Lexikon - J


J
Jachin
Name einer der Säulen in Salomons Tempel in Jerusalem. In der Freimaurerei ist J . meist die linke Säule und gilt als weiß. Sie wird dem männlichen Prinzip zugeordnet. Der Name der rechten, schwarzen Säule lautet Boas. In der hebräischen Mythologie sind diese Zuordnungen nicht überliefert. Im Hebräischen bedeuten "Jachin und Boas" im übertragenen Sinn "die Stützen der Gesellschaft". Die ursprüngliche Bedeutung der Worte ist unbekannt. Wahrscheinlich gehen die Säulen auf die Zeit zurück, als bei den Stämmen Israels der Monotheismus (der Glaube an einen einzigen Gott) entwickelt wurde. In früheren Zeiten wurden Götter oft als Säulen verehrt, und so nehmen manche Religionswissenschaftler an, J. und Boas könnten für die Götter Jehova und Baal stehen. Da man die Verehrer beider gewinnen wollte, wurden auch die Symbole beider im oder vor dem Tempel aufgestellt.

Jahwe
Name Gottes im Alten Testament; da die hebräische Sprache über keine Selbstlaute (Vokale) verfügt, ist die genaue Aussprache dieses Wortes ungeklärt. Im Hebräischen besteht der Name aus den vier Buchstaben Yod, He, Vau (oder Waw), He, deshalb wird er auch Tetragrammaton (Vierbuchstabiger) genannt. Die genaue Aussprache dieses höchsten Namens Gottes war geheim. Immer wenn der Hohe Priester im Tempel den Namen aussprach, wurde mit Glocken etc. Lärm erzeugt, um es den Gläubigen unmöglich zu machen, die Aussprache des Namens zu hören. Im Alten Testament wurde statt des Tetragrammatons auch oft Adonai gesagt. Eine andere Ausspracheversion ist Jehovah. Der vierbuchstabige Name Gottes wurde auch als eine mächtige Zauberformel angesehen. Wer die richtige Aussprache kenne, könne Himmel und Erde erzittern lassen, hieß es. In der Magie wurde jeder Buchstabe einem der Elemente zugeordnet. Yod - Feuer, He - Wasser, Vau - Luft, End-He - Erde.

Jainismus
Eine der Religionen Indiens, die von Mahavira, einem Zeitgenossen des Buddha, geschaffen wurde. Der J. besteht seit mehr als zweieinhalbtausend Jahren. Im 1. Jahrhundert n. Chr. gab es eine Spaltung, seit der eine Gruppe der Jainisten ein weißes Leinentuch trägt, während die andere nackt ist. Inhaltlich unterscheiden sie sich sonst nicht. Nach einer 1990 erfolgten Schätzung bekennen sich ungefähr 3, 7 Millionen Menschen auf der Welt zu dieser Religion, wovon die meisten in Indien leben. Als eines der Hauptkennzeichen dieser Religion gilt das Prinzip, daß kein Lebewesen verletzt werden darf, da alle eine Seele haben. Jainistische Mönchen tragen deshalb Leinentücher über Mund und Nase, um so zu verhindern, daß sie versehentlich ein Lebewesen einatmen und dadurch töten. Ebenso werden die Fußböden der Wohnung eines Jainisten extrem sauber gehalten, damit sich dort keine Insekten o. ä. befinden. Askese und strenges Fasten spielen beim J. eine wichtige Rolle und ist wohl die einzig bekannte Religion, die es ihren Mitgliedern gestattet, unter bestimmten Bedingungen den eigenen Tod durch Fasten schneller herbeizuführen. Der J. hat eine besondere Form des Yoga entwickelt.

James, William (1842-1910)
amerikanischer Philosoph und Psychologe, Bruder des Romanciers Henry James. Nach J. sind Philosophien ein Ausdruck des persönlichen Charakters und Temperaments eines Menschen. Sie sind Hilfsmittel, die den Menschen bei der Lösung ihrer Probleme beistehen und sollten daher in bezug auf ihre praktischen Konsequenzen für das menschliche Leben beurteilt werden. Die herrschende Wahrheit sei dann wahr, wenn sie praktische Auswirkungen auf das menschliche Leben habe. Seine Bücher "The Will to Belief" (Der Wille zu glauben, 1897) und "The Varieties of Religious Experiences" 1902 (Die Vielfalt religiöser Erfahrungen 1979), haben viele Esoteriker und Okkultisten beeinflußt. In seinen Büchern untersucht J. die Frage des Glaubens in bezug auf die Fälle, in denen kein direkter Beweis für den Glauben eines Menschen vorhanden ist. Er gelangt dabei zu der Schlußfolgerung, daß religiöse Gebote bei den Gläubigen eigene Wahrheiten schaffen und bei ihnen religiöse Erfahrungen hervorrufen können, weil sie es "wollen". Den Glauben an Gott definiert einer der Hauptvertreter der philosophischen Schule des Pragmatismus gemäß dieser Theorie: Der Glaube an Gott wird beim Gläubigen dadurch gerechtfertigt, daß er seine Erfahrungen positiv beeinflußt.

Janus
Name des römischen Gottes mit den zwei Gesichtern. Er symbolisiert den Ein- und Ausgang, Vergangenheit und Zukunft. Der Name des ersten Monats unseres Jahres, Januar, stammt vom Namen dieses Gottes.

Jehova
siehe Jahwe

Jesus
Ideologischer Begründer des Christentums, der in der römischen Provinz Syrien gelebt haben soll. Er wurde zur Zeit des Kaisers Tiberius hingerichtet. Seine Anhänger (Christen) sehen ihn als Sohn Gottes, als den Messias, der sie durch sein Leben und Sterben von der Erbsünde befreit hat, die Adam und Eva im Paradies begangen haben sollen. Drei Tage nach seinem Tod soll er von den Toten wieder auferstanden sein.
Damit habe er für sich und seine Anhänger den Tod besiegt. Das Leben und die Lehren Jesu werden in den vier Evangelien des Neuen Testaments (Teil der Bibel) beschrieben. Die Hauptlehre des Christentums ist die Nächstenliebe. Die zwei existierenden Originale dieser Evangelien - eines befindet sich im Vatikan in Rom, das andere im Britischen Museum in London - stammen aus dem 4. Jahrhundert nach Christus. Genaue Fakten über den historischen Jesus gibt es nicht, da außer den Evangelien so gut wie gar nichts Schriftliches über ihn existiert. Man weiß aber, daß er nicht aus Nazareth stammen konnte, da es um seine Zeit diesen Ort noch gar nicht gab. Einige Forscher vertreten deshalb die These, daß Jesus ein Nazoräer war. Die Nazoräer waren eine jüdische Sekte, wie etwa die im Neuen Testament häufig erwähnten Pharisäer. Einer anderen Theorie zufolge war er Mitglied der Essener. In den Jahrhunderten nach dem Tode Jesu hat sich das Christentum in viele Untergruppen gespalten.

Johannes von Kreuz (1542-1591)
War ein spanischer Karmelitermönch (San Juan de la Cruz). Er war ein Schüler der heiligen Therese und unterstützte deren Ordensreform (Unbeschuhte Karmeliter). Er stiftete mehrere Klöster, ist heutzutage aber vor allem noch durch seine mystischen Lieder und Texte, z. B. "Die dunkle Nacht der Seele" und "Aufstieg vom Berge Karmel" bekannt.

Johannesgrade
Name für die ersten drei Grade (Lehrling, Geselle, Meister) der Freimaurerei. Die Inhaber dieser Grade schließen sich zur Johannes-Loge zusammen.

Jones, Charles Stanfield (1886-1950)
Auch unter dem magischen Namen Frater Achad bekannt. J. war für einige Zeit ein Schüler Crowleys und lieferte ihm wichtige Hinweise für die Entschlüsselung kabbalistischer Probleme im "Buch des Gesetzes". Später zerstritt er sich mit Crowley und verkündete etwa Mitte der vierziger Jahre den Anfang eines neuen Zeitalters, des Äons (Platonisches Jahr), von Ma-Ion. Dieses Äon stehe, so J ., unter der Herrschaft der ägyptischen Göttin der Gerechtigkeit Maat. J. hat sicher mit die originellsten und eigenständigsten Bücher über die Kabbalah geschrieben, z. B. "QBL" und "The Anatomy of the Body of God" (die Anatomie des Körpers von Gott).

Judentum
Die Juden sind keine ethnische Gruppe, sondern eine religiöse Gemeinschaft. Die jüdische Religion basiert auf dem Alten Testament und hierbei vor allem auf der Thora (den fünf Büchern Mose) und den Büchern der Propheten. In der jüdischen Religion gibt es nur einen Gott (Jahwe/Jehovah), der sich Moses und dem Volk Israel am Berg Sinai offenbarte. Hauptprämisse der Juden ist: Der Mensch soll Gutes tun und bösen Einflüssen widerstehen. Der gläubige Jude lebt in der Hoffnung, daß der Messias (der Gesalbte Gottes) erscheine und das Reich des Friedens und die Aussöhnung mit der Schöpfung wiederherstelle.

Judge, William Quan (1851 Irland - 1896 USA)
Rechtsanwalt, der ein großes Interesse an Spiritismus, Esoterik und Theosophie hatte. Als er mit den Schriften von H. P. Blavatsky in Kontakt kam und sie später persönlich kennenlernte, wurde er zu einem ihrer begeistertsten Anhänger. Von ihm stammt die Idee der Schaffung der Theosophischen Gesellschaft. Nach dem Tode der Blavatsky wurde er ihr Nachfolger in der Theosophischen Gesellschaft. Sein Buch "The Ocean of Theosophy" (Das Meer der Theosophie) erschien 1893 und gilt seitdem unter Kennern der Materie als die beste Zusammenfassung der Lehren von Madame H. P. Blavatsky.

Jürgensoneffekt
Der Schwede Jürgenson (1903-1987) war ein Filmproduzent, der Ende der fünfziger Jahre auf das Phänomen der Tonbandstimmen stieß.
Auf einem Tonband sind gelegentlich Stimmen zu hören, deren Ursachen man durch den Einsatz technischer Mittel nicht herausfinden kann und die deshalb, so lautet eine These, paranormalen Ursprungs sind.

Julian Apostata (331-363 n. Chr.)
Flavius Claudius Julianus, genannt Julian Apostata (Julian, der vom christlichen Glauben Abgefallene), war der letzte heidnische Kaiser Roms. J. A. war ein Neffe Konstantins I. und wurde nach dessen Tod (im Jahr 337 n. Chr. ) ins Exil geschickt. Hier wendete er sich vom Christentum ab und schloß sich wieder den heidnischen, römischen Kulten an. Im Jahre 354 n. Chr. wurde er zum Oberbefehlshaber der römischen Truppen ernannt und erhielt 361 n. Chr. den Titel Caesar (=Kaiser) . Er nahm die Vorteile, die die christliche Religion unter seinen Vorgängern hatte, zurück und begann wieder die alte römische Religion zu propagieren. Dies geschah vor allem durch öffentliche Verlautbarungen und philosophische Diskussionen. Im Jahre 363 n. Chr. starb er auf einem Feldzug gegen die Perser. Gerüchten nach sollen ihn Christen vergiftet haben. Sein Nachfolger Jovian stellte die Privilegien der Christen wieder her.

Jung, Carl Gustav (1875-1961)
Schweizer Arzt und Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie. Zeit seines Lebens hatte J. Visionen und Träume, die mythologischen und religiösen Charakter hatten. Dies führte zu seinem Interesse an Mythen, Träumen und Religionen. Hierin liegt auch seine Bedeutung für die Esoterik: Er schuf wichtige Studien über Alchemie und Religionen, wobei ihn vor allem die östlichen interessierten. Eine lange Zeit glaubte J., daß er in zwei Wesen gespalten sei, in sein äußeres Selbst, das sich um Familie, Freunde, Beruf etc. kümmere und in ein geheimes, inneres Selbst, das Gott besonders nahe sei. Den Großteil seines Lebens verwandte er darauf, diese beiden Seiten in seinem Selbst zu einer Einheit werden zu lassen. Von 1907-1913 war J. Schüler und später Mitarbeiter Sigmund Freuds, zerstritt sich aber später mit ihm u. a. wegen der Freudschen Sicht der Sexualität. In Freuds Psychoanalyse wurde die Sexualität als Motor aller Motivation und allen menschlichen Verhaltens gesehen. J. dagegen verstand die Libido - die schöpferische Lebensenergie - so, daß sie sich auf verschiedene Art und Weise als Motivationskraft des menschlichen Handelns äußern könnte. Die zwei grundlegenden Richtungen der Libido definierte er so: 1. die extravertierte, die sich nach außen auf Menschen und Dinge richtet und 2. die introvertierte, die sich auf Bilder, Ideen und das Unbewußte richtet. J. schuf vier psychologische Typen, nach denen man die Menschen einordnen könne. Es gibt demnach den denkenden, fühlenden, empfindenden und intuitiven Typus. Übertragungen der Libido von einer Ebene auf eine andere, z.B. von der Sexualität auf die Religion, geschieht mit Hilfe von Symbolen, die während der Änderung der Persönlichkeit geschaffen werden. Für J. war das Symbol das wichtigste Werkzeug beim Verständnis des menschlichen Wesens. Er unterschied zwischen den individuellen menschlichen Symbolen (z. B. persönlichen Ängsten, etwa vor Dunkelheit, vor gefährlichen Tieren etc.) und den kollektiven aus Mythologie und Religion (z. B. der sagen- und märchenhaften Vorstellung eines Drachen oder Ungeheuers, mit dem ein Held kämpfen muß) und fand sehr viele Ähnlichkeiten zwischen beiden. Als Ergebnis hiervon schuf er die Theorie der zwei Schichten des Unbewußten, der persönlichen und der kollektiven. Die persönliche Schicht besteht aus den Bewußtseinsinhalten, die der Mensch im Laufe seines Lebens erlangt hat, die er aber vergessen oder unterdrückt hat. Die kollektive Schicht ist eine angeborene Struktur, über die alle Menschen von ihrer Geburt an verfügen. Sie besteht aus den sogenannten Archetypen, immer wiederkehrenden, allgemeingültigen menschlichen Situationen. So gibt es Archetypen über das Verhältnis von Eltern zu Kindern, über Partnersuche, das Bekommen von Kindern oder über den Tod. Archetypen findet man nach J. in symbolischer Form, die gelegentlich verzerrt oder überhöht ist, in allen Religionen und Mythen der Erde. In seinen späteren Jahren erweiterte J. seine Theorien dahingehend, daß es noch eine tiefere Ebene des Unbewußten gebe, die nicht gebunden ist an Raum, Zeit und das Gesetz von Ursache und Wirkung (Kausalität). Hier hätten die okkulten Phänomene wie Wahrsagen, Vorausahnungen, Hellsehen und viele andere ihren Ursprung.

Juno
Schwester und Ehefrau des römischen Gottes Jupiters. J. war die Herrscherin über alle römischen Götter und die Schützerin der Ehe und der Frauen. Außerdem war sie die Schutzgöttin der römischen Staatsfinanzen. Die staatliche Münzprägeanstalt befand sich in Rom in ihrem Tempel auf dem capitolinischen Hügel. Ihr Fest waren die Matronalien, die jedes Jahr am ersten März stattfanden.

Jupiter (Gott)
Oberster Gott der Römer. Ehemann der Juno und Vater aller Götter und Göttinnen. J. war der Gott des Donners und des Blitzes. Er galt als allwissend und war den Menschen im allgemeinen wohlgesonnen. In späterer Zeit wurde er oft mit dem griechischen Gott Zeus gleichgestellt. Trotzdem gab es Unterschiede zwischen beiden. So verließ Zeus oft den Olymp und ging unter die Sterblichen, um amouröse Abenteuer zu erleben. J. dagegen tat dies nie. Sein höchstes Heiligtum stand auf dem capitolinischen Hügel in Rom.

Jupiter (Planet)
Größter Planet unseres Sonnensystems. Nach der Venus ist er der hellste Stern am Himmel. In der Astrologie steht er für Glück und Erfolg. Er beherrscht die Tierkreiszeichen Schütze und Fische.