlangte er große Berühmtheit und wurde einer der Vordenker des modernen Okkultismus. Er führte übrigens das Wort Okkultismus in den allgemeinen Sprachgebrauch ein. L. teilt das Schicksal vieler moderner Esoteriker und Magier: Zahllose teils verleumderische Lügen wurden über ihn verbreitet, selbst Biographien sind kaum verläßlich. L. hatte Beziehungen zu sehr vielen esoterischen, rosenkreutzerischen (Rosenkreutzer) und freimaurerischen (Freimaurerei) Organisationen seiner Zeit. In einigen war er auch Mitglied. So hatte er Kontakte zu H. P. Blavatsky und zur SRIA, einer Vorläuferorganisation des Hermetischen Ordens der Goldenen Morgendämmerung. Den größten Einfluß auf dem Gebiet der Magie hatte wohl sein Buch "Dogma et Ritual de la Haute Magie" (Dogma und Ritual der Hohen Magie), das in Deutschland zuerst 1927 unter dem Titel "Transzendentale Magie" erschien. 1975 wurde eine Neuauflage publiziert. Dieses Buch ist in zwei Bände unterteilt - Dogma und Ritual. Jeder Band enthält 22 Kapitel, von denen jedes einem hebräischen Buchstaben zugeordnet ist. L. unternahm auf diese Weise den Versuch, die 22 Trümpfe des Tarot den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets zuzuordnen. Gemeinsam mit Bulwer-Lytton beschwor L. in seinen Werken den Geist des Apollonius von Tyana. Der englische Magier Aleister Crowley behauptete, eine Wiedergeburt L.'s zu sein. So übersetzte er eines seiner Bücher ("Der Schlüssel zu den Großen Mysterien") als eine Gradarbeit für die Goldene Morgendämmerung aus dem Französischen ins Englische. L. hat etwa zweihundert weitere Bücher über Esoterik und Magie geschrieben, von denen die allermeisten aber in Vergessenheit geraten sind. Die wichtigsten Bücher, die auch auf deutsch erhältlich sind: Geschichte der Magie, Der Schlüssel zu den großen Mysterien, Transzendentale Magie.

Leviathan (hebräisch)
Ein Seeungeheuer (riesige Seeschlange, Urdrache oder Krokodil), das an mehreren Stellen im Alten Testament erwähnt wird (z. B. in den Psalmen).

Ungeheuer aus der Mythologie der Phönizier, ähnlich einer Schlange oder einem Drachen, manchmal auch als Seeungeheuer beschrieben, in manchen Geschichten identisch mit Tiamat. Im Alten Testament taucht er mehrfach auf; Jahwe hat ihn besiegt oder wird es am Tag der Apokalypse tun: »Du hast dem Leviatan die Köpfe zerschlagen und ihn zum Fraß gegeben dem wilden Getier.« (Psalm 74,14) - »Zu der Zeit wird der Herr heimsuchen mit seinem harten, großen und starken Schwert den Leviatan, die flüchtige Schlange, und den Leviatan, die gewundene Schlange, und wird den Drachen im Meer töten.« Oesaja 27,1) - Bei Hiob wird der Leviathan genauer beschrieben: »Es sollen sie verfluchen, die einen Tag ver- fluchen können, und die da kundig sind, den Leviatan zu wecken! [gemeint sind Zauberer und Magier, FS]« (Hiob 3,8) -«Kannst du den Leviatan fangen mit der Angel und seine Zunge mit einer Fangschnur fassen?« (40,25) - »Siehe, jede Hoffnung wird an ihm zuschanden; schon wenn einer ihn sieht, stürzt er zu Boden. Niemand ist so kühn, daß er ihn zu reizen wagt. Wer ist denn, der vor mir bestehen könnte? Wer kann mir entgegentreten und ich lasse ihn unversehrt? Unter dem ganzen Himmel ist keiner! Ich will nicht schweigen von seinen Gliedern, wie groß, wie mächtig und wohlge- schaffen er ist. Wer kann ihm den Panzer ausziehen, und wer darf es wagen, ihm zwischen die Zähne zu greifen? Wer kann die Tore seines Rachens auftun? Um seine Zähne herum herrscht Schrecken. Stolz stehen sie wie Reihen von Schilden, geschlossen und eng aneinandergefügt. Einer reiht sich an den andern, daß nicht ein Lufthauch hindurchgeht. Es haftet einer am andern, sie schließen sich zusammen und lassen sich nicht trennen. Sein Niesen läßt Licht aufleuchten; seine Augen sind wie die Wimpern der Morgenröte. Aus seinem Rachen fahren Fackeln und feurige Funken schießen heraus. Aus seinem Nüstern fährt Rauch wie von einem siedenden Kessel und Binsenfeuer. Sein Odem ist wie lichte Lohe, und aus seinem Rachen schlagen Flammen. Auf seinem Nacken wohnt die Stärke und vor ihm tanzt die Angst. Die Wampen seines Fleisches haften an ihm, fest angegossen, ohne sich zu bewegen. Sein Herz ist so hart wie ein Stein und so fest wie der untere Mühlstein. Wenn er sich erhebt, so entsetzen sich die Starken, und vor Schrecken wissen sie nicht aus noch ein. Trifft man ihn mit dem Schwert, so richtet es nichts aus, auch nicht Spieß, Geschoß und Speer. Er achtet Eisen wie Stroh und Erz wie faules Holz. Kein Pfeil wird ihn verjagen; die Schleudersteine sind ihm wie Spreu. Die Keule achtet er wie einen Strohhalm; er spottet der sausenden Lanze. Unter sei- nem Bauch sind scharfe Spitzen; er fährt wie ein Dreschschlitten über den Schlamm. Er macht, daß die Tiefe brodelt wie ein Topf; und rührt das Meer um, wie man Salbe mischt. Er läßt hinter sich eine leuchtende Bahn; man denkt, die Flut sei Silberhaar. Auf Erden ist nicht seinesgleichen; er ist ein Geschöpf ohne Furcht. Er sieht allem ins Auge, was hoch ist; er ist König über alle stolzen Tiere.« (41,1-26) - Im Mittelalter galt der Leviatan vielen als eine Personifikation des Teufels.

Levitation
Lateinisch: Levis, leicht an Gewicht.
Levitation bedeutet, ein Mensch verliert die Erdenschwere und beginnt entgegen allen Gesetzen der Physik zu schweben.

Abgeleitet vom lateinischen Wort für Leichtigkeit (Ievitas), bezeichnet die angebliche Fähigkeit, selbst zu schweben oder Dinge schweben lassen zu können. Manchen Magiern, zauberern und Heiligen wird diese Kunst zugeschrieben, auch die indischen Fakire sollen sie beherrschen. In Indien bezeichnet man diese Fähigkeit als Siddhi. Bei ernsthaft Suchenden gilt sie dort als eine Art Nebenprodukt, das auf dem Wege zur Vervollkommnung erreicht wird, dem aber nicht viel Beachtung beizumessen sei. Vor einigen Jahren machten die Anhänger des indischen Lehrers Maharishi Mahesh Yogi von sich reden, als sie Kurse anboten, in denen man für den Betrag von ungefähr 10 000 DM das Fliegen erlernen können sollte. Tatsächlich entpuppte sich aber der Lernerfolg als die gymnastische Fertigkeit, im Schneidersitz hüpfen zu können.

Lewis, Harvey Spencer (1883-1936)
Gründer und Leiter des AMORC.

Ley-Linien
Der Brite Alfred Watkins glaubte sie in den zwanziger Jahren entdeckt zu haben. Die L. sollen unsichtbare Linien sein, die alte Kultstätten miteinander verbinden, z. B. in England Stonehenge mit der Abtei Glastonbury. Die L. haben angeblich eine übernatürliche Kraft und Energie, die von Menschen mit besonderer Begabung wahrgenommen werden kann. Einige Ufoforscher behaupten, daß diese L. Orientierungspunkte für UFOs sind (Feng Shui).

Libation
Anderes Wort für Trankopfer. Es werden einige Tropfen eines Getränkes ausgegossen und dabei wird eine Weiheformel für den betreffenden Gott oder die betreffende Göttin gesprochen.

Libra
Lateinischer Name des siebten Tierkreiszeichens Waage.

Licht
Spielt in fast allen Religionen und Kulten eine große Rolle. Oft wird es mit Gott oder der Erleuchtung gleichgesetzt oder als die Quelle der Weisheit und Liebe angesehen. Im Totenbuch der tibetischen Buddhisten wird der Verstorbene, wenn er sich im Zustand zwischen Leben und Wiedergeburt befindet, aufgefordert, das "weiße Licht" zu suchen und sich durch nichts davon ablenken zu lassen. Wenn er es gefunden hat, ist er vom Zyklus der Wiedergeburt erlöst.

Lichtkörper
siehe Astralkörper

Lila
Sanskritwort, bezeichnet das Spiel des Lebens, welches der indische Gott Shiva spielt. Die Welt, die die Menschen kennen, entsteht durch das Spiel und den Tanz Shivas.

Lilith
Im alten Testament ein weiblicher Nachtdämon, der Menschen überfällt und vor allem neugeborenen Kindern gefährlich wird. L. symbolisiert die dunkle, unheimliche Seite der Frau. Nach einer alten Überlieferung, auf die auch Goethe im Faust zurückgriff, war sie die erste Frau Adams. Da sie aber beim Beischlaf nicht unten liegen wollte und auch sonst recht selbstbewußt war, wurde sie verstoßen. Gott schuf dann aus Adams Rippe eine folgsame Frau, die sich unterordnete - Eva. Es geht die Sage, daß das nachfolgende Menschengeschlecht aber in Wahrheit von L. abstamme.

Lilith, Lilitu, Lilu, Lilitu war eine sumerische und babylonische kindermordende und blutsaugende Sturmdämonin, Vorfahrin der Vampire mit kannibalistischen (anthropophagen) Zügen. Ihr männliches Pendant hieß Lilu. Im Alten Testament (Jesaja 34,14) taucht sie als ruinenbewohnendes »Nachtgespenst« auf. Im babylonischen Talmud wird dann die Dämonin Lilith beschrieben, mit langen Haaren und Flügeln, die Männer tötet, die allein in einem Haus schlafen. Nach einer bekannten jüdischen Sage war Lilith Adams erste Frau, wie er aus Staub erschaffen, also ihm gleichwertig. Sie verweigerte ihm die Unterordnung (sprich: das Unter-ihm-Liegen) und wurde dadurch zur Dämonin und Kindermörderin. Nach Überlieferungen des Talmud sollen sowohl Lilith wie auch Adam »nach ihrer Trennung mit Teufeln bzw. Teufelinnen Unzucht getrieben haben, Adam übrigens 130 jahre lang, bis Gott ihm Eva schafft. Aus diesen Aktivitäten entstehen Schreckgeister und Dämonen aller Arten. Und die Schönste der Teufelinnen heißt Naema, die mit ihrem Bruder Thubal-Cain aus Cains Seele gebildet wurde, und diese Naema gilt als die eigentliche Mutter aller Buhlteufel.« (Hans Freimark: »Okkultismus und Sexualität«) Besonders plastisch wird die Geschichte geschildert in dem »Alphabet des ben Sira« aus dem 9. oder 10. Jahrhundert, das im Mittelalter weite Verbreitung fand: »Als Gott Adam erschuf, sagte er: Es ist nicht gut, daß der Mensch alleine sei. Daher erschuf er für ihn eine Gehilfin aus der gleichen Erde und nannte sie Lilith. Sobald sie geschaffen war, begann sie einen Streit und sagte: Weshalb sollte ich unten liegen? Ich bin ebenso viel wert wie du, wir sind beide aus Erde geschaffen. Als aber Lilith sah, daß sie Adam nicht überwältigen konnte, sprach sie den unaussprechlichen Gottesnamen aus und flog in die Luft. Adam betete und sagte: Herr der Welt. Die Frau, die du mir gegeben hast, ist von mir weggegangen. Darauf sandte Gott drei Engel, die sie zurückbringen sollten. Diese sagten zu ihr: Gott hat beschlossen: Wenn du zurückkehren willst, ist es gut. Wenn nicht, dann mußt du als Strafe auf dich nehmen, daß jeden Tag hundert Kinder von dir sterben. Die Engel suchten Lilith und fanden sie im reißenden Wasser, in demselben Wasser, in dem später die Ägypter ertrinken sollten. Sie meldeten ihr den göttlichen Befehl. Aber sie weigerte sich zurückzukehren. Da sagten sie zu ihr: Wir müssen dich in diesem Wasser ertränken. Aber sie bat und sagte: Laßt mich, denn ich bin dazu geschaffen worden, kleine Kinder zu verderben. Wenn es ein Knabe ist, werde ich acht Tage, wenn es ein Mädchen ist, werde ich zwanzig Tage Gewalt über das Kind haben. Als sie ihre Worte hörten, drängten sie noch mehr, daß sie ihnen gehorche. Da sagte sie: Ich schwöre euch im Namen des lebendigen und großen Gottes: Wenn ich eure Namen auf einem Amulett geschrieben sehen werde, dann werde ich das Kind nicht schädigen. Sie nahm es auch auf sich, daß jeden Tag hundert ihrer Kinder starben. Wenn wir jetzt diese Namen auf ein Amulett schreiben, dann erinnert sie sich dieses Schwures und das Kind ist gerettet. Die Namen der Engel sind: Sanvai, Sansanvai und Semangloph.« (zitiert nach Siegmund Hurwitz: »Lilith, die erste Eva«, Zürich 1980) Lilith spielt spätestens seither in der jüdischen Magie eine wichtige Rolle wie auch in der Kabbalah und im Zohar. Sie erwürgt des Nachts Kinder (wenn Kinder im Schlaf lachen, spielt sie mit ihnen!), eignet sich als Succubus den männlichen Samen an, tötet die Männer oder macht sie krank. Im »Sefer Chassidim« (um 1200) sitzt sie als lauerndes Gespenst auf Bäumen, von deren Zweigen dann Blut tropft. Lilith verkörpert sowohl männliche Ängste (Verweigerung gegenüber männlicher Dominanz, Bedrohung der Potenz) wie auch weibliche, etwa die vor der Aggression gegen das eigene Kind oder die vor Sexualität und der lebensbedrohenden Mutterschaft. Heute ist Lilith eine zentrale Symbolfigur des jüdischen Feminismus. In der Literatur spielte sie in den letzten Jahrhunderten eine zunehmende Rolle, besonders in der Phantastik.

Lingam
Indischer Name für ein Symbol des Phallus. Häufig ist es eine Säule oder ein kegelförmiger Stein. Sehr oft ist das L. Shiva geweiht.

Linga Sharia
Wort aus der indischen Sprache Sanskrit, bezeichnet den Astralkörper.

Loch-Ness-Ungeheuer
Nessie, so heißt das angebliche Seeungeheuer, soll im schottischen Loch Ness (Loch = schottisch für See) leben. Für seine Existenz gibt es aber keine stichhaltigen Beweise. Einige Esoteriker behaupten, daß das Seeungeheuer eine Folge des Abramelinrituals sei, welches Aleistey Crowley im Jahr 1900 in seinem Landhaus am Loch Ness durchführte. Andere Meinungen gehen dahin, daß es ein Werbegag der örtlichen Whiskybrennereien und Tourismusbüros ist.

Loge
Wort unbekannten Ursprungs, bezeichnet einerseits den Versammlungsort der Freimaurer (Freimaurerei), andererseits ist es auch der Name für eine lokale Mitgliedergruppe der Freimaurer.

Logos
griechisch "Wort, Gedanke, Vernunft, Sinn". In der Philosophie des Griechen Heraklit ist der L. die Ordnung und das Gesetz, nach dem die Welt funktioniert. Später nannte man einen Gedanken Gottes L. oder sah ihn als ein Ausströmen der Kraft Gottes. Im Evangelium des Apostels Johannes, welches mit den Worten beginnt "Am Anfang war das Wort ( "Logos" im griechischen Original)", ist der L. die in Jesus menschgewordene göttliche Kraft.

Loki
Eine Gestalt aus den nordeuropäischen Mythen, die sowohl Unheil als auch Hilfe bringen kann. Er ist der Gott des Feuers, und er ermordete den Licht- und Sonnengott Balder mit einem Mistelzweigpfeil. Dafür muß er bis zur "Götterdämmerung" (dem Ende der Welt) büßen. L. ist der Vater der Todesgöttin Hel, der Midgardschlange und des Fenriswolfes (Fenrir).

Lorber, Jakob (1800-1864)
Österreichischer Musiklehrer. Um 1840 begann er, eine Stimme zu hören, nach deren Diktat er eine große Anzahl von mystischen Offenbarungstexten schrieb. Allein sein "Evangelium Johannis" umfaßt zehn Bände. Auch heute hat L. noch eine recht große Anhängerschaft.

Lotus
In Ägypten, Indien und vielen anderen Ländern eine heilige Blume. Abends schließen sich seine Blüten, am Morgen gehen sie wieder auf. Deswegen war schon in Ägypten der L. ein Symbol der Sonne, des Sonnengottes Horus und auch der Wiedergeburt. In Indien wird der L. sowohl mit dem Gott Brahma wie auch mit Buddha in Verbindung gebracht. Die heiligste Meditationsformel (Meditation) der Buddhisten "Om Man Padme Hum" läßt sich als "O Du Juwel in der Lotusblüte" übersetzen.

Lotussitz
Spezielle Meditations- und Sitzhaltung aus dem Hatha Yoga.

Lovecraft, Howard Phillip (1890-1937)
Amerikanischer Autor von Horrorgeschichten und Romanen. Seine Bücher sind vielgelesen und erfreuen sich einer großen Anhängerschaft. Er schuf einen ganzen Kosmos von Göttern und bösen Wesen, die die Erde schon seit Urzeiten bewohnt haben sollen, die aber verbannt wurden und nun darauf warten, wieder an die Oberfläche zu kommen. Am bekanntesten ist sein "Cthulhumythos". In seinen Büchern taucht auch häufig ein sagenumwobenes Zauberbuch auf, das "Necronomicon", mit dessen Hilfe es möglich sein soll, die alten Götter zu beschwören. Dieses Buch ist eine reine Erfindung L.'s, auf dem esoterischen Buchmarkt gibt es aber trotzdem mehrere Ausgaben davon. Die Bücher L.'s sind voller offenem und verstecktem Rassismus. Die Anhänger der von ihm geschilderten bösen Kulte sind meist Farbige oder Angehörige südländischer Völker.

LSD
Abkürzung für Lysersäurediäthylamid. Der chemische Stoff wurde 1938 von dem schweizerischen Wissenschaftler Albert Hoffmann aus Mutterkornextrakt synthetisiert. Wie Meskalin und Peyotl kann er zu Visionen und tieferen Einsichten in die eigene Seele führen, wenn er verantwortungsbewußt und kontrolliert verwendet wird. Bei den Prophezeiungen von Delphi wurde die Priesterin (Phytia) nach neueren Erkenntnissen durch natürliches LSD in einen der Trance ähnlichen Zustand versetzt. In der Medizin galt LSD als erfolgversprechendes Medikament z. B. in der Krebstherapie. Zum Bedauern vieler WissenschaftIer stuften Politiker den Stoff jedoch als Rauschgift ein und verboten ihn. Nachfolgend wurde LSD für den kriminellen Schwarzmarkt interessant und verkam zur gefährlichen Partydroge für Jugendliche. Die vielzitierte Geschichte, daß es Todesfälle gegeben habe, weil Leute unter LSD-Einfluß glaubten, fliegen zu können, und sich deshalb aus dem Fenster stürzten, ist eine Erfindung der Filmindustrie. Da LSD aber in seltenen Fällen latente Geisteskrankheiten zum Ausbruch bringen kann, gehört es nicht in die Hände von Laien.

Lucifer
siehe Luzifer

Luft
Eins der vier Elemente. In der Esoterik hat die L. eine Beziehung zum Verstand, ist beweglich und anpassungsfähig und verbindet alles mit allem. Ihre Elementargeister sind die Sylphen. In der Astrologie sind ihr die Tierkreiszeichen Zwilling, Waage und Wassermann zugeordnet.

Lullus, Raimundus (1235-1315)
Spanischer Mystiker und Alchemist (Alchemie), eigentlich Ramón Lull. Nachdem er einige tiefe mystische Erlebnisse hatte, die ihn zu einem überzeugten Christen gemacht hatten, reiste L. mehrmals in islamische Länder, um die Moslem zu bekehren. Angeblich soll L. auch in der Lage gewesen sein, Gold herzustellen.

Luna
Römische Mondgöttin, auch lateinischer Name des Mondes.

Luria, Isaak (1534-1572)
jüdischer Kabbalist (Kabbalah).

Luzides Träumen
siehe Träumen, luzides

Luzifer
(lateinisch "Lichtbringer"). Eigentlich der Name der Venus als Morgenstern. Durch eine recht freie Deutung des Bibelverses "Wie bist du vom Himmel gefallen, du schöner Morgenstern" (Luk. 10,18), die sich eigentlich auf den König von Babylon bezieht, wurde er im frühen Mittelalter zu einem Fürsten der Hölle. Zur gleichen Zeit wurde in der jüdischen Mystik spekuliert, er sei ursprünglich einer der höchsten Engel gewesen (sein hebräischer Name lautet "Helel ben Schachar" = Sohn der Morgenröte) , der aber gegen Gott rebellierte und dann aus dem Himmel verstoßen wurde. Zuvor hatte sogar ein Papst den Namen Phosphorus getragen (die griechische Übersetzung von Lichtbringer). Bei christlichen Dämonengläubigen gilt er als oberster Richter der Hölle. Für Esoteriker wie Eliphas Levi ist er der Engel der Erneuerung und Erleuchtung. Auch in der Theosophie hat L. eine positive Bedeutung. Dort ist er der Engel, der den Menschen das Licht der Erkenntnis und Vernunft gebracht hat und symbolisiert den rebellischen Geist, der sich gegen jede Art von Unterdrückung zur Wehr setzt.

Lykanthrophie
(griechisch) bezeichnet die Fähigkeit eines Menschen, sich in einen Wolf zu verwandeln. Viele Hexen sollen über diese Fähigkeit verfügt haben (Hexerei). Der Begriff des Werwolfs hängt mit L. eng zusammen. Vampire sollen ebenfalls in der Lage sein, sich in Wölfe zu verwandeln. Der amerikanische Okkultist und Magier Michael Bertiaux bietet in seinem "Monastery of the Seven Rays" (Kloster der Sieben Strahlen) für alle Interessierten einen Kursus in L. an.